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Wo Dipps Einwohner gewinnt und verliert

Oberbürgermeisterin Kerstin Körner will die Stadt auf 15.000 Einwohner bringen. Was sagen die neuesten Zahlen: Ist das Ziel zu erreichen?

Aus der Luft sieht Naundorf idyllisch aus. Aber es ist der Ortsteil von Dippoldiswalde mit dem stärksten Einwohnerrückgang.
Aus der Luft sieht Naundorf idyllisch aus. Aber es ist der Ortsteil von Dippoldiswalde mit dem stärksten Einwohnerrückgang. © Egbert Kamprath

Die Dippoldiswalder Oberbürgermeisterin Kerstin Körner (CDU) hat das Ziel ausgegeben, dass die Stadt wieder auf 15.000 Einwohner kommt. Damit würde sie bei den finanziellen Hilfen vom Freistaat eine andere Stufe erreichen und mehr Geld erhalten. Außerdem wären mehr Einwohner nicht nur für die Oberbürgermeisterin ein Gewinn. Eventuelle Neu-Dippser würden hier Wohnungen mieten oder kaufen, die Freizeiteinrichtungen nutzen, in den Geschäften einkaufen, kurz und gut: In Dipps wäre mehr los.

Malter an der gleichnamigen Talsperre ist der Ortsteil von Dippoldiswalde, der in den vergangenen fünf Jahren den höchsten Einwohnerzuwachs hatte.
Malter an der gleichnamigen Talsperre ist der Ortsteil von Dippoldiswalde, der in den vergangenen fünf Jahren den höchsten Einwohnerzuwachs hatte. © Egbert Kamprath

Aber um dieses Ziel zu erreichen, muss Körner einen Trend umkehren, der seit dem Jahr 2000 anhält und vorher schon begonnen hat. In den Jahren 1983 und 1984 hatten die Gemeinden, die heute alle zu Dipps gehören, über 17.000 Einwohner. Silvester 1990 lebten 16.474 Menschen in Dipps und seinen Ortsteilen. 1991 sank ihre Zahl dann unter 16.000, erholte sich Mitte der 1990er-Jahr weieder.

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Im Jahr 2000 war der Höhepunkt seit der Wende erreicht mit 16.341 Bewohnern. Seitdem geht es stetig bergab. 2002 wurde die 16.000er-Marke unterschritten und im Jahr 2009 hat Dippoldiswalde die 15.000er-Grenze unterschritten, wie das Statistische Landesamt informiert. Seitdem sank die Einwohnerzahl mit einer Ausnahme stetig. Die Jahre 2015 und 2016 brachten etwas Zuwachs. Das war damals in erster Linie durch den Zuzug von Flüchtlingen verursacht.

Aber wer die Dippser Ortsteile im Einzelnen betrachtet, erkennt wo die Hoffnungen liegen können und wo die Sorgenkinder sind. Grob zusammengefasst lässt sich sagen, dass die Ortsteile im Norden von Dippoldiswalde, die am nächsten zu Dresden liegen, den größten Zuwachs haben. Malter und Oberhäslich haben in den letzten fünf Jahren fast sieben Prozent an Einwohnern gewonnen. Dort wurden durch Lückenbebauungen immer wieder neue Häuser errichtet. Weiter sind Reinberg, Reichstädt, Seifersdorf, Ulberndorf und Obercarsdorf auf der Gewinnerseite, die alle im unteren Gebiet von Dipps liegen.

Hennersdorf lockt mit gutem Zusammenhalt

Zwei Ausnahmen fallen dabei ins Auge, erstens ein Gewinnerdorf im oberen Stadtgebiet. Hennersdorf hat in den letzten fünf Jahren 4,4 Prozent an Einwohnern dazugewonnen. „Ja, darauf sind wir auch stolz. Wir haben jetzt wieder zwei Bauanträge von jungen Familien vorliegen“, sagt Ortsvorsteher Henry Krenz (Freie Wähler). Die Attraktivität des Ortes führt er darauf zurück, dass dort ein guter Zusammenhalt herrscht. „Wer einmal hier war, kommt gern zurück und welche, die das Dorf neu kennenlernen, denen gefällt es auch“, sagt Krenz.

Paulsdorf hat den Abwärtstrend gestoppt

Zweitens fällt im unteren Stadtgebiet Paulsdorf aus dem Rahmen, denn der Ort an der Talsperre Malter hat seit 2015 rund sechs Prozent an Einwohnern verloren. Hier zeigt sich die Kehrseite des schnellen Wachstums, das Paulsdorf in den 1990er-Jahren erlebt hat. Ortsvorsteher Mario Kretschmann (Freie Wähler) beschreibt den Zusammenhang. Damals sind viele junge Familien neu zugezogen. Deren Kinder sind inzwischen erwachsen und gehen eigene Wege, oft außerhalb von Paulsdorf. Die Elterngeneration wohnt aber noch Haus oder der Eigentumswohnung der Familie. Dieser Trend hat sich allerdings beruhigt. Von 2019 auf 2020 hat Paulsdorf seine Einwohnerzahl gehalten.

Naundorf ist das größte Sorgenkind

Das größte Sorgenkind unter den Dippser Ortsteilen ist Naundorf bei Schmiedeberg. Dieser Ortsteil hat in den letzten fünf Jahren 15 Prozent seiner Einwohner verloren. Das ist aber weniger ein Problem des traditionellen Dorfs in Obernaundorf, sondern mehr eines der Siedlung im unteren Ort. Hier stehen städtische geprägte Wohnhäuser, der Ort hat aber keine städtischen Angebote, keine Einkaufsmöglichkeit, keine Arztpraxis. Selbst für den täglichen Bedarf müssen die Einwohner fahren. Deswegen sind in den vergangenen Jahren gerade auch ältere Menschen in zentralere Orte umgezogen. Davon hat beispielsweise die Kernstadt Dippoldiswalde profitiert.

Wie die Dippser Ortsteile sich seit fünf Jahren entwickelten

Ortsteil; Einwohner 2020; Zu-, Abnahme seit 2015 in Prozent

Malter; 669; + 6,9 %
Oberhäslich; 334; + 6,7 %
Hennersdorf; 429; + 4,4 %
Reinberg; 114; + 3,6 %
Reichstädt; 1.331; + 1,9 %
Seifersdorf; 975; + 0,9 %
Ulberndorf; 481; + 0,4 %
Obercarsdorf; 775; + 0,4 %
Dönschten; 161; 0,0 %
Dipps Kernstadt; 4.813; -0,5 %
Gesamtstadt; 14.317; -2,1 %
Reinholdshain; 500; -2,2 %
Schönfeld; 224; -2,6 %
Berreuth; 146; -2,7 %
Oberpöbel; 19; -5,0 %
Paulsdorf; 659; -6,3 %
Schmiedeberg; 1.582; -9,7 %
Ammelsdorf; 135; -10,6 %
Elend; 81; -11,0 %
Sadisdorf; 348; -11,0 %
Naundorf; 541; -15,3 %

Quelle: Stadtverwaltung Dippoldiswalde, Stichtage 31. 12. 2015 und 2020.

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