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Fahrraddiebstähle haben zugenommen

Wer dachte, dass im Corona-Jahr 2020 die Zahl der Kriminalfälle zurückgeht, den belehrt die Statistik des Polizeireviers Freital-Dippoldiswalde eines Anderen.

Der Leiter Polizeireviers Freital-Dippoldiwalde, Rico Sommerschuh legt eine Kriminalstatistik vor, die ihm nicht ganz gefallen kann.
Der Leiter Polizeireviers Freital-Dippoldiwalde, Rico Sommerschuh legt eine Kriminalstatistik vor, die ihm nicht ganz gefallen kann. © Egbert Kamprath

Zwischen Wilsdruff und Altenberg haben die Polizeibeamten im Jahr 2020 rund 4.424 Kriminalfälle verzeichnet, vom Ladendiebstahl bis zum versuchten Totschlag, und das sind deutlich mehr als im Jahr 2019. „396 Fälle mehr als im Jahr zuvor. Das sind 9,8 Prozent Zunahme“, sagt Revierleiter Rico Sommerschuh kurz.

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Corona ist ein Teil der Erklärung, ein anderer kann in der Besonderheit der polizeilichen Kriminalstatistik liegen. Die Polizeibeamten registrierten im vergangenen Frühjahr 103 Fälle von Verstößen gegen das Infektionsschutzgesetz. Zu Beginn der Pandemie wurden diese als Straftaten bewertet, landeten also in der Polizeistatistik. Inzwischen werden sie nur noch als Ordnungswidrigkeiten eingestuft, aber mit teilweise empfindlichen Geldbußen. "Deswegen wird das Thema in der Statistik keine Rolle mehr spielen", erwartet der Revierleiter.

Der andere Anstieg hängt auch mit der Art der Statistik zusammen. Sie erfasst nicht die Falle, die aktuell passiert sind, sondern die, welche die Polizei abschließend bearbeitet hat. „Und wir haben letztes Jahr viel abschließen können“, sagt der Revierleiter. Dazu passt, dass die Aufklärungsquote etwas gestiegen ist auf 63,4 Prozent aller Fälle.

Die Besonderheit der Grenzlage

Insgesamt ist logisch, dass dort auch am meisten passiert, wo die meisten Menschen leben. Das sind die größeren Städte, Freital, Wilsdruff, Dippoldiswalde. Im Verhältnis zur Einwohnerzahl hat aber Altenberg die stärkste Häufigkeit. Sommerschuh erklärt dies mit der Grenzlage.

Es gibt Straftaten wie Verstöße gegen das Ausländerrecht oder das Asylverfahrensgesetz, die besonders häufig am Grenzübergang festgestellt werden. In Altenberg sind das allein 68 Fälle gewesen. Wenn man diese abzieht, läge die Bergstadt auf dem Niveau wie Freital oder Tharandt. Auch in Hermsdorf/Erzgebirge sind sieben solche speziellen Fälle registriert worden, ein Drittel aller dortigen Kriminalfälle.

Ein Drittel mehr Fahrräder gestohlen

Was Otto Normalverbraucher immer ärgert, ist, wenn er bestohlen wird. Hier wurden bei der Polizei 683 einfache Diebstähle angezeigt, beispielsweise ein Taschendiebstahl, und 644 schwere Diebstähle, bei denen eine Sicherung überwunden wurde, ein Schloss geknackt, eine Tür aufgebrochen.

Bestimmte Formen von Diebstählen sind einzeln erfasst, beispielsweise gemauste Fahrräder. 106 hat die Polizei gezählt, knapp ein Drittel mehr als im Vorjahr. Eine mögliche Erklärung ist, dass der Trend in der Coronazeit, dass Fahrräder mehr gefragt sind, sich auch in der Illegalität fortsetzt.

23 Autodiebstähle stehen in der Statistik, 53 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Hier werden sowohl wertvolle Wagen gestohlen, die noch relativ neu sind, als auch alte Wagen, die dann aber auch schlechter gesichert sind.

