merken
PLUS Dippoldiswalde

Trendwende in Glashütte

Die Uhrenstadt hat mehr Einwohner als 2019. Aber nicht alle Ortsteile tragen zum Wachstum bei. Einige schrumpfen seit Jahren.

Erstmals seit Jahren sind die Einwohnerzahlen in der Uhrenstadt Glashütte gestiegen. Das Rathaus legte auf Nachfrage eine Statistik vor.
Erstmals seit Jahren sind die Einwohnerzahlen in der Uhrenstadt Glashütte gestiegen. Das Rathaus legte auf Nachfrage eine Statistik vor. © Foto: SZ/Maik Brückner

Trotz der Corona-Pandemie ging das Jahr in Glashütte mit erfreulichen Zahlen zu Ende. Denn die Zeit des Einwohnerrückgangs ist zu Ende gegangenen. 2020 hat die Uhrenstadt erstmals seit Jahren einen leichten Zuwachs zu verzeichnen.

Demnach lebten dort 2018 insgesamt 6.730 Menschen, ein Jahr später waren es 6.726. Ende 2020 registrierte das Einwohneramt 6.767 Frauen, Männer und Kinder und damit 50 Einwohner mehr als im Vorjahr. "Diese Entwicklung kann meines Erachtens durchaus vorsichtig als Trendwende bezeichnet werden", sagt Bürgermeister Markus Dreßler (CDU). Allerdings ist die Entwicklung in den Ortsteilen sehr unterschiedlich.

Anzeige
Baumesse verschoben? Online informieren!
Baumesse verschoben? Online informieren!

Hören und sehen Sie kostenfreie Vorträge für Bauherren, Hauseigentümer und Immobilienkäufer. Einmal anmelden, drei Tage folgen!

Trend eins: Nördliche Ortsteile gewinnen

Vor allem die nördlich gelegenen Ortsteile Hausdorf, Hirschbach, Hermsdorf am Wilisch aber auch Cunnersdorf haben über die letzten 30 Jahre Einwohner gewinnen können. Hier entstanden kleine neue Wohngebiete beziehungsweise wurden Lücken bebaut. Der Grund für die positive Entwicklung liegt nach Einschätzung von Dreßler vor allem an der Nähe zu Dresden.

Trend zwei: Die beiden großen Orte verlieren

Deutlich verloren haben die beiden größten Orte im Stadtgebiet, die Kernstadt und Schlottwitz. Dabei überrascht Schlottwitz. Denn hier wurde Bauland entwickelt, das auch bebaut wurde. Den Grund für den Rückgang sieht Dreßler in der Belegung der Genossenschaftswohnungen. Dort haben früher viele Familien mit Kindern gewohnt. Inzwischen ist die „Bevölkerungsdichte je Wohnung“ gesunken unter anderem wegen des generell deutlich gestiegenen Wohnraumbedarfs pro Person. Diesen Trend gibt es auch in der Kernstadt. Dreßler kann dem auch etwas Positives abgewinnen: Die Menschen können heute "glücklicherweise" großzügiger wohnen. "Die Zeiten, in denen Familien mit zwei Kindern in Zwei-Raum-Wohnungen leben müssen, sind vorbei."

Trend drei: Dörfer ohne zentralen Trinkwasseranschluss verlieren

Zu den Verlierern gehören auch Johnsbach und Dittersdorf. Neben der Lage, beide liegen vergleichsweise weit von der B 170 und von Dresden und Dippoldiswalde entfernt, dürfte auch die Versorgung mit Trinkwasser eine Rolle spielen. Beide Dörfer gehören zurzeit noch zu den Brunnendörfern. Doch das ändert sich. Der Trinkwasserversorger hat Ende 2020 damit begonnen, hier Ortsnetze zu schaffen. "Ich gehe davon aus, dass diese Investition helfen wird, die Einwohnerzahlen zu stabilisieren", so Dreßler. Denn eine gesicherte Trinkwasserversorgung ist mitentscheidend für eine Kaufentscheidung. "Einen Einwohnerzuwachs erwarte ich hier kurzfristig aber nicht", so der Rathauschef.

