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Verdienstorden für Dippser THW-Chef

Lars Werthmann war schon überall ehrenamtlich im Einsatz, in Geising wie in Nepal. Dafür gibt es eine Auszeichnung, für die er eigentlich noch zu jung ist.

Lars Werthmann hat die Ortsgruppe des Technischen Hilfswerks in Dippoldiswalde mit aufgebaut und leitet sie. Für sein Engagement bekommt er jetzt den höchsten zivilen Orden, den die Bundesrepublik vergibt.
Lars Werthmann hat die Ortsgruppe des Technischen Hilfswerks in Dippoldiswalde mit aufgebaut und leitet sie. Für sein Engagement bekommt er jetzt den höchsten zivilen Orden, den die Bundesrepublik vergibt. © Egbert Kamprath

Diese Woche übergibt Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) Bundesverdienstorden an 15 Sachsen, der Jüngste unter den Ausgezeichneten ist Lars Werthmann mit 36 Jahren. Er stammt aus Altenberg und wohnt heute mit seiner Familie im Dippser Ortsteil Seifersdorf. Der erste Beitrag, den die Sächsische Zeitung im Jahr 2000 über ihn veröffentlicht hat, weil er der beste Schülerlotse Sachsen geworden war, beginnt mit dem Satz: „Lars Werthmann aus Altenberg weiß, was er will.“ Das gilt bis heute. Er wusste, dass er nach der 10. Klasse Rettungssanitäter werden will. Und schon damals war er ehrenamtlich engagiert bei der Bergwacht und als Schülerlotse.

Ehrenamt gehört zur Familie dazu

Das ehrenamtliche Engagement hat in seiner Familie Tradition. Vater, Mutter, Brüder, alles sind irgendwo dabei. Grundsätze der Rot-Kreuz-Arbeit wie „Helfen, ohne zu fragen wem“ hat er schon als Kind mitbekommen. Und auch seine Familie heute gibt den nötigen Rückhalt. Seine Frau Antonia ist Notfallsanitäterin. „Sie hat dadurch auch ein gutes Verständnis für das, was ich mache“, sagt Lars Werthmann. Und die fünfjährige Tochter hat schon großen Spaß dabei, mit dem Vater zum THW zu gehen. Die zweite ist mit eineinhalb Jahren noch nicht so weit.

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Das Bundesverdienstkreuz war ein Lebensziel

Lars Werthmann ist nach der Schule seinen Weg gegangen und hat eine Ausbildung beim Roten Kreuz gemacht. Der Bundesverdienstorden war damals noch ein Stück entfernt, aber nicht ganz utopisch. „Es war tatsächlich eines meiner Lebensziele“, sagt Werthmann. „Dazu gehörte eine Familie mit Kindern, ein Haus und auch das Bundesverdienstkreuz. Dass ich das schon mit 36 erreiche…“ Er bekommt jetzt die Bundesverdienstmedaille. Insgesamt hat das Bundesverdienstkreuz acht Stufen. Die Medaille ist die Einstiegsstufe, die Einzige, die in einem Alter unter 40 schon verliehen wird, hat Werthmann erfahren.

Der jüngste THW-Zugführer in Deutschland

Nach seiner Ausbildung hatte Werthmann ein Studium zum Rettungsdienstmanager angeschlossen. Als nach den Erfahrungen der Augustflut 2002 eine Ortsgruppe des Technischen Hilfswerks in Dippoldiswalde gegründet wurde, war er mit dabei und wurde mit Anfang 20 Zugführer. „Damals der Jüngste in Deutschland“, erinnert er sich. Er hatte bei Einsätzen, die auch mal schwierig werden konnten, Verantwortung für 60 Helfer. Nach fünf Jahren hat er die Stelle des Ortsbeauftragten für Dippoldiswalde übernommen, steht seitdem also an der Spitze des Ortsverbands.

Auf Dauer braucht man einen Plan

„Nach dem Hochwasser 2002 gab es ja viel spontanen Einsatz, viel Nachbarschaftshilfe. Aber auf Dauer braucht man einen Plan, eine Organisation“, sagt er. Die hat er mit dem THW in Dipps mit aufgebaut. Anliegen war ihm dabei, die Arbeit des Hilfswerks international auszurichten und junge Leute für die Arbeit zu begeistern. Er selbst kam dabei viele Jahre in der Welt herum, half nach Erdbeben in Haiti oder Nepal, organisierte eine Stromversorgung und Sanitäreinrichtungen in einem Flüchtlingscamp in Äthiopien.

Die vielen Helfer im Hintergrund

Es ist schade, dass es den Orden nicht als Gruppenauszeichnung gibt, sondern nur für Einzelpersonen, bedauert Werthmann. Es gibt beim Roten Kreuz und beim Technischen Hilfswerk ganz viele Helfer, ohne die die Arbeit nicht funktionieren würde, die aber im Hintergrund bleiben. Er nennt den Namen von Heiko Dietrich, dem kürzlich verstorbenen Rettungsdienstleiter im Dippser DRK. „Er ist einer von denen, denen ich den Verdienstorden widme“, sagt Werthmann. „Er hat sich gedreht, dass der Dienstplan umgestellt wurde, wenn ich bei THW-Einsätzen unterwegs war.“ Dietrich blieb im Hintergrund, hat aber Werthmann sein Engagement ermöglicht.

Beruflich leitet er seit fünf Jahren das Logistikunternehmen des DRK-Landesverbands Sachsen als Geschäftsführer. Außerdem ist er stellvertretender Krisenmanager des DRK Sachsen. Da war er beispielsweise beim Aufbau der Impfzentren engagiert.

Freude und große Gefahren im Einsatz

Nun hat er die Einladung in die Staatskanzlei. Das ist natürlich ein Höhepunkt. Aber Werthmann kennt andere Momente, die sich ihm eingeprägt haben. „Wenn sie miterleben, wie Helfer in den Jugendgruppen von THW oder DRK anfangen und dann mit Anfang zwanzig Verantwortung übernehmen, ist das toll“, nennt er ein Beispiel. „Oder wenn sie nach dem Erdbeben helfen, ein Kind aus den Trümmern zu ziehen, und die Eltern dafür danken." Er hat aber auch Gegenteiliges erlebt. Als die Asylkrise akut war, wurden die Helfer beschimpft, auch mit Steinen beworfen. Werthmann hat schon persönlich Drohbriefe erhalten. Bei einem Einsatz im Irak wurden nicht weit entfernt von ihm andere Helfer von IS-Leuten entführt und enthauptet. Aber so etwas hält ihn nicht ab.

Mit dem Fahrrad über die Alpen

Werthmann blickt zuversichtlich in die Zukunft, erwartet aber auch Krisensituationen, wie wir sie noch nicht erlebt haben. „Wir müssen uns auf einen Blackout, einen Stromausfall einstellen, der europaweit sein kann. Solche Krisen sind nur durch ehrenamtliches Engagement zu bewältigen“, sagt er. Da freut er sich auch, wenn das durch eine Auszeichnung anerkannt wird.

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Nach der Ordensübergabe geht es direkt in den Urlaub. Erst fährt er nach Garmisch-Partenkirchen, von wo er mit Kumpels eine Alpenüberquerung mit dem Fahrrad startet. „Am Gardasee treffe ich mich dann mit meiner Frau, die mit dem Wohnmobil und den Kindern nachkommt - zum richtigen Erholungsurlaub“, erzählt Werthmann.

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