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Von Messe zu Messe - Kirche neu genutzt

Der Glashütter Uhrenhersteller Nomos hat entschieden, wie er die frühere katholische Kirche im Ort nutzen möchte. Der dafür notwendige Umbau ist bald beendet.

So geht es mit der ehemaligen Katholischen Kirche in Glashütte weiter. Uwe Ahrendt bespricht mit Bernd Steinfeld und Silvio Schulz (von links) das weitere Vorgehen.
So geht es mit der ehemaligen Katholischen Kirche in Glashütte weiter. Uwe Ahrendt bespricht mit Bernd Steinfeld und Silvio Schulz (von links) das weitere Vorgehen. © Karl-Ludwig Oberthuer

Auf den ersten Blick hat sich die frühere katholische Kirche nicht verändert. Nur der Eingangsbereich und das daneben stehende ehemalige Pfarrhaus haben einen neuen Anstrich bekommen. Ein dunkles Weiß - die Farbe von Nomos Glashütte, dem drittgrößten Uhrenhersteller im Müglitztal. Ähnlich sehen auch der Bahnhof und die Chronometrie aus, die ebenfalls zum Unternehmen gehören. 

Der Giebel der entweihten Kirche und das frühere Pfarrhaus haben einen neuen Anstrich bekommen.
Der Giebel der entweihten Kirche und das frühere Pfarrhaus haben einen neuen Anstrich bekommen. © Karl-Ludwig Oberthuer

Den Gebäudekomplex mit der entweihten Kirche hatte der Uhrenhersteller Ende 2017 von der Pfarrei Osterzgebirge übernommen. Einen konkreten Plan, wie er genutzt werden soll, hatte Nomos-Chef Uwe Ahrendt damals noch nicht. "Wir wollten verhindern, dass die Kirche zu einer Ruine wird", sagt er. Nun, knapp drei Jahre später steht fest, dass die Kirche als Veranstaltungsraum genutzt werden soll. 

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"Wir wollen hier Uhrenhändler und Journalisten zu firmeninternen Messen empfangen", sagt Ahrendt. Das werden aber ganz andere Messen sein, als sie die Katholiken hier früher gefeiert haben, versichert er auf Nachfrage. Nomos werde hier neue Uhren vorstellen. 

Zudem können firmeninterne Events wie Weihnachtsfeiern hier gefeiert werden. Ahrendt möchte das Haus aber auch weiterhin für öffentliche Rockkonzerte und Partys öffnen. Deshalb könnte es unter anderem bald ein Wiedersehen mit dem Musiker Dietmar Löhnert geben, der hier bereits Konzerte gegeben hat.

Kirche als solche noch zu erkennen

"Insgesamt wollten wir die Ursprünglichkeit belassen", sagt Ahrendt. Zugute kam dem Unternehmen, dass vieles in Ordnung ist. Weder am Dach, noch am Putz musste etwas gemacht werden. Es mussten auch keine Türen und Fenster ausgewechselt werden. Und auch die Heizung funktioniert noch. 

Um den Kirchenraum für das Unternehmen nutzen zu können, wurden nur kleinere Änderungen vorgenommen. Er zeigt auf zwei größere hüfthohe Metall-Schränke. "Damit werden wir eine Bar herrichten", sagt er. Die Utensilien dazu habe man gebraucht gekauft. 

Sein Blick streift zur Decke, die auch neu gestaltet wurde. Die ursprüngliche Holzdecke ist hinter sogenannten Sauerkrautplatten verschwunden. "Damit haben wir die Akustik verbessert", sagt er. Die größeren Veränderungen wurden im früheren Altarbereich vorgenommen. Hier wurde das Bild übermalt, außerdem wird ein neuer Fußbodenbelang ausgerollt. Ansonsten wurden noch einige Wände gemalert.

"Es ist noch immer deutlich zu erkennen, dass dieses Gebäude als Kirche erbaut wurde", findet Ahrendt. Für die Katholiken war das Anfang der 1950er-Jahre ein Kraftakt, weil sich das Gelände an einem Hang befindet, das nur über einen schmalen, steilen Weg vom Dittersdorfer Weg zu erreichen ist. Um selbst besser zum Grundstück zu kommen, ließ Ahrendt den Schotterweg nach dem Kauf asphaltieren.

100.000 Euro investiert

Entgegen ersten Planungen werden im benachbarten früheren Pfarrhaus nicht zwei, sondern nur eine Wohnung entstehen. Das Erdgeschoss wurde zu einem Sanitärtrakt umgebaut. "In der Kirche gab es keine Toiletten", sagt Uwe Ahrendt. Wer sich erleichtern wollte, musste eine Etage hinabsteigen. Für die von Nomos geplante Nutzung erschien das unzeitgemäß, zumal die Toiletten vergleichsweise klein sind. Deshalb entstanden im Erdgeschoss des früheren Pfarrhauses neue Toiletten. Das Obergeschoss soll weiter als Wohnung genutzt werden. Hier haben die Arbeiten aber noch nicht begonnen. "Das ist der zweite Bauabschnitt", so Ahrendt.

So sieht die entweihte Kirche zurzeit aus.
So sieht die entweihte Kirche zurzeit aus. © Karl-Ludwig Oberthuer

Die Idee, das Gebäude so zu nutzen, habe Rainer Schilling gehabt. Der 59-Jährige arbeitet seit 2009 für Nomos und leitet seit diesem Sommer die Nomos-Tochter Berliner Blau, die sich vor allem um das Vertriebsmarketing der Uhrenfirma kümmert. 

Am Umbau selbst sind neben Fachfirmen auch Mitarbeiter von Nomos beteiligt. Denn das Unternehmen bot all jenen an, die zurzeit in Kurzarbeit sind und Lust auf eine handwerkliche Arbeit haben, beim Umbau zu helfen. Fünf Mitarbeiter hatten sich gemeldet, darunter sind auch Silvio Schulz, der eigentlich als Hausmeister tätig ist, und Bernd Steinfeld, der in der Fräserei in Schlottwitz arbeitet und so wie Schulz auch Werkzeugmacher ist.  

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Der Umbau, der rund 100.000 Euro kosten wird und im Juli begann, soll im September abgeschlossen sein. Danach will Nomos Glashütte die entweihte Kirche zunächst für eine eigene Veranstaltung nutzen. Wie und wann, das entscheide sich noch und ist von der Entwicklung der Corona-Epidemie abhängig, so Ahrendt.

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