So haben sich die Einwohnerzahlen in den Ortsteilen entwickelt.
So haben sich die Einwohnerzahlen in den Ortsteilen entwickelt. © Quelle: Stadt Glashütte

Das Ziel: Trend soll stabilisiert werden

Dreßler möchte, dass es in Glashütte weiter einen leichten Einwohnerzuwachs gibt. "Die Einwohnerzahl bestimmt maßgeblich die finanzielle Kraft einer Gemeinde", erklärt er. Im Freistaat geht man davon aus, dass eine Gemeinde mit zunehmender Einwohnerzahl pro Einwohner mehr Aufgaben übernimmt, mehr Infrastruktur vorhalten muss und deshalb mehr Geld braucht.

Hätte Glashütte 2020 zum Beispiel die Einwohnerzahl von 2003 gehabt, also 1.000 Einwohner mehr, hätte die Stadt knapp 400.000 Euro mehr über den Finanzausgleich zur Erfüllung der Aufgaben zur Verfügung gestellt bekommen, rechnet Dreßler vor. Zwar entständen durch neue Einwohner zusätzliche Kosten, wie zur Schaffung von Kita-Plätzen. Doch unterm Strich stehen der Stadt mehr Mittel zur Verfügung.

In Glashütte sind die Einwohner- und damit Einnahmerückgänge der vergangenen Jahre nicht so stark aufgefallen, da die Stadt über eine lange Zeit das Glück hatte, dass die Gewerbesteuereinnahmen kontinuierlich gestiegen sind, sagt Dreßler. Doch aktuell gehen die Steuereinnahmen erheblich zurück.

Der Weg: Baugebiete schaffen und Sanierungen fördern

In den letzten Jahren wurde in Glashütte Bauland vor allem durch Lückenbebauung geschaffen. "Dieses Potenzial hat sich offensichtlich immer mehr erschöpft", so Dreßler. Zudem ist Lückenbebauung nicht immer das Mittel zur Wahl. "Es gibt Baulücken, die im Sinne des Ortsbildes oder aus sonstigen Gründen nicht bebaut werden sollten." Deshalb bemüht sich Glashütte um die Entwicklung von Bauland.

So könnte in Hirschbach ein Baugebiet entstehen. Hier hat der Stadtrat aktuell die Entwicklung gestoppt. Potenzial gibt es auch am Folgenhang in Glashütte. Auch hier könnte Bauland geschaffen werden, so Dreßler. Allerdings fehlt es da an einer Einigung mit der evangelischen Landeskirche in Dresden, denn ein Teil des potenziellen Baulandes ist Kirchenland.

Weiterführende Artikel

Glashütte mit neuem Auftritt im Internet

Glashütte mit neuem Auftritt im Internet

Einwohner können sich an der Gestaltung der Seite beteiligen. Eine weitere Homepage ist derweil noch in Arbeit.

Wo Dipps Einwohner gewinnt und verliert

Wo Dipps Einwohner gewinnt und verliert

Oberbürgermeisterin Kerstin Körner will die Stadt auf 15.000 Einwohner bringen. Was sagen die neuesten Zahlen: Ist das Ziel zu erreichen?

Wie Glashütte zum Weltruhm kam

Wie Glashütte zum Weltruhm kam

Seit 175 Jahren werden im Müglitztal Zeitmesser gebaut. Das Uhrenmuseum zeigt die Anfänge und schlägt den Bogen in die Jetztzeit.

Die Stadt möchte auch Initiativen unterstützen, die leerstehende Gebäude und Grundstücke, saniert beziehungsweise bebaut. Deshalb bemüht sich die Stadt um die Aufnahme in ein Stadtsanierungsprogramm, mit dem solche Aktivitäten gefördert werden können, so Dreßler.

Mehr Nachrichten aus Dippoldiswalde und Glashütte lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Dippoldiswalde