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Diese Familie prägt Glashütte

Ein Denkmal erinnert seit Freitag an den "Uhrvater" der jüngeren Geschichte. Zum Festakt spricht auch Kurt Biedenkopf: "Ich habe ein sehr gutes Gefühl für die Stadt."

In Glashütte wurden am Freitag der neu gestaltete Kirchenvorplatz und das neue Walter-Lange-Denkmal eingeweiht. Mit dabei waren Wilhelm Schmid, Geschäftsführer der Lange Uhren GmbH, Walter Langes Sohn Benjamin und Bürgermeister Markus Dreßler (v.li.)
In Glashütte wurden am Freitag der neu gestaltete Kirchenvorplatz und das neue Walter-Lange-Denkmal eingeweiht. Mit dabei waren Wilhelm Schmid, Geschäftsführer der Lange Uhren GmbH, Walter Langes Sohn Benjamin und Bürgermeister Markus Dreßler (v.li.) © Egbert Kamprath

Er gilt als der Wiederbegründer der Glashütter Feinuhrmacherei nach der friedlichen Revolution: Walter Lange. Seit Freitag würdigt ihn ein mannshohes Denkmal in seiner Heimatstadt. Dieses steht an prominenter Stelle direkt vor der Sankt-Wolfgang-Kirche, in der er getauft wurde. Visavis dazu steht das Denkmal seines Urgroßvaters, Ferdinand Adolph Lange, der vor 175 Jahren die Uhrenindustrie in der Stadt begründet hat.

Die vom Hamburger Künstler Thomas Jastram geschaffene lebensgroße Bronzefigur wurde mit einem Festakt eingeweiht, an dem coronabedingt rund 30 geladene Gäste, darunter Alt-Ministerpräsident Kurt Biedenkopf und Vertreter von Uhrenfirmen, teilnehmen konnten. Gut 20 Interessierte verfolgten das Geschehen vom Marktplatz aus mit.  

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Alt-Ministerpräsident Kurt Biedenkopf ging auf die erste Uhrenmanufaktur in Glashütte ein, die 1845 von Walter Langes Urgroßvater Ferdinand Adolph Lange gegründet wurde.
Alt-Ministerpräsident Kurt Biedenkopf ging auf die erste Uhrenmanufaktur in Glashütte ein, die 1845 von Walter Langes Urgroßvater Ferdinand Adolph Lange gegründet wurde. © Egbert Kamprath

Bürgermeister Markus Dreßler (CDU) erinnerte an die Verdienste des Unternehmers, der Anfang 2017 im Alter von 92 Jahren gestorben war. 1990 stand die Uhrenindustrie vor dem Aus. In dieser schwierigen Umbruchszeit gründete Walter Lange mit 66 Jahren - in einem Alter, in dem sich andere zur Ruhe setzen - zusammen mit dem weitsichtigen Manager Günter Blümlein die Lange Uhren GmbH. "Das war die Initialzündung für eine Renaissance unserer Glashütter Uhrenindustrie", so Dreßler. Nach den ersten Erfolgen siedelten sich weitere Firmen an. Glashütte wurde wieder zum Zentrum der deutschen Uhrenindustrie. Die neun heute hier tätigen Firmen beschäftigen 1.700 Mitarbeiter.

"Ohne den Mut, ohne die Entschlossenheit von Walter Lange wäre der Wiederaufstieg der Stadt Glashütte in dieser Form nicht denkbar geworden." Mit der Wiedergründung der Firma Lange gab er der Stadt Zuversicht und eine Zukunftsperspektive. Daran wolle man mit diesem Denkmal erinnern. Dieses steht auf dem neu gestalteten Kirchenvorplatz, der aus Sicht von Dreßler "einen interessanten Charakter hat" und dem Denkmal einen würdigen Rahmen gibt. Dafür wurden 400.000 Euro investiert, finanziert vom Freistaat Sachsen, der Stadt Glashütte, der Lange Uhren GmbH und der Kirchgemeinde Glashütte. "Ich bin sicher, dass Walter Lange der Platz gefallen hätte. Auch wenn er bescheiden war, freute er sich doch, wenn seine Verdienste gewürdigt wurden."

Bürgermeister Markus Dreßler und der frühere Geschäftsführer der Lange Uhren GmbH, Hartmut Knothe, enthüllten das Walter-Lange-Denkmal.
Bürgermeister Markus Dreßler und der frühere Geschäftsführer der Lange Uhren GmbH, Hartmut Knothe, enthüllten das Walter-Lange-Denkmal. © Egbert Kamprath

Der Geschäftsführer der Lange Uhren GmbH, Wilhelm Schmid, lobte Bildhauer Jastram. Ihm sei es gut gelungen, den Moment der Begegnung mit Walter Lange einzufangen. Denn wer die Gelegenheit dazu hatte, Walter Lange zu treffen, werde das nicht vergessen. So gehe es auch ihm. "Er war offen, herzlich und humorvoll." Lange bot ihm an, ihm jederzeit zu helfen. "Davon habe ich gern Gebrauch gemacht. Noch heute bin ich dankbar, dass er sein Wissen, seine Erfahrung und seine Einschätzungen mit mir teilte." Gut könne er sich an ein Gespräch erinnern, in dem Walter Lange ihm erklärte, warum er sich 1990 nicht zur Ruhe setzte. Sein Engagement basierte auf einem Kindheitserlebnis. 