115 Diebstähle aus Büros, Lagern oder Werkstätten sind passiert. Fast um die Hälfte mehr als im Jahr zuvor. Eine Serien solcher Einbrüche ist in Dippoldiswalde passiert. „Hier laufen die Ermittlungen. Wir warten noch auf Ergebnisse der Spurenauswertung, beispielsweise von DNA-Abstrichen. Einen Tatverdächtigen konnten wir bisher nicht feststellen“, sagt Sommerschuh. Bei dieser Art von Diebstählen liegt die Aufklärungsquote bei 32 Prozent. Deutlich besser ist sie bei den 63 Wohnungseinbrüchen. Da wurde mehr als jeder zweite aufgeklärt. Hier bekommt die Polizei oft bessere Ansätze für ihre Ermittlungen. Manchmal haben Nachbarn etwas gesehen. „Viele Menschen schützen ihr Eigentum auch besser. Eine Kamera zur Überwachung kostet heute ja nicht mehr viel“, sagt der Revierleiter.

Bei den Diebstählen verzeichnet Wilsdruff die zweitmeisten Fälle in der Weißeritzregion. „Das liegt an der Autobahnraststätte. Die Fälle von Planenschlitzereien an Lkws fallen dort ins Gewicht“, erklärt Sommerschuh.

Weniger Rauschgiftfälle und kein Drogentoter

Die Rauschgiftkriminalität ist zurückgegangen. 181 Fälle verzeichnete die Polizei, ein Drittel weniger als im Jahr 2019. Dabei zeigen die Zahlen aber nur einen Teil der Wahrheit. Rauschgiftfälle zeigt kaum jemand bei der Polizei an. Die werden nur erfasst, wenn sie aktiv kontrolliert. Die Verkehrsüberwachung bringt hier häufig Anzeigen.

Meist geht es um Cannabiskonsum, seltener um Crystal. Und andere illegale Drogen spielen in der Region zwischen Wilsdruff und Zinnwald kaum eine Rolle. „Eine besonders gute Nachricht ist: Es gab 2020 im ganzen Landkreis keinen Drogentoten“, sagt Sommerschuh.

In Asylbewerberheimen ist es ruhig geworden

Zurückgegangen ist auch die Gewaltkriminalität, auf 84 Fälle. Hier hat sich auch die Situation in den Asylbewerberheimen in Klingenberg und Schmiedeberg beruhigt. In Klingenberg hatte es 2019 noch acht Gewalttätigkeiten gegeben, 2020 nur noch drei. „Es ist ruhig geworden. Die Heime sind für uns keine Schwerpunkte mehr“, sagt der Revierleiter.

Enorm gestiegen ist die Wirtschaftskriminalität, von 32 Fällen 2019 auf 60 Fälle. Den Schwerpunkt bilden hier Straftaten in Zusammenhang mit Unternehmensinsolvenzen.

Was viele Menschen auch beunruhigt ist das, was die Polizei unter Straßenkriminalität zusammenfasst, all das was auf der Straße passiert vom Taschendiebstahl bis zur Sachbeschädigung. Hier hat die Polizei 677 Fälle verzeichnet, aber ein Problem diese aufzuklären. Das ist bei rund einem Viertel gelungen.

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Andere Fälle, die auch viele Bürger beunruhigen, sind betrügerische Telefonanrufe, die mit erfundenen Geschichten vor allem ältere Leute dazu bewegen, Geld irgendwohin zu schicken oder zu übergeben. „Die Menschen werden dafür sensibler, aber es passiert immer noch zu häufig“, sagt der Polizeibeamte. In der Statistik spielt das keine Rolle, weil die nach dem Tatortprinzip arbeitet. Damit ist so ein Anruf, der im Osterzgebirge landet, von dem aber niemand weiß, woher er kommt, nicht zuzuordnen. Es gilt bei solchen Anrufen immer vorsichtig zu bleiben und lieber einmal öfter noch jemand anderen zu fragen, als vorschnell Geld wegzugeben.

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