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Kleine Zecke - große Gefahr

Zwischen Dippoldiswalde und Pirna gab es dieses Jahr bisher so viele Borreliose-Fälle wie sonst nirgends in Ostsachsen. Wie man sich dagegen schützen kann.

Hier lauert eine Zecke auf einem Blatt, um sich an ein warmblütiges Tier zu hängen und dort etwas Blut zu saugen. Das allein wäre nur lästig. Schlimmer sind die Bakterien, die sie oft im Körper hinterlässt.
Hier lauert eine Zecke auf einem Blatt, um sich an ein warmblütiges Tier zu hängen und dort etwas Blut zu saugen. Das allein wäre nur lästig. Schlimmer sind die Bakterien, die sie oft im Körper hinterlässt. © dpa-Zentralbild

Zecken scheinen auf dem Vormarsch. Gemessen an seiner Bevölkerungszahl hat der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge in diesem Jahr die zweitmeisten Borreliose-Infektionen bisher in Sachsen zu verzeichnen. Nur im Vogtlandkreis haben die Ärzte noch mehr Fälle dieser Krankheit beobachtet, die durch Zeckenbisse übertragen wird.

Der zweithöchste Wert in ganz Sachsen

Die Landesuntersuchungsanstalt Sachsen veröffentlicht regelmäßig die Zahlen der Infektionen. Dabei hatte der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge bis Anfang August 98 Fälle zu verzeichnen, der Vogtlandkreis 103 und die Stadt Dresden 130. Das sind die höchsten Werte in Sachsen.

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Im Verhältnis zur Bevölkerung liegt der Dresdner Wert aber im Durchschnitt. Unser Landkreis verzeichnet jedoch 40 Ansteckungen auf 100.000 Einwohner. Das ist sachsenweit der zweithöchste Wert hinter dem Vogtlandkreis mit 46 Borreliose-Ansteckungen auf 100.000 Einwohner.

Auch in früheren Jahren schon viele Infektionen

Diese Entwicklung ist nicht neu. Dem Gesundheitsamt des Landkreises sind im gesamten vergangenen Jahr 306 Borreliose-Erkrankungen gemeldet worden, im Jahr zuvor waren es 279, wie das Amt informiert. Ähnliche Zahlen sind dieses Jahr durchaus möglich.

Die Borreliose wird durch Zeckenbisse übertragen. Die kleinen Blutsauger können die Krankheitserreger in sich tragen, und wenn sie an einem neuen Wirtstier oder einem Menschen saugen, können sie die übertragen. Zu erkennen ist die Infektion meist an der sogenannten Wanderröte, einer Hautrötung, die bis zu sechs Wochen nach dem Stich auftreten kann. Das ist das deutlichste Kennzeichen für eine Borreliose. Andere Symptome wie Fieber, Gelenk- und Muskelschmerzen oder Müdigkeit können auch eine Folge der Borrelien sein, sind aber nicht eindeutig zuzuordnen.

Nachbarkreise sind weniger betroffen

Warum gerade hier im Landkreis viele Fälle auftreten, ist unklar. Denn benachbarte Kreise wie Mittelsachsen oder Bautzen sind weniger betroffen. In Bautzen sind bis Anfang August 20 Fälle gemeldet worden, in Mittelsachsen 44.

Viele Fälle in Gohrisch und Bad Gottleuba-Berggießhübel

In der Region Sächsische Schweiz-Osterzgebirge hat das Gesundheitsamt in den vergangenen beiden Jahren besonders viele Meldungen von erkrankten Einwohnern aus den Kurorten Gohrisch und Bad Gottleuba-Berggießhübel erhalten. „Allerdings kann damit nicht auf die Häufigkeit von Borreliose übertragenden Zecken in diesen Gebieten geschlossen werden, da die Erkrankten die Infektion von Besuchen in anderen Regionen mitgebracht haben können“, schränkt das Amt ein.

Vier Tipps zur Vorbeugung

Wenn es zu einer Infektion mit Borrelien gekommen ist, lässt sich diese mit Antibiotika behandeln. Besser ist aber, Zeckenbissen vorzubeugen. Denn selbst, wenn dabei keine Krankheiten übertragen werden, jucken die Stellen unangenehm. Zur Vorbeugung gibt Karin Kerber von der Pressestelle des Landratsamts Tipps.

  • Weil sich Zecken in hohem Gras und Gestrüpp aufhalten, schützen lange Hosen und langärmelige Hemden und Pullover.
  • Spaziergänge sollten möglichst über feste Wege führen.
  • Nach dem Aufenthalt in gefährdeten Gebieten ist es wichtig, den Körper sorgfältig nach Zecken abzusuchen.
  • Bevorzugte Saugstellen sind am Kopf, Haaransatz und am Hals sowie unter den Armen, zwischen den Beinen und in den Kniekehlen.

Eine zweite Zeckenkrankheit auf dem Vormarsch

Zecken übertragen neben der Borreliose auch die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), eine Gehirnhautentzündung. Diese Viruserkrankung ist wesentlich seltener als die Borreliose, aber auch gefährlicher. Im Landkreis wurden sowohl im Jahr 2019 als auch 2020 drei Fälle gemeldet. In diesem Jahr wurden bisher zwei Fälle bekannt. Gegen FSME gibt es eine Impfung, was gegen die Borreliose nicht möglich ist.

So selten FSME bei uns noch ist, breitet sich die Krankheit doch auch weiter aus. Der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge ist seit 2019 vom Robert-Koch-Institut als Risikogebiet eingestuft worden, der Nachbarlandkreis Mittelsachsen dieses Jahr.

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