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Die Pläne für die Hafermühle in Dipps

Seit Jahren verhandelt der Hafermühlen-Eigentümer mit den Behörden. Wie er sich mit dem Denkmalschutz einigte.

Äußerlich tut sich derzeit wenig an der Hafermühle. Der Eigentümer verhandelt aber geduldig mit den Behörden, um seine Pläne umzusetzen.
Äußerlich tut sich derzeit wenig an der Hafermühle. Der Eigentümer verhandelt aber geduldig mit den Behörden, um seine Pläne umzusetzen. © Karl-Ludwig Oberthuer

Die Hafermühle direkt an der B 170 gehört zu den ersten Eindrücken, die Besucher von Dippoldiswalde haben, wenn sie von Ulberndorf in die Stadt fahren. Daher beschäftigt das Schicksal dieses Bauwerks viele Dippser. Und lange Jahre war es schlecht um die Hafermühle bestellt. Der Produktionsbetrieb wurde in der Wendezeit eingestellt. Einzelne Räume waren noch eine Zeit lang vermietet, aber insgesamt verfiel das Anwesen.

2016 hat Dirk Boden die Immobilie gekauft, mit dem Ziel, daraus ein Wohn- und Geschäftshaus zu machen. Doch dafür benötigt er viel Geduld, denn das Ensemble steht unter Denkmalschutz. So will Boden den linken Seitenflügel, von der Straße aus gesehen, teilweise abreißen. Das hat ihm die Denkmalschutzbehörde erst verweigert. Er musste in Widerspruch gehen und hat Anfang des Jahres eine Einigung erreicht, aber mit Bedingungen und Auflagen. Er musste von jedem Gebäude eine Dokumentation aufstellen und Zeichnungen im Maßstab 1:50. Außerdem verlangt die Behörde eine fotografische Erfassung aller Fassaden und der inneren Gebäudeteile. Diese Dokumentation muss er, mit Negativfilm sowie in digitaler Form, vor Beginn der Abbrucharbeiten in zweifacher Ausfertigung der unteren Denkmalschutzbehörde im Landratsamt übergeben. „Diese Arbeiten stehen vor dem Abschluss“, teilt Boden mit.

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Mittelbau mit Pflug-Relief muss bleiben

Einen Teil der Abbrucharbeiten hat im August der Zahn der Zeit übernommen, als im August ein Dach eingestürzt ist. Das ist eine Spätfolge des Abrisses des alten Speichers vor einigen Jahren. Dabei ist auch das Dach der benachbarten Scheune erheblich zerstört worden. Mit dem Bauantrag, den Boden stellen will, werde er beantragen, diesen Teil der Hafermühle zu beräumen, kündigt er an.

Einst wurden in der Hafermühle Produkte unter der Marke Pflug produziert. Dafür steht das Relief am Giebel des zentralen Baus. 
Einst wurden in der Hafermühle Produkte unter der Marke Pflug produziert. Dafür steht das Relief am Giebel des zentralen Baus.  © Egbert Kamprath
1989 wurde im VEB Pflug Hafernährmittel Dippoldiswalde noch produziert. Hier ein Foto aus der Abfüllung. 
1989 wurde im VEB Pflug Hafernährmittel Dippoldiswalde noch produziert. Hier ein Foto aus der Abfüllung.  © SZ-Archiv

Erhalten muss er den Mittelbau. Hier sind die Gewölbe im Erdgeschoss und der Giebel zur Straße hin mit dem Putzrelief eine Besonderheit, wie das Denkmalschutzamt mitteilt. Das Relief stellt einen Pflug dar, die Marke, unter der früher die Produkte aus Dippoldiswalde vertrieben wurden.

Dazu kommt ein neuer Aspekt ins Spiel, das Artenschutzrecht. Denn im Lauf der Jahre können sich in den alten Mauern ja seltene Tiere angesiedelt haben. Die würden mit einem Abriss oder Umbau ihrer Quartiere verlieren. Daher bekommt Boden auch Auflagen vom Umweltamt. So muss er alle Gebäudeteile auf Brut- und Überwinterungsorte von Tieren überprüfen. „Da dies nicht vom Umweltamt, oder einem selbst geleistet werden kann, bekommt dafür ein kompetentes Umweltbüro einen entsprechenden Auftrag, so auch bei der Hafermühle“, teilt Boden weiter mit.

Einen Termin mit der Umweltbehörde hat er jetzt im September. Dabei werden unter anderem die Mauerritzen und die Dachrandbereiche mit einem Hubsteiger auf mögliche Quartiere von Tieren geschützter Arten untersucht.

Wohn- und Geschäftshaus sowie Gaststätte geplant

Geplant ist als Erstes der Umbau des von der Straße aus gesehen linken Gebäudes. Hier hat sich allerdings, nachdem vor zehn Jahren die Bundesstraße ausgebaut wurde, ein Problem aufgetan durch Umbau und Erweiterung der B 170. Hier kamen Fußweg, Radweg und eine Bushaltestelle hinzu. Deswegen führt kein Weg mehr zu diesem Gebäude. Das ist der Grund, warum Boden den linken Seitenflügel entfernen muss.

Der Eigentümer muss sich auch um neue Anschlüsse an Wasser, Abwasser und die anderen Medien kümmern. Die sind beim Straßenbau nicht erhalten worden. „Als die Straße erneuert wurde, war der Stadt offensichtlich der Denkmalstatus nicht bekannt. Angeblich war das Gelände damals als Ausgleichsfläche für Neuversiegelungen vorgesehen“, sind Bodens Informationen. Damit, dass jemand die Hafermühle weiter nutzen will, hat damals offenbar niemand gerechnet. Wann die Pläne jetzt umgesetzt werden, ist momentan noch offen. Daran arbeiten das Planungsbüro, Behörden und Eigentümer weiter.

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Aber Boden hält an seinem Ziel fest, das er schon 2017 in einer Bauvoranfrage dargelegt hat: Das linke, frühere Fabrikgebäude soll als Wohn-und Gewerbehaus genutzt werden. Der zentrale Mühlenbau soll Gaststätte mit Wohnung und Seminarraum werden. 

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