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Fahrscheine werden deutlich teurer

Noch bis Dezember laufen Beratungen über die neue Preisrunde. Die Untergrenze der Preissteigerung steht aber schon fest.

Die Fahrgäste im Landkreis müssen mit höheren Fahrpreisen rechnen. Eingeführt werden diese aber nicht mehr in diesem Jahr.
Die Fahrgäste im Landkreis müssen mit höheren Fahrpreisen rechnen. Eingeführt werden diese aber nicht mehr in diesem Jahr. © Steffen Unger

Dieses Mal wird es besonders bitter. Wenn im Dezember die Verantwortlichen des Verkehrsverbundes Oberelbe (VVO) in Weinböhla zusammenkommen, werden sie unter anderem neue Fahrkartenpreise beschließen. Das ist sicher, nicht zuletzt, weil die Zuschüsse aus den Corona-Rettungsschirmen nicht ausreichten, um die Einnahmeverluste und die zusätzlichen Kosten, etwa für Extra-Fahrzeugreinigungen, damit komplett auszugleichen. Die neue Preisrunde trifft das gesamte Gebiet des Verkehrsverbundes Oberelbe (VVO) und damit auch die Fahrgäste im Osterzgebirge und in der Sächsischen Schweiz. Das heißt, voraussichtlich ab August 2022 kosten Fahrten mit Bahn und Bus in der Region deutlich mehr als bisher.

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Unternehmen haben Geldprobleme

Im April und Mai 2019 haben die Busfahrer des Regionalverkehrs Sächsische Schweiz-Osterzgebirge (RVSOE) gestreikt, im Oktober die Mitarbeiter der Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB), erst vor rund fünf Wochen ging die letzte Streikrunde der Lokführer zu Ende. Immer ging es um mehr Geld. Das Ergebnis waren Lohnerhöhungen. Christian Schlemper, der Sprecher des Verkehrsverbundes Oberelbe (VVO), zu dem auch der RVSOE gehört, sagt, nicht nur das Personal, auch Energie und Kraftstoff seien deutlich teurer geworden. Das alles muss bezahlt werden und dafür braucht auch der Regionalverkehr mehr Geld.

Fahrgeldeinnahmen sind zurückgegangen

Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) gehört zur Daseinsvorsorge, also zu den Dingen, die eine Stadt oder ein Landkreis haben muss, weil daran ein allgemeines öffentliches Interesse besteht. Er ist aber ein Zuschussgeschäft, also nicht finanzierbar allein aus den Fahrgasteinnahmen. "Im Jahr 2019 - also vor der Pandemie - lag unser Kostendeckungsgrad bei circa 80 Prozent", sagt Axel Ludwig, Leiter Verkehr beim RVSOE. Dass dieser Wert im Corona-Jahr nicht wieder erreicht werden konnte, liege nahe. "2020 konnten wir nur knapp 75 Prozent Kostendeckung erreichen." Trotzdem sei investiert worden. 2021 wurden 30 neue Busse gekauft, die über den gesamten Landkreis verteilt zum Einsatz kommen werden. Noch ist offen, welche Summe der RVSOE 2022 investieren kann. Das sei unter anderem davon abhängig, wie groß die Zuschüsse vom Freistaat sind, so Ludwig.

Die neuen Fahrpreise werden auch für die Bahnen - hier die Müglitztalbahn - gelten.
Die neuen Fahrpreise werden auch für die Bahnen - hier die Müglitztalbahn - gelten. © VVO

Rechenbeispiele für höhere Fahrpreise

Im VVO arbeitet der RVSOE mit mehreren anderen Nahverkehrsunternehmen zusammen, unter anderem mit der Mitteldeutschen Regiobahn (MRB), der Deutschen Bahn (DB) und den Dresdner Verkehrsbetrieben (DVB). Zur Vorbereitung auf die nächste Entscheidung der Verbundverantwortlichen am 1. Dezember haben Fachleute mehrere Vorschläge zu Preiserhöhungen durchgerechnet. Feststeht bisher nur: ohne höhere Preise geht es nicht.