Walter Lange erlebte als Kind die Weltwirtschaftskrise 1929 mit. "Er sah die vielen Arbeitslosen gegenüber am Bahnhof." Bei Lange wollte man es vermeiden, Uhrmacher  zu kündigen. Deshalb stellte man diese für ein paar Stunden ein. "Wir gehen selbst durch eine Krise, deren Ende nicht absehbar ist", so Schmid. Deshalb könne man das gut nachvollziehen. Für Walter Lange habe festgestanden: "So etwas darf sich nicht wiederholen. Deshalb setzte er sich ein, Arbeit nach Glashütte zu bringen." Getrieben worden sei Lange von der Einsicht, dass man sich nicht mit dem einmal Erreichten zufrieden geben dürfe. "Es gibt etwas, das dürfte man nicht nur von seiner Uhr erwarten, sondern von sich selbst: Niemals stehen zu bleiben." Lange war erfolgreich. Trotzdem begegnete er anderen auf Augenhöhe. In Anspielung auf das Denkmal sagte Schmid: "Er wäre uns dankbar, dass wir ihn nicht auf einen Sockel gestellt haben."

Benjamin Lange erinnerte an seinen Vater. "Die zähe Energie von Walter kannte keine Grenzen. Die Ehrenbürgerschaft von Glashütte war die Auszeichnung seines Lebens."
Benjamin Lange erinnerte an seinen Vater. "Die zähe Energie von Walter kannte keine Grenzen. Die Ehrenbürgerschaft von Glashütte war die Auszeichnung seines Lebens." © Egbert Kamprath

Auch Walter Langes Sohn Benjamin, der mit seiner Frau aus München angereist war, erinnerte an seinen Vater. Er habe den Ehrgeiz gehabt, die besten Uhren der Welt zu bauen. Trotz vieler privater Rückschläge, ließ er sich nie von seiner Vision abbringen. Ihm ging es nie um Reichtum, sondern um die Sicherung von Arbeitsplätzen und um das Wohl der Stadt Glashütte. "Die zähe Energie von Walter kannte keine Grenzen." Obwohl er über viele Jahre in Pforzheim lebte, schlug sein Herz immer für Glashütte. Er wurde oft ausgezeichnet. "Die Ehrenbürgerschaft von Glashütte war die Auszeichnung seines Lebens." Diese hatte zuhause einen besonderen Platz. Benjamin Lange lobte die Ausführung des Künstlers und den Ort des Denkmals. Das hätte seinem Vater gut gefallen. "Wir alle haben unsere Walter-Lange-Momente, eindrückliche, schöne und sehr, sehr viele humorvolle. Dank dieses Denkmals werden diese Momente lebendig bleiben."

Ein Foto aus den Anfangsjahren des Unternehmens: Hartmut Knothe, Walter Lange und Günter Blümlein (von links) 
Ein Foto aus den Anfangsjahren des Unternehmens: Hartmut Knothe, Walter Lange und Günter Blümlein (von links)  © Lange Uhren GmbH
1994 wurden die neuen Lange-Uhren im Dresdener Schloss vorgestellt. Zu den Gästen gehörte auch der damalige Ministerpräsident Kurt Biedenkopf.
1994 wurden die neuen Lange-Uhren im Dresdener Schloss vorgestellt. Zu den Gästen gehörte auch der damalige Ministerpräsident Kurt Biedenkopf. © Lange Uhren GmbH
Der frühere sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) überreichte 2015 Walter Lange das Bundesverdienstkreuz.
Der frühere sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) überreichte 2015 Walter Lange das Bundesverdienstkreuz. © Lange Uhren GmbH
Walter Lange blieb seiner Heimatstadt bis zu seinem Tod 2017 eng verbunden.
Walter Lange blieb seiner Heimatstadt bis zu seinem Tod 2017 eng verbunden. © Lange Uhren GmbH
Bundeskanzlerin Angela Merkel und Walter Lange bei der Eröffnung der neuen Manufaktur 2015.
Bundeskanzlerin Angela Merkel und Walter Lange bei der Eröffnung der neuen Manufaktur 2015. © Lange Uhren GmbH
Bundeskanzlerin Angela Merkel, Walter Lange und Lange-Geschäftsführer Wilhelm Schmid bei der Eröffnung der neuen Manufaktur.
Bundeskanzlerin Angela Merkel, Walter Lange und Lange-Geschäftsführer Wilhelm Schmid bei der Eröffnung der neuen Manufaktur. © Lange Uhren GmbH
Walter Lange hatte sich zeitlebens für die Nachwuchsförderung eingesetzt. Hier mit Nachwuchstalent Tanguy Huret und Geschäftsführer Wilhelm Schmid.
Walter Lange hatte sich zeitlebens für die Nachwuchsförderung eingesetzt. Hier mit Nachwuchstalent Tanguy Huret und Geschäftsführer Wilhelm Schmid. © Lange Uhren GmbH

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