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Fabrik geht wieder in Zwangsversteigerung

Im Unterdorf des Klingenberger Ortsteils Colmnitz verfällt seit Jahrzehnten eine imposante Fabrik. Auch das Gericht kann da nicht richtig weiterhelfen.

Im Dornröschenschlaf liegt die ehemalige Möbel- und Landmaschinenfabrik in Colmnitz. Eine gute Fee ist hier nicht zu erwarten, aber vielleicht eine Zwangsversteigerung.
Im Dornröschenschlaf liegt die ehemalige Möbel- und Landmaschinenfabrik in Colmnitz. Eine gute Fee ist hier nicht zu erwarten, aber vielleicht eine Zwangsversteigerung. © Egbert Kamprath

Im Unterdorf von Colmnitz steht die ehemalige Fabrik, die den Alteingesessenen noch unter dem Kürzel BBG bekannt ist. Das steht für VEB Bodenbearbeitungsgeräte Leipzig. Das imposante Gebäude beschäftigt derzeit das Amtsgericht in Dresden, wie Klingenbergs Bürgermeister Torsten Schreckenbach (BfK) den Gemeinderat informierte. Dort werden Zwangsversteigerungen abgewickelt.

Keine Grundsteuer, also ließ die Gemeinde versteigern

Der Produktionsbetrieb wurde kurz nach der Wende eingestellt. Kurzzeitig arbeitete in den 1990er-Jahren noch einmal ein Kleinbetrieb namens Mareg in den Räumen. Ansonsten steht die ehemalige BBG leer und verkommt.

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„Sie beginnt einzufallen und wir als Gemeinde mussten erste Sicherungsmaßnahmen vornehmen“, sagt der Bürgermeister. Dachziegel drohten auf die Straße zu fallen. Ein Bauzaun musste her. „Das Gebäude gehörte wohl einem Ägypter“, sagt Schreckenbach. Der Eigentümer reagierte aber nicht auf die Schreiben der Gemeinde. Ihre zustehende Grundsteuer bekam die Gemeinde auch nicht. Daher hat sie die Zwangsversteigerung auf den Weg gebracht.

Berliner Firma hat 7.100 Euro geboten - aber nie bezahlt

Die ging Ende 2019 in Dresden über die Bühne. Ein Immobilienunternehmen aus Berlin hat 7.100 Euro geboten – aber bis heute nicht bezahlt. Das teilte Schreckenbach dem Gemeinderat mit und informierte ihn, dass wohl kein anderer Weg bleibt, als wieder eine Zwangsversteigerung auf den Weg zu bringen. Wenn die Gemeinde das Anwesen für einen symbolischen Euro erwerben könnte, gäbe es eventuell die Möglichkeit, mit Hilfe von Fördermitteln die Fabrik abzureißen. Das würde erstens eine Gefahr beseitigen und würde später wieder die Möglichkeit schaffen, etwas Neues aufzubauen.

Neues Buch des Heimatvereins erzählt die Geschichte

Die Geschichte der Fabrik hat Andreas Hubl im vergangenen Jahr in seinem Buch „Geschichte der Colmnitzer Möbelfabrik/BBG“ dargestellt, das im Verlag des Heimatvereins Colmnitz erschienen ist. In Colmnitzer Geschäften ist es für 25 Euro zu erhalten.

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Hubl stellt dort den Weg dar von den Anfängen als Stuhlbaufabrik im Jahr 1896 bis zum Ende der Möbelproduktion Anfang der 1960er-Jahre. Danach wurde der Betrieb dem VEB Bodenbearbeitungsgeräte Leipzig zugeordnet, der in Colmnitz Teile für einen selbstfahrenden Rübenroder und einen Spritzbalken für den Pflanzenschutz hergestellt hat. Diese Produktion endete bald nach der Währungsunion.

Die Fabrikgebäude blieben seitdem weitgehend dem Verfall überlassen. Die Colmnitzer dürfen gespannt sein, ob die nächste Zwangsversteigerung eine Lösung bringt.

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