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Große Pläne für den Wilisch

Ein Unternehmer möchte für vier Millionen Euro eine Ferienanlage errichten mit Biergarten und Wellness-Bereich. Sächsische.de stellt das Vorhaben vor.

Im Abendlicht sieht die Wilisch-Baude fast romantisch aus. Genutzt werden kann sie nicht. Der Sanierungsbedarf ist immens, sagt der Eigentümer.
Im Abendlicht sieht die Wilisch-Baude fast romantisch aus. Genutzt werden kann sie nicht. Der Sanierungsbedarf ist immens, sagt der Eigentümer. © Karl-Ludwig Oberthür

Trostlos. So lässt sich der Zustand der Wilisch-Baude bei Hermsdorf mit einem Wort beschreiben. Wanderer und Urlauber kehren hier schon lange nicht mehr ein. Die über 100-jährige Baude unterhalb des 476 Meter hohen Wilisch ist eine Ruine, Fenster und Türen sind zugemauert oder mit Platten verschlossen. An der Holzfassade fehlen Bretter. Kurzum: Es sieht nicht schön aus. Das soll sich ändern.

Toni Klement, ein Unternehmer aus dem Osterzgebirge, möchte das Gelände neu beleben und hier eine moderne Ferienanlage mit insgesamt 23 Apartments, Ferienzimmern und Studios errichten. Die neue Baude soll aber auch ein Treffpunkt für Tagestouristen werden, die nach Wanderungen im Wilisch-Gebiet hier einkehren können.

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Die Wilischbaude wurde 1896 fertiggestellt.
Die Wilischbaude wurde 1896 fertiggestellt. © Matthias Schildbach/Geschichtswerkstatt Kreischa

Toni Klement ist 37 Jahre alt. Er wuchs in der Oberlausitz auf, ist gelernter Hotelkaufmann und arbeitete einige Jahre im österreichischen Tourismus. Seit 2012 wohnt er im Osterzgebirge und ist hier Chef eines mittelständischen Unternehmens.

Den Wilisch und die alte Baude hat er als junger Mann bei einer Wanderung kennengelernt. Wie viele andere auch war er vom Ausblick auf den Erzgebirgskamm und das Vorland sofort fasziniert. Er begann sich für die Baude und das Gelände drum herum zu interessieren. "2016 hat der vorherige Besitzer die Baude inseriert", erinnert er sich. Klement nahm sofort Kontakt auf und kaufte sie.

Von der ersten Idee, hier ein Eigenheim zu errichten, nahm er schnell Abstand. Trotz der idyllischen Lage würde man hier doch nicht ganz in Ruhe leben können, dafür ist das Wilisch-Gebiet als Wanderregion zu beliebt. Deshalb suchte er nach einer anderen Nutzung. Und die soll an die frühere anschließen.

Die vergangenen Jahre nutzte der Unternehmer, um zusammen mit dem Landratsamt und dem Glashütter Rathaus Möglichkeiten auszuloten, wie das Areal bebaut werden könnte. Schließlich befindet sich das Baugrundstück in einem Naturschutzgebiet. Diese Sondierung hat er nun abgeschlossen. In der jüngsten Glashütter Stadtratssitzung präsentierte er seine Pläne.

Alte Baude wird abgerissen

Klement plant den Abriss der alten Baude. Der Aufwand, sie zu sanieren und so umzubauen, dass sie den heutigen Anforderungen entspricht, sei zu groß, erklärte er bei einem Vororttermin mit saechsische.de. An dieser Stelle soll ein neues Wilisch-Haus errichtet werden, in dem ein Restaurant, Ferienzimmer und -wohnungen entstehen werden. Davor soll es einen größeren Biergarten geben. Im oberen Teil wird bedient, unten wird es einen Freisitz mit Selbstbedienung geben.

Neben dem Wilisch-Haus sollen vier weitere Gebäude errichtet werden. In drei davon sollen Apartments und Ferienzimmer entstehen, das vierte wird das Wellness-Haus. Nach derzeitigem Stand geht der Investor davon aus, dass hier 15 Arbeitsplätze entstehen werden. Mit seiner Ferienanlage möchte Klement mehrere Zielgruppen ansprechen. Vom Durchschnittsverdiener über Familien bis hin zu Anspruchsvollen.

