merken
PLUS Dippoldiswalde

Rammen, abdrängen, gewinnen

Bei einem Crash Car Race geht es zur Sache. Mit dabei war beim jüngsten Rennen auch ein 31-jähriger Liebstädter.

Christian Bauch sitzt in seinem Trabant-Boliden. An die Originalausführung erinnert außer dem Ganghebel kaum noch etwas. Alles, was nicht benötigt wird, ist ausgebaut.
Christian Bauch sitzt in seinem Trabant-Boliden. An die Originalausführung erinnert außer dem Ganghebel kaum noch etwas. Alles, was nicht benötigt wird, ist ausgebaut. © Egbert Kamprath

Dass im erzgebirgischen Seiffen nicht nur gedrechselt wird, konnten am Wochenende die Besucher auf der Crossstrecke am Reicheltberg erleben. Der Verein Racing Team veranstaltete das mittlerweile 14. Crash Car Race. 70 Starter, vor allem aus Mitteldeutschland, hatten sich angesagt, um mit ihren Boliden in mehreren Wertungsläufen über die 700 Meter lange Strecke zu heizen.

Regeln gibt es nur wenige. Hauptsache ist, so schnell wie möglich ins Ziel zu kommen. Da gehört es dazu, die anderen Fahrer abzudrängen und von der Strecke zu katapultieren. Mit Stahlkäfigen und Verstärkungsplatten schützen sich die Fahrer vor den Zusammenstößen. So sahen die Rennen mit Crashs und Überschlägen zwar spektakulär aus, doch Verletzungen sind bei solchen Rennen trotzdem selten. Dafür wird die Technik bis aufs äußerste strapaziert. So gab es kaum ein Rennen, nach dem nicht die Gabelstapler ausrücken mussten, um die liegengebliebenen Autos aufzusammeln.

Anzeige
Intelligente Chips lenken die City
Intelligente Chips lenken die City

Ein in Dresden und Manchester entwickelter Chip ahmt das menschliche Gehirn nach – und macht neues Stadtleben möglich.

Erlaubt ist beim Crash Car Race fast alles, was einen selbst voranbringt - inklusive Rammen und Abdrängen der Konkurrenten.
Erlaubt ist beim Crash Car Race fast alles, was einen selbst voranbringt - inklusive Rammen und Abdrängen der Konkurrenten. © Egbert Kamprath

Im Fahrerlager wurde dann wieder gedengelt, geschweißt und geschraubt, um die Wagen für die nächste Runde flott zu bekommen. Durch die Regenfälle war die Strecke zwar extrem schlammig, doch das machte das Event vor allem für die Zuschauer besonders interessant. Rennen gab es in insgesamt sieben Klassen, von Heckantrieb über offen mit 1600 Kubik bis zur Trabantklasse.

Von den Trabis war allerdings nicht mehr viel vom Original zu erkennen außer Motor, Schaltung und Lenkrad. Die Kunststoffteile waren durch Schutzplatten und Stahlkäfig ersetzt worden. Auch Achse und Federung wurden an das schwere Gelände angepasst. Mit ihren Rennpappen mit dabei waren auch vier Fahrer aus dem Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge dabei. Sie nennen sich die Black Devils und haben sich schon seit vielen Jahren diesem Hobby verschrieben.

Christian Bauch aus Liebstadt ist einer von ihnen. Als Jugendlicher stand er bei den Stock-Car Rennen in Nentmansdorf an der Strecke und kam schließlich auf den Geschmack, selbst mitzufahren. Zu den besten Zeiten waren es bis zu 20 Leute, die zum Team gehörten. Leider gibt es die Veranstaltungen in Nentmannsdorf schon seit Langem nicht mehr. Für die Stock-Car Fahrer ist der Termin in Seiffen deshalb eine feste Größe im Kalender.

Hier fuhr Christian Bauch am Wochenende in seiner Klasse ganz vorn mit und holte sich den Sieg vor seinem Teamkollegen Kai Berndt aus Dohna. „Früher wurden wir mit unseren Trabants eher belächelt, heute ist es Kult, wenn wir auf die Strecke fahren“, erzählt Christian Bauch. „Als ich anfing, spielte vor allem der Preis eine Rolle. Trabants standen gefühlt in jeder zweiten Scheune und kosteten so gut wie nichts. Die haben wir dann umgebaut.“ Mittlerweile ist das anders. Ersatzteile werden knapper und haben ihren Preis. „Früher wurde eine gebrochene Achse einfach ausgetauscht, jetzt schweißen wir sie“, sagt der 31-Jährige dazu.

Doch die Zwickauer Technik ist robust und hält auch einiges aus. So haben die Autos unter dem Stahlrahmen schon einige Jahre auf dem Buckel und laufen immer noch. „Ich bin von Haus aus Schlosser, da sind die Reparaturen Routine. Wir haben bei den Rennen alles dabei, vom Austauschmotor bis zum Schweißgerät.“ Trotz der spektakulären Fahrten hält Christian Bauch den Sport für relativ sicher. „Wir sitzen im Schutz des Stahlkäfigs, sind im Gegensatz zum Motocross mit vier Rädern unterwegs, tragen Helm und Halskrause. Die Zusammenstöße sehen meist gefährlicher aus als sie wirklich sind. Es ist ja auch nicht Sinn und Zweck, den Gegner komplett von der Piste zu schießen, sondern ihn aufzuhalten, um Zeit zu gewinnen.“

Mittlerweile fahren die Trabants auch in anderen Klassen mit. Unter der Haube arbeiten auch nicht mehr nur die 26 Pferdestärken, wie sie ab Werk vorgesehen waren. Und was dem Motor trotzdem an Leistung fehlt, das wird durch das geringere Gewicht wettgemacht. Einen Termin haben Black Devils dieses Jahr noch im Kalender stehen. Im Oktober geht es auf der Strecke in Hartha bei Nossen zur Sache.

Mehr zum Thema Dippoldiswalde