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Warum die Prießnitz in Glashütte angestaut wurde

Der kleine Bach führte am Freitag ungewöhnlich viel Wasser. Mitarbeiter der Landestalsperrenverwaltung schauten sich einige Stellen ganz genau an.

Eigentlich ist das Becken vor dem Prießnitzdamm in Glashütte nicht gefüllt. In dieser Woche war es anderes. Die Landestalsperrenverwaltung hatte gute Gründe dafür.
Eigentlich ist das Becken vor dem Prießnitzdamm in Glashütte nicht gefüllt. In dieser Woche war es anderes. Die Landestalsperrenverwaltung hatte gute Gründe dafür. © SZ/Maik Brückner

Das tosende Geräusch hat Petra Meinhold ein bisschen aufgeschreckt. Denn so laut ist die Prießnitz eigentlich nicht. Fast das ganze Jahr über fließt das Bächlein leise durch Glashütte. Doch an diesem Freitag war es anders.

Warum, das wollte die Glashütterin auf eigene Faust erkunden. Zu Fuß ging sie der Quelle Richtung Johnsbach entgegen. Doch bis dahin musste sie nicht gehen. Bereits am Prießnitzdamm wenige Meter hinter der Stadtgrenze klärte sich alles auf.

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Dort waren zwei Mitarbeiter der Landestalsperrenverwaltung zugange, die mit Messgeräten im und am Wasser standen. Weitere zwei waren mit der Steuerung der Anlage beschäftigt. Ehsan Amani, der Betriebsteilleiter für Stauanlagen im Oberen Elbtal, leitete einen Test, der durch das Schmelzwasser möglich geworden ist und mit dem die Leistungsfähigkeit des Prießnitzbaches unterhalb des Damms ermittelt werden sollte.

Test von 2015 nachgeholt

Eigentlich wollte man diesen bereits 2015 ausführen. Doch das sei nicht möglich gewesen, weil die Stadt Glashütte die Gewässersohle im Stadtbereich sanierte. Später führte die Prießnitz zu wenig Wasser. Nach den Schneefällen und dem einsetzenden Tauwetter habe man den Test an dem Ende 2013 fertiggestellten Bauwerk, das eine Million Kubikmeter Wasser zurückhalten kann, nachholen können. "Dazu haben wir 150.000 Kubikmeter Wasser angestaut", erklärt Amani.

Dieses Wasser wurde am Freitag in unterschiedlichen Mengen aus den Becken abgelassen, zunächst 500 Liter pro Sekunde, später 1.000 Liter pro Sekunde und zuletzt 1.500 Liter pro Sekunde. Dabei beobachteten die Experten der LTV, wie das Wasser in Richtung Müglitz vor allem an den Engstellen abfloss. Am Steuerungspegel, der sich auf der Höhe Uhrenmuseum befindet, wurde gemessen, wie viel Wasser die Prießnitz dort führte. Denn zwischen dem Damm und dem Pegel gibt es einige kleinere Zuflüsse.

Die Straße, die einst zum Bad führte, endete am Freitag im Wasser.
Die Straße, die einst zum Bad führte, endete am Freitag im Wasser. © Petra Meinhold
Die Reste des früheren Stadtbades sind im angestauten Wasser verschwunden. Nur das Halteschild weist noch auf dieses Bad hin.
Die Reste des früheren Stadtbades sind im angestauten Wasser verschwunden. Nur das Halteschild weist noch auf dieses Bad hin. © Petra Meinhold
Rund 150.000 Kubikmeter Wasser hat der Prießnitzdamm angestaut.
Rund 150.000 Kubikmeter Wasser hat der Prießnitzdamm angestaut. © SZ/Maik Brückner
Die Mitarbeiter der Landestalsperrenverwaltung nahmen unterhalb des Damms Messungen vor
Die Mitarbeiter der Landestalsperrenverwaltung nahmen unterhalb des Damms Messungen vor © SZ/Maik Brückner
So viel Wasser strömte aus dem Becken Richtung Glashütte.
So viel Wasser strömte aus dem Becken Richtung Glashütte. © LTV/Ehsan Amani
Ungewöhnlich breit war die Prießnitz hier kurz nach der Stadtgrenze.
Ungewöhnlich breit war die Prießnitz hier kurz nach der Stadtgrenze. © LTV/Ehsan Amani
Mitarbeiter der LTV liefen den Bach bis zur Stadt ab und sahen sich vor allem die Engstellen genauer an.
Mitarbeiter der LTV liefen den Bach bis zur Stadt ab und sahen sich vor allem die Engstellen genauer an. © Petra Meinhold

Durch Messungen am Damm und am Pegel konnten die Wasserwirtschaftler ermitteln, wie viel Wasser diese Bäche führen. Das sei wichtig, um die Realität mit den mathematischen Berechnungen abzugleichen und Schlüsse für den Ernstfall zu ziehen, erklärt Amani. Denn die Glashütter Anlage wird von Lauenstein aus gesteuert.

Eisbildung soll vermieden werden

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Der Probeeinstau, so wird diese Art Test genannt, endete am Freitag. Bis Montag sollte das Becken wieder abgelassen werden. "Wir wollen eine Eisbildung vermeiden", erklärt der Betriebsteilleiter. Schließlich sei der Prießnitzdamm ein Trockenbecken. Anders als bei den Talsperren in Malter oder Klingenberg wird hier das Wasser nur nach Schneeschmelzen oder Starkniederschlägen angestaut, um das Übertreten des Baches im Stadtgebiet von Glashütte zu verhindern. In der Vergangenheit führte das mehrmals zu verheerenden Überschwemmungen, zuletzt beim Augusthochwasser 2002.

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