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Nomos schult Umgang mit sozialen Medien

Der Glashütter Uhrenhersteller bietet seinen Mitarbeitern Weiterbildungen an. Geübt wird unter anderem, wie man auf Hassreden reagieren kann.

Die Inhalte schnell, der Ton rau: Der Umgang in sozialen Meiden ist auch für Unternehmen schwierig geworden.
Die Inhalte schnell, der Ton rau: Der Umgang in sozialen Meiden ist auch für Unternehmen schwierig geworden. © Christoph Dernbach/dpa (Archiv)

Die Demokratie-Initiative für Wirtschaftsunternehmen, Business Council for Democracy - kurz BC4D, wird fortgeführt - auch bei der Firma Nomos Glashütte. Der Uhrenhersteller war neben dem Fahrzeugbauer Volkswagen und dem Entsorgungsunternehmen Alba bereits eines der Pilotunternehmen.

Das Programm zielt darauf ab, Beschäftigten in Webinaren Kompetenzen für die Demokratie im digitalen Zeitalter zu vermitteln. Uwe Ahrendt, Geschäftsführer von Nomos Glashütte, will das Programm nun fortführen: „Wir möchten mit diesen Angeboten unseren Beschäftigten helfen, ihnen den Rücken stärken in Zeiten, da gesellschaftliche Spaltung zunimmt.“ Ziel sei außerdem, zu zeigen, „dass Unterschiedlichkeit ein Vorteil ist und uns alle bereichert, Diskriminierung, Grabenkämpfe und Polemik jedoch Gesellschaft wie Unternehmen schwächen.“

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Saechsische.de fragte bei Judith Borowski von der Geschäftsführung nach, wie die Pilotphase gelaufen ist und wie es jetzt weitergehen soll.

Frau Borowski, die Modellphase ist vorbei. Welches Fazit ziehen Sie?

Wir können derlei nur empfehlen: Diese Schulungen waren sehr lehr- und hilfreich. Wenn Beschäftigte Raum für Fragen und Trainings erhalten, wenn Workshops ihnen den Rücken stärken für schwierige Situationen im Alltag, wenn sie kritisch mitdenken, so hilft uns das natürlich auch bei der täglichen Arbeit. Und insbesondere online, wo der Ton in den vergangenen Jahren deutlich rauer geworden ist und glaubwürdige Quellen nicht immer auf den ersten Blick erkennbar, müssen viele von uns noch lernen, damit gut umzugehen.

Wie läuft so eine Schulung ab?

Das Projekt bestand aus wöchentlichen „Lunch & Learn“-Sessions. Gruppen von 15 bis 20 Beschäftigten wurden von professionellen Trainerinnen zu Fragen der digitalen Kommunikation geschult - interaktiv und anhand von konkreten Beispielen und Übungen zu diesen Themen: Was kann ich tun, wenn ich selbst Hassattacken ausgesetzt bin? Wie funktioniert digitale Gegenrede? Welche Beratung, welche rechtlichen Möglichkeiten gibt es? Woran erkenne ich Verschwörungserzählungen und verdächtige Quellen? Und was macht Menschen anfällig für digitale Manipulation? Solche und andere Fragen beantworteten die Trainerinnen in den Sitzungen, die über acht Wochen hinweg stattfanden.

Judith Borowski, Jahrgang 1969, ist seit 2001 für Nomos Glashütte tätig, seit 2004 als Gesellschafterin. Sie ist Mitglied der Geschäftsführung und für Design und Markenkommunikation verantwortlich.
Judith Borowski, Jahrgang 1969, ist seit 2001 für Nomos Glashütte tätig, seit 2004 als Gesellschafterin. Sie ist Mitglied der Geschäftsführung und für Design und Markenkommunikation verantwortlich. © NOMOS Glashuette

Lunch & Learn klingt nach Präsenzveranstaltungen. Waren diese möglich?

Corona bedingt fanden die Schulungen der Pilotphase als Webinare satt. Eigentlich sollte es zu den Schulungen Mittagessen geben. Das haben wir, wegen Corona, anders gelöst: Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer bekamen ein Paket italienischer Lebensmittel nach Hause geschickt.

Wie viele Nomos-Mitarbeiter hatten sich beteiligt?

In der Pilotphase gut 15. Die Geschäftsführung hatte separate Termine. Viele andere Nomos-Beschäftigte haben in der Vergangenheit aber auch schon an unseren anderen Workshops teilgenommen und diese Programme gern genutzt – wegen Corona hatten wir diese Präsenz-Veranstaltungen pausiert.

Wie geht es jetzt weiter?

Derzeit werden die Erfahrungen der Pilotphase evaluiert. Fest steht schon jetzt: Die Resonanz der beteiligten Beschäftigten ist sehr positiv - und das Projekt wird für ganz unterschiedliche Gruppen von Menschen fortgesetzt. Es gibt schon viele interessierte Unternehmen.

Wie viele Ihrer Mitarbeiter werden am Programm teilnehmen?

Die Teilnahme ist während der Arbeitszeit, aber freiwillig. Wir werben dafür, weil wir diese Initiative toll finden, doch natürlich wird niemand zur Teilnahme gezwungen. Daher können wir Ihnen zur Zahl der Mitarbeiter, die künftig teilnehmen werden, noch nichts sagen.

Wie lange soll dieses Programm laufen?

Dies hängt nun von der Evaluation ab – je nachdem, werden die einzelnen Workshops kürzer oder länger sein, in engem Rhythmus oder auch mit größerem Abstand stattfinden.

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Hintergrund
BC4D ist die gemeinsame Initiative der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung, der Robert Bosch Stiftung und des Institute for Strategic Dialogue Germany. Nomos Glashütte war eines der sechs Pilotunternehmen, die für die Startphase ausgewählt worden waren, denn der Uhrenhersteller hat bereits in der Vergangenheit Erfahrungen mit anderen Demokratie-Initiativen gesammelt. Nach der mehrwöchigen Pilotphase, an der neben Nomos auch Alba, Evonik, Kion, Ufa und Volkswagen teilgenommen haben, wird das Programm fortgeführt. Die Manufaktur Nomos Glashütte, der drittgrößte Uhrenhersteller in Glashütte, verkauft mechanischen Uhren in alle Welt. Die rund 220 Beschäftigten (die meisten arbeiten vor Ort in Glashütte) stammen aus insgesamt zwölf Nationen.

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