Zuletzt stiegen die Ticketkosten 2020, damals um durchschnittlich 3,9 Prozent. Davor waren es 2,1 Prozent im August 2018, davor wiederum 1,9 Prozent (August 2017) und 1,6 Prozent (November 2015). Die aktuellen Überlegungen, auch mit Blick auf gesunkene Einnahmen wegen Corona: Die neue Preisrunde wird heftiger als alle vorangegangenen.

Vergleich mit Leipzig und Mittelsachsen

In Leipzig kostet eine Einzelfahrt aktuell 3 Euro, im Kreis SOE und in Dresden sind es noch 2,50 Euro - ein Unterschied von 20 Prozent. Im Mittelsachsen ist es dagegen billiger: Hier kostet die Einzelfahrt 2,30 Euro. Für eine Tageskarte müssen in Leipzig 8 Euro bezahlt werden, im Landkreis SOE und in Dresden sind es 6,50 Euro, in Mittelsachsen 4,60 Euro. Eine Monatskarte kostet derzeit in Dresden 63,60 Euro, eine Zone im Kreis 51 Euro. In Leipzig sind 82,10 Euro, für eine Zone in Mittelsachsen werden 58,80 Euro fällig.

Drastische Preiserhöhungen werde es nicht geben, versichert VVO-Sprecher Christian Schlemper. Schließlich könnte das auch dazu führen, dass die Fahrgäste nicht mitmachen und dann weniger Bus und Bahn fahren. Aber deutlicher als alle vorangegangenen wird der hiesige Preissprung werden. Also werden es im Schnitt mehr als vier Prozent - aber weniger als zehn, glaubt Schlemper.

Der RVSOE bedient die Buslinien im Osterzgebirge und in der Sächsischen Schweiz.
Der RVSOE bedient die Buslinien im Osterzgebirge und in der Sächsischen Schweiz. © Daniel Schäfer

Nicht alle Fahrpreise steigen um den Durchschnittswert

Welche Tickets im Verkehrsverbund teurer werden und um wie viel, ist noch nicht entschieden. Dazu wird es vor der Sitzung am 1. Dezember im Zentralgasthof Weinböhla noch Absprachen geben, unter anderem im Hauptausschuss des VVO. Der setzt sich zusammen aus Politikern und Verwaltungsvertretern der Stadt Dresden, der Landkreise Meißen, Bautzen und Sächsische Schweiz-Osterzgebirge sowie Vertretern der dort tätigen ÖPNV-Anbieter.

Dabei geht es um jede einzelne Fahrscheinart, die Frage, ob jeweils eine Preiserhöhung zumutbar ist und welchen Umfang sie haben soll. Es könnte auch entschieden werden, dass einzelne Tickets nicht angefasst werden, also der Preis unverändert bleibt. Anfang Dezember liegt dann ein Vorschlag auf dem Tisch, über den in Weinböhla abgestimmt werden muss.

Zwei Tickets werden nicht teurer

Das erst kürzlich eingeführte Bildungs-Ticket wird nicht teurer, versichert Schlemper. Es wird auch weiterhin 15 Euro kosten. Das sei ein politischer Preis. Hier bekommen die Verkehrsunternehmen andere Zuschüsse. Gleiches gelte für das Azubi-Ticket. Auch hier werde es keine Preisänderungen geben, so der VVO-Sprecher.

Alte Tickets können zurückgegeben werden

Voraussichtlich ab Sommer 2022 gelten dann die neuen Fahrpreise im Verkehrsverbund, dem die Kreise Meißen, Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, der westliche Teil des Kreises Bautzen und die Stadt Dresden angehören. Alte Fahrkarten werden damit nicht automatisch ungültig, sondern können in der Regel noch eine Weile lang genutzt werden. Parallel dazu gibt es einen Zeitraum, in dem sie dann nicht mehr erlaubt sind, aber zurückgegeben werden können, wobei die Kunden das dafür gezahlte Geld zurückbekommen. Für Besitzer von Dauerfahrkarten, die über den Preiswechsel hinaus gültig sind, legen die Verantwortlichen Sonderregeln fest, sodass auch sie problemlos weiter Bus und Bahn fahren können - auch mit zuvor gekauften Fahrkarten.

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