So soll das Areal unterhalb des Wilischgipfels nach der Neubebauung aussehen. Links steht die neue Baude.
So soll das Areal unterhalb des Wilischgipfels nach der Neubebauung aussehen. Links steht die neue Baude. © PR
Der Biergarten vor der Wilisch-Baude wird aus zwei Ebenen bestehen, oben wird bedient. Unten wird es einen Freisitz mit Selbstbedienung geben.
Der Biergarten vor der Wilisch-Baude wird aus zwei Ebenen bestehen, oben wird bedient. Unten wird es einen Freisitz mit Selbstbedienung geben. © PR
Rechts neben der Wilisch-Baude werden weitere Gebäude entstehen. Hinten rechts ist das geplante Wellness-Haus zu sehen.
Rechts neben der Wilisch-Baude werden weitere Gebäude entstehen. Hinten rechts ist das geplante Wellness-Haus zu sehen. © PR
Diesen Blick auf den Erzgebirgskamm und dessen Vorland hat man von der Wilisch-Baude aus.
Diesen Blick auf den Erzgebirgskamm und dessen Vorland hat man von der Wilisch-Baude aus. © Karl-Ludwig Oberthür

Sollte er Baurecht bekommen, soll es schnell gehen. Er hofft, dass die Gebäude in weniger als einem Jahr stehen. Offen ist, wann er mit der Errichtung beginnen kann. Das sei abhängig davon, wie schnell er die Genehmigungen von den Behörden bekomme. "Wenn alles glattläuft, könnte ich 2025 beginnen", erklärt er. Um die Ferienanlage zu bauen, will er zwischen vier und 4,5 Millionen Euro investieren.

Ein Knackpunkt ist die Erschließung. Das Gelände verfügt zwar über einen Brunnen, ist aber nicht ans zentrale Trinkwassernetz angeschlossen. Es gibt auch keinen Anschluss ans Abwassernetz. "Wir werden Leitungen nach Hermsdorf legen lassen", sagt Klement. Das sei auf lange Sicht preiswerter, als einen neuen, tieferen Brunnen und eine Kläranlage auf dem Areal zu errichten.

Dieser Anblick der Wilisch-Baude dürfte vielen Wanderern bekannt sein.
Dieser Anblick der Wilisch-Baude dürfte vielen Wanderern bekannt sein. © Egbert Kamprath
Wer die Baude von Innen gesehen hat, weiß, warum sie abgerissen wird...
Wer die Baude von Innen gesehen hat, weiß, warum sie abgerissen wird... © Karl-Ludwig Oberthür
Blick ins Treppenhaus.
Blick ins Treppenhaus. © Karl-Ludwig Oberthür
So sieht es aus, wenn man auf den Dachboden gelangt.
So sieht es aus, wenn man auf den Dachboden gelangt. © Karl-Ludwig Oberthür
Blick in den Dachboden.
Blick in den Dachboden. © Karl-Ludwig Oberthür

Toni Klement ist nicht der erste Investor, der sich an das Areal wagt. Auch der Vorbesitzer hatte Pläne und schon einiges investiert. Zum Abschluss kam er nicht. Vieles, was der Vorbesitzer abgerissen hatte, blieb liegen. Toni Klement kaufte das mit. Von Ende 2019 bis Januar 2020 war er mit Aufräumen beschäftigt. Er entsorgte rund 140 Tonnen Dachpappe, Sauerkrautplatten, Fundamentreste, Müll, Dämmstoffe, alte Zäune und Glas. Nun ist das Gelände an der Baude freigeräumt.

Größtes Problem derzeit ist der Vandalismus

Klements derzeit größtes Problem ist der Vandalismus. Immer wieder versuchen Leute, in die Baude einzudringen. Einigen sei das auch gelungen, sagt er. Manche gehen sehr rabiat vor. Um einzudringen, kletterte mindestens einer aufs Dach, zertrümmerte dort eine Fensterscheibe. Dabei ist im Gebäude nichts zu holen, versichert Klement beim Vororttermin. Und in der Tat: Alle Räume sind leergeräumt. Vom früheren Inventar ist nichts mehr da. Die Eindringliche wurden dennoch fündig: Sie klauten nicht nur hier gelagerte Getränke, sondern auch Arbeitsgeräte und zuletzt eine Lampe.

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Im Stadtrat bekam der Investor viel Zustimmung für seine Pläne. Ähnlich ist es in Hirschbach und Hermsdorf. "Die große Mehrheit meiner Ortschaftsräte und ich als Ortsvorsteher freuen uns darüber", erklärte Ortsvorsteher Jörg Paulusch (CDU) auf Nachfrage. Nun möchte Klement seine Pläne interessierten Bürgern der Stadt Glashütte vorstellen. Das soll am 25. März, 18 Uhr, in einer digitalen Veranstaltung erfolgen. Wer Interesse hat, kann sich dazu bis zum 22. März bei der Stadt Glashütte melden.

Mehr Informationen zur Wilisch-Baude finden Sie hier.

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