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Was macht der Hund im Dippser Krankenhaus?

Die Weißeritztalkliniken bieten seit September Therapiemöglichkeiten mit Vierbeinern. Momentan ist das noch ein Pilotprojekt, das erste in Ostsachsen.

Von Franz Herz
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Es gibt Bewegungen, die fallen den Patienten leichter, wenn Therapeutin Mengia Bretschneider im Krankenhaus Dippoldiswalde, sie ihnen mit ihrem Hund Trixie vermittelt.
Es gibt Bewegungen, die fallen den Patienten leichter, wenn Therapeutin Mengia Bretschneider im Krankenhaus Dippoldiswalde, sie ihnen mit ihrem Hund Trixie vermittelt. © Karl-Ludwig Oberthür

Trixie ist ein Mischlingshund zwischen einem Malteser und einem Jack Russell – und er ist der neue Mitarbeiter in der Therapieabteilung der Helios Weißeritztal-Klinik in Dippoldiswalde. Ein Hund im Krankenhaus, das geht normalerweise gar nicht. Aber für Trixie macht die Klinikleitung eine Ausnahme und erwartet sich von ihr auch etwas.

Pilotprojekt läuft in den Weißeritztal-Kliniken

Seit September läuft in den Weißeritztalkliniken ein Pilotprojekt zur Therapie mit Unterstützung von Hunden. Das ist nichts ganz Neues. In Reha-Kliniken, Pflegeheimen oder Kindereinrichtungen sind schon lange Hunde im Einsatz. Dippoldiswalde ist jetzt aber das erste Akutkrankenhaus in Ostsachsen, das damit arbeitet, berichtet Philipp Erlach, der Therapieleiter in Dippoldiswalde und Freital.

Erfahrung aus Reha-Klinik ins Krankenhaus übertragen

Bevor er an die Klinik gekommen ist, hat der Therapeut in Rehakliniken gearbeitet und dort die Therapie mit Hunden kennengelernt. So kannte er das Konzept und hat es auch der Geschäftsleitung der Weißeritztal-Kliniken vorgeschlagen. Jetzt wird es ausprobiert in Zusammenarbeit mit der Praxis „Hunde helfen heilen“ aus Dresden. Von dort kommt jeden Freitag Mengia Bretschneider mit Trixie nach Dippoldiswalde.

Der Hund motiviert die Patienten

Sie bringt beispielsweise Patienten nach einem Schlaganfall dazu, Lähmungserscheinungen zu überwinden. Das ist leichter mit Hund. Wenn ein erwachsener Mensch wie ein Kind wieder lernen muss, beispielsweise Knöpfe zu öffnen, ist das oft schwierig. Das macht mehr Spaß, wenn er einen Beutel aufknöpft, um dem Hund ein Leckerli zu geben. Dann geht es nicht nur um eine therapeutische Übung, sondern darum, dem Hund etwas Gutes zu tun. Der bedankt sich gleich noch mit einem treuherzigen Blick.

Ganz nüchtern betrachtet, hat aber der Patient besser und intensiver seine Bewegungsabläufe trainiert. „Es geht darum, die eigene Motivation zu stärken“, sagt Maria Gawoehns, die Inhaberin von „Hunde helfen heilen.“

Schon früh den Kontakt zu Patienten

Mengia Bretschneider berichtet von einer Patientin, die während der Therapie nicht geredet hat. Aber als sie danach den Hund noch einmal getroffen hat, war die Hemmung weg und sie hat mit ihm gesprochen. Da hatte sich etwas gelöst. Solche Therapieerfolge wären ohne Tier kaum möglich.

Maria Gawoehns ist mit ihren Mitarbeiterinnen in vielen Einrichtungen im Raum Dresden unterwegs, aber jetzt das erste Mal in einem Akutkrankenhaus. „Das hat den Vorteil, dass wir schon früh den Kontakt zu Patienten haben, die später in der Reha weiter betreut werden“, sagt sie. Vorwiegend bekommen jetzt ältere Patienten diese Art der Therapie.

Hund und Therapeuten sind feste Paare

So wie Mengia Bretschneider und Trixie sind alle Therapeutinnen mit ihren Hunden ein festes Paar. Sie arbeiten nicht nur zusammen, sondern leben zusammen. Wenn die Therapie vorbei ist, geht Mengia Bretschneider mit Trixie zu einem Spaziergang oder lässt sie sich auf andere Art entspannen.

Besseres Therapieangebot in Dippoldiswalde

Denn für die Hunde ist das auch anstrengend. Als Therapiehunde eignen sich alle Hunderassen, aber längst nicht jeder Hund. Auch ein Schäferhund kann Patienten helfen, die beispielsweise früher selbst einen solchen Vierbeiner hatten. Im Einzelfall wird aber jedes Tier überprüft, ob es sich als Therapiehund eignet, erzählt Gawoehns. Dann bekommt es eine Ausbildung, lernt beispielsweise, neben einem Rollstuhl zu laufen oder den Therapeuten auch ohne Worte zu verstehen. Damit dieser später nicht wegen dem Hund das Gespräch mit dem Patienten unterbrechen muss.

Die Weißeritztalkliniken führen das Pilotprojekt jetzt erst einmal weiter und beobachten die Ergebnisse. Wegen der Einschränkungen durch Corona dauert derzeit manche auch länger als üblich.

Erst musste die Klinik für die Hundetherapie ein spezielles Hygienekonzept ausarbeiten. Das legt beispielsweise fest, auf welchem Weg die Hunde ins Therapiezimmer kommen und wie dieses danach gereinigt wird. Die Ärzte suchen die Patienten dafür auch gezielt aus, achten auf Allergien und auf eventuelle Ängste. „Insgesamt wollen wir damit ein besseres Therapieangebot machen“, sagt Erlach. Wie lange das Pilotprojekt jetzt läuft, ist momentan offen.