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2022 entsteht Groß-Kirchgemeinde von Kreischa bis Hartmannsdorf

Die evangelische Kirche in Sachsen organisiert sich neu. Nun hat sie eine Großgemeinde angeordnet. Die spannt einen Bogen von Dresden ins Erzgebirge.

Die Kirche in Hartmannsdorf ist die höchstgelegene in der künftigen Kirchgemeinde Klingenberg-Kreischa.
Die Kirche in Hartmannsdorf ist die höchstgelegene in der künftigen Kirchgemeinde Klingenberg-Kreischa. © Frank Baldauf

Die Nachbarn sind schon vorangegangen. 2019 haben sich vier Kirchspiele zum Kirchspiel Osterzgebirge rund um Dippoldiswalde mit Glashütte, Altenberg und Frauenstein zusammengetan, das seit 2020 besteht. Ähnliches kommt jetzt im Raum Kreischa-Seifersdorf-Höckendorf-Pretzschendorf. Dort wird es ab kommendem Januar die neue Kirchgemeinde Klingenberg-Kreischa geben.

Das Landeskirchenamt hat die Vereinigung angeordnet

Darin werden die beiden Kirchgemeinden Höckendorf und Pretzschendorf-Hartmannsdorf sowie das Kirchspiel Kreischa-Seifersdorf vereinigt. Die Kirchenvorstände konnten sich nicht dazu durchringen, diesen Schritt zu gehen. Nun hat das Landeskirchenamt in Dresden die Vereinigung zum Jahresbeginn 2022 angeordnet.

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Vorsorge bis zum Jahr 2040

Diese Entwicklung ist vorgegeben, seit die Landessynode Sachsen 2018 ein Kirchengesetz zur künftigen Organisation der Kirche verabschiedet hat. Das legt fest, dass alle Gemeinden, Kirchspiele und Schwesterkirchen in Regionen zusammenarbeiten müssen. Diese sollen so groß sein, dass sie mindestens für die nächsten zehn Jahre drei hauptamtliche Pfarrer beschäftigen können und es sollen sich dabei Gemeinden bilden, die im Jahr 2040 voraussichtlich noch 4.000 Mitglieder haben.

Heute ist die Kirche noch deutlich besser aufgestellt. So arbeiten in der künftigen Gemeinde Klingenberg-Kreischa sechs Pfarrerinnen und Pfarrer, davon zwei jeweils mit einer halben Stelle. Außerdem gibt es drei Stellen für Gemeindepädagogen, von denen zwei besetzt sind, und drei für Kantoren, bei denen die dritte gerade neu besetzt wird. Aber die Landeskirche erwartet einen weiteren Rückgang der Mitgliederzahlen. Zwei Hauptursachen spielen dabei eine Rolle, zum einen der erwartete Bevölkerungsrückgang und zum anderen die abnehmende Kirchenbindung.

Dresden entscheidet über den Hauptsitz der Gemeinde

Die neue Gemeinde wartet jetzt noch auf weitere Entscheidungen aus Dresden, wie der Kreischaer Pfarrer Martin Beyer informiert. Das Landeskirchenamt muss einen leitenden Pfarrer nominieren und den Verwaltungssitz in der neuen Kirchgemeinde festlegen. Diese Entscheidung war im Kirchspiel Osterzgebirge einfacher. Dort ist Dippoldiswalde die größte Stadt, hat zentrale Funktionen und war traditionell Sitz eines Superintendenten. In der neuen Gemeinde zwischen Kreischa und Hartmannsdorf ragt kein einzelner Ort so deutlich heraus.

© SZ Grafik

In der neuen Kirchgemeinde will sich dazu niemand äußern. Sabine Münch, die Pfarrerin in Pretzschendorf, wollte dazu gegenüber sächsische.de keine Stellungnahme abgeben. „Das ist alles erst in der Planung“, sagt sie. Es liegt aber nahe, dass sich das Landeskirchenamt für einen der Orte entscheidet, die zentral in der neuen Gemeinde liegen und wo jetzt schon ein Pfarrer ansässig ist.

Der Vorteil einer solchen größeren Gemeinde liegt darin, dass sich mehrere Mitarbeiter die Aufgaben teilen können. Wenn beispielsweise ein Pfarrer oder ein Kantor ausfällt, gibt es mehrere andere, die ihn vertreten können. Die Frage ist, wie die große Gemeinde es erreicht, zugleich die Bindung an die Kirche vor Ort zu wahren und eine an die große Gemeinde zu schaffen.

Zwölf Kirchen im Gemeindegebiet

Insgesamt hat die neue Gemeinde dann zwölf Kirchen und noch eine Reihe von Friedhöfen und Pfarrhäusern zu betreuen. Außerdem wird sie sich im Spannungsfeld zwischen dem Stadtrand von Dresden und dem Erzgebirge zusammenfinden müssen. Von Hartmannsdorf im Südwesten bis nach Kreischa im Nordosten des neuen Gemeindegebiets sind es über eine halbe Stunde Fahrzeit und eine Entfernung von gut 30 Kilometer.

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Zwischen Kreischa und Pretzschendorf, zwischen Possendorf und Hartmannsdorf bestehen bisher wenig Gemeinsamkeiten. Seit einigen Monaten gibt es eine Arbeitsgruppe aus Pfarrern und den gewählten Kirchenvorständen, die über die künftige Zusammenarbeit berät, informiert Beyer weiter. Dabei wird sie von einem Gemeindeberater unterstützt. Es geht dabei um organisatorische Fragen, aber auch darum, wie die Traditionen und Besonderheiten der einzelnen Orte auch in der größeren Gemeinde gewahrt werden können.

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