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Tagesbruch in Dipps wird gesichert

Vor 450 Jahren haben unsere Vorfahren nach Kupfer und Silber gesucht. Ihre alten Stollen machen heute richtig Ärger.

Thomas Witzke von der Bergsicherung Freital steht auf Grubenholz, das aus dem eingebrochenen Schacht in Dipps stammt.
Thomas Witzke von der Bergsicherung Freital steht auf Grubenholz, das aus dem eingebrochenen Schacht in Dipps stammt. © Egbert Kamprath

Es war genau um diese Jahreszeit vor drei Jahren, als sich auf dem Acker oberhalb der Wäscherei Reichel in Dippoldiswalde die Erde öffnete. Spaziergänger entdeckten damals nach den Weihnachtsfeiertagen ein Loch, das sich im Laufe der Zeit immer mehr vergrößert hat. Damals hatte es rund fünf Meter im Durchmesser und war drei Meter tief. Das Oberbergamt in Freiberg wurde darüber informiert.

Bis in 14 Meter Tiefe haben die Mitarbeiter der Bergsicherung den verbrochenen Schacht schon freigelegt. Ihr Ziel ist aber, 38 Meter Tiefe zu erreichen.
Bis in 14 Meter Tiefe haben die Mitarbeiter der Bergsicherung den verbrochenen Schacht schon freigelegt. Ihr Ziel ist aber, 38 Meter Tiefe zu erreichen. © Egbert Kamprath
Dieses Bild zeigte sich nach den Weihnachtsfeiertagen 2017, als der Tagesbruch auf dem Acker oberhalb von Dippoldiswalde neu aufgetreten ist.
Dieses Bild zeigte sich nach den Weihnachtsfeiertagen 2017, als der Tagesbruch auf dem Acker oberhalb von Dippoldiswalde neu aufgetreten ist. © Egbert Kamprath

Die Behörde ist dafür zuständig, solche Tagesbrüche zu sichern, sodass davon möglichst keine Gefahr mehr ausgeht. Daher kümmert sie sich auch um die Sicherung dieser Öffnung. Die Arbeiten laufen jetzt auf dem Acker bei Dipps. Das Oberbergamt hat die Sanierungsarbeiten ausgeschrieben, und die Bergsicherung Freital GmbH hat darauf den Zuschlag bekommen. Die Arbeiten haben im September begonnen und werden voraussichtlich ein Jahr lang dauern, informierte Bernhard Cramer, der Chef des Oberbergamts.

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Die unterirdischen Hohlräume, die mit dem Tagesbruch zusammenhängen, werden erkundet, beräumt und dokumentiert. Das ist für die historische Forschung wichtig, damit künftige Wissenschaftler Unterlagen haben, wo überall in Dippoldiswalde und Umgebung Bergbau war. Es ist aber auch eine wichtige Information für künftige Planungen, damit beispielsweise Bauherren und Architekten wissen, wie der Untergrund für ein mögliches Bauvorhaben beschaffen ist.

Das ganze Ausmaß der Schächte kennt niemand

Wenn diese Arbeiten abgeschlossen und alle Informationen über die Stollen und Schächte zusammengetragen sind, werden die Hohlräume verwahrt. In der Regel wird dafür ein Betonriegel eingebaut, der verhindert, dass später wieder einmal etwas nachrutscht und die Erdoberfläche einbricht. Es geht ja nicht immer so glimpflich ab wie Weihnachten 2017. Wenn beispielsweise ein Traktor über eine solche Stelle fährt und einbricht, ist der Schaden ungleich größer bis hin zur Gefahr für Leib und Leben.

Momentan ist den Bergleuten das Ausmaß der Hohlräume noch nicht bekannt. Aber über seine Geschichte gibt es Informationen. Es ist kein Schacht aus dem mittelalterlichen Bergbau, der in der Innenstadt von Dippoldiswalde betrieben wurde. Der Tagesbruch geht auf einen alten Schacht der Grube „Heilige Drei Könige“ zurück, die um das Jahr 1558 zum ersten Mal verliehen wurde. Die Grube diente der Gewinnung von Silber- und Kupfererzen. „Ein Zusammenhang mit dem mittelalterlichen Bergbau in Dippoldiswalde ist jedoch nicht auszuschließen“, sagt Cramer weiter.

Große Teile von Dipps stehen auf Altbergbaugebiet

Für den Fall, dass sich historisch bedeutende Funde ergeben, werden die Bauarbeiten archäologisch begleitet. So spannend wie die 800 Jahre alten Stollen im Standzentrum ist die Drei-König-Grube aber nicht. Dafür ist das, was bisher bekannt ist, zu jung. Sollten sich aber besondere Funde zeigen, sind detaillierte archäologische Untersuchungen vorgesehen.

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Die Unterlagen des Oberbergamts zeigen, dass große Teile von Dippoldiswalde und auch seinen Ortsteilen, vor allem Schmiedeberg, Sadisdorf, Schönfeld, aber auch Gebiete in Reichstädt, im Untergrund Hohlräume aus dem Altbergbau haben. Deswegen sind Tagesbrüche nichts Ungewöhnliches. Sie treten alle paar Jahre auf. Gehäuft waren sie nach dem Augusthochwasser 2002 zu verzeichnen, weil die Wassermassen damals auch den Untergrund in Bewegung versetzt haben.

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