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Neue Pläne für Ruine in Reichstädt

Der Obere Gasthof verfällt seit Jahren. Jetzt gibt es Pläne für den Abriss und Neubauten. Doch ein Teil davon stößt auf Ablehnung im Bauamt.

Teilweise verdeckt das Gestrüpp ringsherum den Zustand des Oberen Gasthofs in Reichstädt. Was bleibt hier noch außer dem Abriss?
Teilweise verdeckt das Gestrüpp ringsherum den Zustand des Oberen Gasthofs in Reichstädt. Was bleibt hier noch außer dem Abriss? © Karl-Ludwig Oberthuer

Nach rund 20 Jahren Leerstand tut sich etwas am Oberen Gasthof im Dippoldiswalder Ortsteil Reichstädt. Doch die neuen Pläne sind auch umstritten, wie aus der Vorlage der Stadtverwaltung für den Technischen Ausschuss hervorgeht. Dieser tagt am Mittwoch und muss über eine Bauvoranfrage beschließen.

Der Eigentümer plant, die Ruine des Gasthofs abzureißen. Auf dem Grundstück will er zwei Doppelhäuser errichten. Damit geht die Stadtverwaltung ohne Probleme mit. Sie erwartet davon sogar eine Aufwertung des Ortsbilds.

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Konflikt mit der neuen Grenzziehung

Schwierigkeiten macht der nächste Teil der Bauvoranfrage. Am Rande des Gasthofgrundstücks und auf zwei benachbarten Flurstücken ist ein Einfamilienhaus mit Gewerberäumen geplant. Dieses Projekt beißt sich mit der Klarstellungssatzung für Reichstädt. Die hat der Stadtrat gerade erst im Frühjahr neu beschlossen. Damals wurde Grundstück für Grundstück die baurechtliche Grenze zwischen Innenbereich und Außenbereich neu gezogen. Der geplante Bau des Einfamilienhauses mit Gewerbeeinheit liegt demnach im Außenbereich, wo es nur in besonderen Fällen Baurecht gibt. Die Stadtverwaltung argumentiert, „dass die Entstehung einer Splittersiedlung zu befürchten ist.“ Nun hat der Technische Ausschuss die Entscheidung, welche Stellungnahme die Stadt zu dem Vorhaben an das Landratsamt in Pirna abgibt. Die endgültige Entscheidung trifft schließlich diese Behörde.

Wenn es zu einem Neubau kommt, muss der Eigentümer auch nachweisen, wie das Haus an die Versorgungsleitungen für Wasser, Strom, Abwasser angeschlossen wird und wie die Zufahrt verlaufen soll. Damit beschäftigen sich die Ämter jetzt noch nicht. Die Gaststätte war zwar einmal in Betrieb. Aber sie steht jetzt seit rund 20 Jahren leer. Da ist nicht gesichert, dass die früheren Leitungen heute noch bestehen und funktionieren.

Ein Grieche war erfolgreich und dann war Schluss

Zu DDR-Zeiten gehörte der Gasthof der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) Sonnewalde in Brandenburg. Die hat ihn als Ferienheim für ihre Mitglieder und Arbeiter genutzt, aber nach der Wende nicht mehr benötigt und verkauft. Später war er dann im Eigentum einer Werbefirma, wie der frühere Hausmeister des Ferienheims, Werner Weinhold, berichtet. Das Unternehmen hat den Saal für Veranstaltungen genutzt. Die Gaststätte blieb in den 1990er-Jahren geöffnet. Einen Höhenflug erlebte sie zuletzt noch ab 1998. Ein griechischer Gastwirt hat sie betrieben unter dem Namen „Rhodos“. Er fand guten Zuspruch von Gästen. Aber das war auch nicht von Dauer.

Dieses Bild von dem Gasthof ist vor vier Jahren entstanden. Damals war der Verfall schon deutlich zu sehen, aber wenigstens das Dach noch nicht eingefallen.
Dieses Bild von dem Gasthof ist vor vier Jahren entstanden. Damals war der Verfall schon deutlich zu sehen, aber wenigstens das Dach noch nicht eingefallen. © Archiv Egbert Kamprath

Ab dem Jahr 2000 begann der Leerstand und der Niedergang des Anwesens. Die Eigentümer sind verstorben und niemand kümmerte sich mehr um die Immobilie. Teile des Dachgebälks sind schon vor Jahren eingestürzt. Es ist schon lange zu gefährlich, das Gebäude zu betreten. Vor vier Jahren wurde der ehemalige Gasthof noch einmal zum Kauf angeboten mitsamt dem Grundstück von 5.410 Quadratmetern und dem Gebäude von 1.624 Quadratmetern Fläche. 12.000 Euro sollte es noch kosten. Damals blieben die Bemühungen ohne Erfolg. Und der Verfall ging weiter, bis das ganze Dach des Saalanbaus eingestürzte.

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Es hat dann aber immer noch gedauert, bis sich ein anderer Eigentümer fand, der jetzt den Abriss in die Hand nimmt und Pläne für eine neue Bebauung hat. Im Prinzip passen seine Absichten ja zum Wunsch von Oberbürgermeisterin Kerstin Körner (CDU), die das Ziel ausgegeben hat, dass Dippoldiswalde wieder 15.000 Einwohner bekommen soll.  

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