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Leere Päckchen – voller Geldbeutel

Ein Paketzusteller bereicherte sich an hochwertigen technischen Geräten aus unzustellbaren Päckchen. Das blieb nicht unentdeckt. Jetzt wurde er verurteilt.

Ein Paketzusteller machte sich eine vermeintliche Lücke im System zunutze. Bis er aufflog.
Ein Paketzusteller machte sich eine vermeintliche Lücke im System zunutze. Bis er aufflog. © Symbolfoto: Christian Juppe

Von Anne Schicht

Sebastian P. brauchte Geld um seine Drogenabhängigkeit zu finanzieren. Zwar arbeitete er bei einem Subunternehmen der DPD, aber er habe verspätet und verkürzte Lohnzahlungen erhalten, so erinnert sich der 41-Jährige vor dem Amtsgericht Dippoldiswalde. Ein Bekannter von ihm – ein Zusteller bei DHL, sei schließlich auf eine Idee gekommen. Unter einem fiktiven Namen, aber an eine reale Adresse - bestellte Sebastian P. hochwertige Technik bei Cyberport, die er mit einem Trick zunächst unbemerkt abfing.

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Als Enrico L. orderte er per Nachnahme ab Dezember 2017 zum Beispiel Apple Watches, Handys und Tablets. „Dafür brauchte ich mir nur ein E-Mail-Konto einrichten“, so der Deutsche. Da die Päckchen nicht ausgeliefert werden konnten, wurden sie nun als unzustellbar ins System aufgenommen und sollten zurückgeschickt werden. In einer Nachverfolgungsapp änderte er in diesem Moment die Adresse. Jetzt gab er eine in seinem Zustellgebiet an. 

Kurze Zeit später hatte er das Päckchen in seinem Lieferauto. Er öffnete es, entnahm teilweise oder ganz die Ware, verschloss das Päckchen wieder und DPD schickte es zurück. Die Produkte verkauften Sebastian P. und sein Bekannter zügig weiter. Warum diese Umständlichkeit, wollte die Richterin vom Angeklagten wissen. Reflektiert erwiderte dieser: „Ich war gerade am Anfang sehr vorsichtig. Ich wollte, dass es viele andere mögliche Fehlerquellen gibt.“

DPD recherchiert intern und alarmiert die Polizei

Als der Mann im April 2018 mit seinem Zustellauto nach getaner Arbeit auf das Betriebsgelände fuhr, wartete die Polizei auf ihn. Denn natürlich waren die Fälle innerhalb der DPD nicht unbemerkt geblieben. Klar kann es passieren, dass mal ein Fehler passiert und tatsächlich ein Paket unvollständig verschickt wird, aber nicht in dieser Häufigkeit und immer nur bei einer Firma, so ein Zeuge vor Gericht. 

Innerhalb von DPD recherchierte man, verdächtigte schließlich den Angeklagten und rief die Polizei. Die untersuchte noch an Ort und Stelle Sebastian P. und sein Auto, kurz darauf seine Wohnung. Die Beamten fanden Amphetamine und auch ein manipuliertes leeres Päckchen. Die Handys, die im Päckchen hätten drin sein müssen, fanden sie nicht. Der Angeklagte behauptet, er habe sie immer noch am gleichen Tag an seinen Bekannten weitergegeben.

Zwölf Taten in der Bewährungszeit

Insgesamt zwölf Fälle hat die Staatsanwaltschaft nun zur Anklage gebracht, dabei sei Technik im Wert von mehr als 16.800 Euro gestohlen worden. Vor Gericht gesteht der Ex-Zusteller im Großen und Ganzen alle Diebstähle, will aber an der Masche nicht groß verdient haben. Zwar habe er auch einige technische Geräte direkt weiter verkauft, aber dafür nur je 100 bis 250 Euro erhalten. 

Sein Bekannter dagegen habe ihn immer nur hingehalten und vertröstet. Die Richterin will wissen, warum er sich das hat gefallen lassen und ob er gedacht habe, dass die Diebstähle nicht auffallen? Sebastian P. zeigt sich ratlos: „Wahrscheinlich hat mein Drogenkonsum meinen Kopf ausgeschaltet.“ Seit Februar büßt er schon andere Strafen ab, zehn Vorstrafen weist sein Register auf, unter anderem Diebstahl, Betäubungsmittelkonsum, Körperverletzung.

Richterin Daniela Höllrich-Wirth verurteilt den Angeklagten schließlich zu zwei Jahren und sechs Monaten Freiheitsentzug. Noch dazu muss er 16.800 Euro zahlen. Sie honoriert zwar sein umfassendes Geständnis. Doch habe er erhebliche kriminelle Energie bewiesen. Anhand eines ausgeklügelten Systems habe er Cyberport getäuscht. Auch stand er zur Tatzeit unter Bewährung. Zum Angeklagten gewandt, führt sie aus: „Sie wussten, dass Ihnen ein Jahr und acht Monate im Nacken sitzen. Ihr Verhalten war dreist.“ Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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