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Mehr Badeunfälle ohne Schulschwimmen

In der Theorie ist der Unterricht wieder möglich. Die Praxis sieht noch anders aus. Für das Erlebnisbad in Paulsdorf lohnt sich eine Öffnung nur bedingt.

Geschäftsführerin Marlen Alexander steht allein im Erlebnisbad an der Talsperre Malter, das seit November geschlossen ist.
Geschäftsführerin Marlen Alexander steht allein im Erlebnisbad an der Talsperre Malter, das seit November geschlossen ist. © Egbert Kamprath

Theoretisch ist der Schwimmunterricht für die Grundschulen in Sachsen wieder möglich, sagt das Kultusministerium. Aber praktisch ist es noch schwierig, wie sich an den Beispielen des Erlebnisbads an der Talsperre Malter und des Freitaler Hains zeigt. Auch die Schulen sind noch im Ungewissen. „Wir prüfen, was noch möglich ist bis Ende des Schuljahres“, sagt Jörg Spindler, Leiter der Grundschule Dippoldiswalde in Reichstädt. Er geht davon aus, dass das Schulschwimmzentrum in Dresden jetzt die organisatorischen Vorbereitungen trifft. Von Reichstädt aus sind die Kinder immer montags zum Schwimmenlernen ins Erlebnisbad nach Paulsdorf gefahren, bis das Bad Anfang November 2020 wegen Corona schließen musste.

Zwanzig Schwimmstunden noch vor den Ferien

„Ziel ist es, dass die Schüler in den verbleibenden neun Unterrichtswochen rund 20 bis 25 Schwimmunterrichtsstunden erhalten“, teilt das Kultusministerium mit. Dieses Schuljahr sollten die Anforderungen der Basisstufe erreicht werden. Das sind ein Sprung ins tiefe Wasser, 100 Meter schwimmen sowie die Fähigkeit, das Wasser ohne Hilfsmittel selbstständig zu verlassen.

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Erst kürzlich warnte die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG), dass es wegen der Corona-Pandemie immer mehr Nichtschwimmer gibt. Auch der Chef des Deutschen Schwimmlehrerverbandes, Alexander Gallitz, rechnet wegen des ausgefallenen Schwimmunterrichts in den Schulen in den Sommermonaten der nächsten Jahre in den Bädern und Seen vermehrt mit Badeunfällen.

Nach Angaben des Kultusministeriums haben in Sachsen rund 10 000 Zweitklässler von Grund- und Förderschulen im Schuljahr 2019/2020 wegen der Corona-Pandemie keinen oder nur zum Teil Schwimmunterricht erhalten. In diesem Schuljahr sieht es nicht besser aus.

Freitaler Hains bereitet sich auf viele Szenarien vor

Bevor es wieder mit dem Schwimmunterricht losgeht, sind noch viele Fragen zu klären. Daniel Wirth, der Leiter des Hains in Freital sagt: "Wir sind mit den Schulen, Schwimmzentren und Behörden in Kontakt und bereiten uns gemeinsam auf alle möglichen Szenarien vor. Wir haben uns verständigt, die Beschlüsse die heute, morgen und / oder über das Wochenende kommen sollen noch abzuwarten, um dann alles mit Beginn der Woche sortiert zu haben." Für das Hains geht es nicht nur um das Schulschwimmen, sondern auch auch um andere Angebote. Sind die Aquakurse des Fitnessclubs möglich. Der könnte möglicherweise bald wieder öffnen, hofft Wirth. Auch das Sportschwimmerangebot als kontaktlose Sportart, könnte möglich werden. "Zu hoffen bleibt vorab, dass die Inzidenz im Landkreis erst einmal unter 100 bleibt", sagt Wirth.

Nur einen Tag die Woche zu öffnen, lohnt sich nicht

Auch Marlen Alexander, die Geschäftsführerin der Weißeritztal-Erlebnisgesellschaft, die das Bad in Paulsdorf betreibt, kennt die neue Regelung der Corona-Schutzverordnung. „Bisher hat aber noch keine Schule bei uns nachgefragt“, sagte sie am Mittwoch. Sie hält es auch für schwierig, in der Form wie bisher jeden Montag Schwimmunterricht anzubieten. „Da müssten wir für diesen einen Tag in der Woche das Wasser und die Halle aufheizen. Das wäre völlig unwirtschaftlich“, sagt sie.

Wenn weitere Angebote im Erlebnisbad möglich werden, wie Aqua-Fitness-Kurse, mit denen das Bad auch an den übrigen Wochentagen genutzt würde, dann könnte das wieder funktionieren. Das Kultusministerium schlägt eine andere Lösung vor, die den Badbetreibern auch entgegenkäme. „Zusammenhängende Wochen intensiven Schwimmunterrichts können insbesondere auch in den letzten Schulwochen vor den Sommerferien eine Option sein“, heißt es in der Mitteilung aus Dresden. Dann könnte eine ganze Woche am Stück das Bad genutzt werden, selbst wenn es für die Öffentlichkeit noch geschlossen wäre. Kultusminister Christian Piwarz (CDU) verweist auch auf Pläne, in den Ferien Schwimmkurse für Schülerinnen und Schüler anzubieten. Dafür stehen 600.000 Euro bereit.

Bad liegt still, das Wasser muss aber drinbleiben

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Doch das Geld nützt erst dann etwas, wenn es auch Bäder gibt, in denen Kurse möglich sind. Das Erlebnisbad Paulsdorf an der Talsperre Malter liegt seit November still. Die Temperaturen von Wasser und Luft sind heruntergefahren. Das Wasser wird nur gelegentlich umgewälzt, damit sich dort keine Keime entwickeln. Es abzulassen, ist nicht möglich. Erstens ist die Statik des Beckens daraufhin berechnet, dass Wasser darin steht. Wenn es auf Dauer leer bliebe, könnte es beschädigt werden. Zweitens ist es nicht möglich, alles Wasser restlos aus den Rohren zu pumpen. Wenn es dann längere Zeit dort stünde, könnten sich Legionellen oder andere Keime entwickeln, die dann große Probleme verursachen, erklärt Alexander. Also muss das System auf niedrigem Niveau in Gang bleiben.

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