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Er hat Dippoldiswalde mitgeprägt

Gunter Ullrich war ein Politiker der ersten Stunde nach 1989. Als Stadtrat und als Architekt war sein Fachwissen immer gefragt. Nun ist er verstorben. Ein Nachruf.

Hier steht Gunter Ullrich vor Bildern von Bauten, die er mit betreut hat. Der engagierte Kommunalpolitiker und Architekt ist vergangene Woche verstorben.
Hier steht Gunter Ullrich vor Bildern von Bauten, die er mit betreut hat. Der engagierte Kommunalpolitiker und Architekt ist vergangene Woche verstorben. © Egbert Kamprath

Als gegen Ende der DDR sich auch in Dippoldiswalde Bürger für eine neue Politik engagierten, gehörte Gunter Ullrich mit zu den Ersten. Der Architekt hatte sich mit anderen Dippsern zu einer Gruppe zusammengetan, die sich Neues Forum nannte und im November 1989 eine Demonstration mit rund 1.000 Teilnehmern auf dem Dippser Markt organisiert hat. Ullrich setzte sein politisches Engagement dann fort und stellte sich 1990 zur Stadtratswahl. Er wurde als einer von drei Abgeordneten des Neuen Forums in den Rat und anschließend zum Stadtverordnetenvorsteher gewählt. Günter Beyer, der damals Bürgermeister von Dippoldiswalde war, sagt: "Er war Chef vom Stadtrat und ich war Verwaltungsleiter. Wir haben in der Zeit gut zusammengearbeitet. Ich trauere mit seiner Familie um ihn."

Sein Fachwissen war oft gefragt

Stadtverordnetenvorsteher war ein Ehrenamt. Es wurde 1994 mit der neuen Gemeindeordnung abgeschafft. Die Forums-Abgeordneten schlossen sich mit anderen Stadträten zu den Unabhängigen Bürgern zusammen, an deren Spitze Gunter Ullrich bis 2009 stand. Zeitweise war er auch 2. Stellvertreter des Bürgermeisters. In dieser Funktion hat er Dippoldiswalde geprägt. Gerade sein Fachwissen in baulicher und stadtgestalterischer Hinsicht war immer gefragt, ob bei Entscheidungen zum Bau des Gewerbegebiets in Reinholdshain oder zur Stadtsanierung.

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Er hat immer Mut gehabt

Das Interesse an seiner Heimatstadt und am Bauen war Gunter Ullrich bereits in die Wiege gelegt. Schon sein Vater Kurt Ullrich war Vermessungsingenieur und hatte sich für die Erforschung der Dippser Geschichte engagiert. Gunter Ullrich hat dann Architektur studiert und war in den 1980er-Jahren leitender Architekt im Kreisbaubetrieb, wie Axel Ruhsam erzählt, der auch dort gearbeitet hat. Zahlreiche Wohnbaublöcke in Pretzschendorf, Schmiedeberg, in Dippoldiswalde, Schul-, Gewerbe- und Industriebauten hat Ullrich in dieser Zeit als Planer betreut.

"Und er hat immer Mut gehabt", sagt Ruhsam. Er hatte 1989 den Aufruf des Neuen Forums von Freunden bekommen und ihn dem Kollegen gezeigt. "Er hat sofort gesagt: Das unterschreibe ich", erinnert sich Ruhsam. Auch später, als es beispielsweise darum ging, die Beschlüsse des Stadtrats zu den Abwasserbeiträgen gegenüber aufgebrachten Bürgern zu verteidigen, blieb er standfest.

Vor 30 Jahren selbständig gemacht

Die beiden Kollegen taten sich zusammen und gründeten ihr eigenes Planungsbüro. Im Dezember 1990 erhielten sie die Gewerbeerlaubnis. Im Januar 1991, vor genau 30 Jahren, begann die Arbeit im Architekturbüro Ruhsam & Ullrich, das in den Jahren seither ebenfalls in Dippoldiswalde und im Osterzgebirge durch seine Bauten die Städte und Dörfer geprägt hat. Zahlreiche Bauten in Dippoldiswalde und der Umgebung wie der Sportpark Dippoldiswalde oder das Erlebnisbad in Paulsdorf wurden von ihnen geplant, aber auch Umbauten wie das Kinderhaus in Ruppendorf tragen die Handschrift des Büros.

Das Büro hat sich in den letzten Jahren gewandelt. 2013 wurde es in eine GmbH umgewandelt. Hier ist Gunter Ullrich aus Altersgründen nicht mehr in die Geschäftsleitung eingestiegen, hat aber weiterhin als Architekt gearbeitet und seine Projekte betreut, bis ihm seine Erkrankung das nicht mehr ermöglichte. Er ist vergangene Woche im Alter von 72 Jahren verstorben.

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