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Tharandt: Handwerker wegen fahrlässiger Brandstiftung verurteilt

Das Gericht sieht unzureichende Schutzmaßnahmen bei Lötarbeiten als Ursache des Großbrandes in einem Milchviehbetrieb in Großopitz.

Ein Foto kurz nach den Brand: Hubertus (li.) und Alexander Schroth vor den Resten ihrer neuen Melkanlage,  die noch gar nicht in Betrieb genommen worden war.
Ein Foto kurz nach den Brand: Hubertus (li.) und Alexander Schroth vor den Resten ihrer neuen Melkanlage, die noch gar nicht in Betrieb genommen worden war. © Egbert Kamprath

Von Walter Neuwirth

Der Inhaber eines regionalen Unternehmens für Agrartechnik musste sich unlängst wegen fahrlässiger Brandstiftung vor dem Amtsgericht Dippoldiswalde verantworten. Er hatte Lötarbeiten ausgeführt, die vermutlich den Brand einer Scheune auslösten. Bei dem nun anberaumten Folgetermin versuchte das Gericht, der tatsächlichen Brandursache sowie dem möglichen Fehlen von notwendigen Brandschutzmaßnahmen auf den Grund zu gehen - insbesondere durch Anhörung von sachverständigen Zeugen.

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Am Pfingstsonntag 2020 war bei dem Brand im Tharandter Ortsteil Großopitz eine Scheune samt neuer Melkanlage komplett niedergebrannt.

Deutlich wurde nun vor Gericht, dass sich im Hintergrund die Sparkassenversicherung sowie die Allianz als Haftpflicht- und Brandversicherung um die Verteilung der bereits in einem Vergleich ausbezahlten Schadenssummen von über 600.000 Euro streiten. Vor Gericht wurde nun von Versicherungsseite angedeutet, dass man wohl Regressforderungen an den Handwerksbetrieb stellen wird, der die Lötarbeiten ausführte.

Der geschädigte Hofbetreiber wurde zwar auf Basis eines Vergleichs bereits entschädigt. Diese Summe reicht jedoch beileibe nicht aus, um eine neue Milchviehanlage zu errichten. Und das, obwohl sich sie oberhalb des berechneten Zeitwertes des abgebrannten Gebäudes befindet. Doch allein die Tatsache, dass eine neue Anlage nicht exakt am gleichen Ort wiederaufgebaut werden kann, führte zu erheblichen finanziellen Abschlägen der Versicherungsleistungen.

Richterin droht Versicherung mit Durchsuchung

Richterin Höllrich-Wirth zeigte sich wenig erfreut darüber, dass vonseiten der Sparkassenversicherung erforderliche Unterlagen und Vermerke nur ungern oder gar nicht bereitgestellt wurden.

Es bedurfte daher eines deutlichen Hinweises auf die Möglichkeit der sofortigen Anordnung einer Durchsuchung und Beschlagnahmung in den Räumen der Versicherung sowie einer kurzen Unterbrechung des Verfahrens, bis dann endlich ein interner Vermerk des beauftragten Sachverständigen an die Sparkassenversicherung zur Verfügung gestellt wurde.

Der sachverständige Brandermittler der Kriminalpolizei Freital wie auch eine weitere Sachverständige kamen zu dem Schluss, dass die Ursache des Brandes mit höchster Wahrscheinlichkeit in den unsachgemäß durchgeführten Lötarbeiten bzw. dem Fehlen nötiger Brandschutzmaßnahmen lag. Eine andere Möglichkeit der Brandentstehung wurde nicht gefunden. „Es ist wie beim Radfahren ohne Helm oder anderen Situationen“, so die Richterin, „es geht 1.000-mal gut, aber das eine Mal dann eben nicht.“

Möglicherweise war der Handwerker auch Opfer seiner eigenen Routine, die ihn davon abhielt, das Holz und das Stroh neben der Lötstelle angemessen zu schützen, damit es nicht Feuer fängt.

Letztlich konnte nicht jedes Detail geklärt werden, jedoch sah es das Gericht als ausreichend erwiesen an, um den Inhaber der Agrarfirma in Abwesenheit zu 80 Tagessätzen á 120 Euro zu verurteilen.

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In Großopitz bei Tharandt brannte bei Lötarbeiten ein Stall samt teurer Melkanlage ab. Dafür ist ein Firmenchef angeklagt. Ihm geht es um sehr viel.

Staatsanwalt Vogler machte in seinem Plädoyer zuvor zwar deutlich, dass es sich bei dem Angeklagten um einen rechtschaffenen Familienvater und keineswegs um einen klassischen Straftäter handelt, die Verursachung dieses schadensträchtigen Missgeschickes aber dennoch bestraft werden müsse.

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