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Wasserschaden in Höckendorfer Hotel

Erst die Corona-Pandemie und dann kommt auch noch besonderes Pech dazu. Wie Olaf Schwalbe sein Hotel "Erbgericht" da herausführt.

Olaf Schwalbe räumt in seinem Hotel "Erbgericht" in Höckendorf die Folgen des Wasserschadens auf. Viel lieber würde er hier Gäste bewirten.
Olaf Schwalbe räumt in seinem Hotel "Erbgericht" in Höckendorf die Folgen des Wasserschadens auf. Viel lieber würde er hier Gäste bewirten. © Karl-Ludwig Oberthür

Das hat Olaf Schwalbe, dem Chef des Hotels "Erbgericht" im Klingenberger Ortsteil Höckendorf, gerade noch gefehlt. Vor dem Saal stehen seit Dienstag zwei Baucontainer. „Wir sind im neunten Lockdown-Monat. Uns fehlen Einnahmen hinten und vorne. Da habe ich doch keine Baupläne“, sagt er. Aber er hat ein anderes Problem, einen Wasserschaden im Haus von geschätzt über 200.000 Euro.

Waschbären, Kälte und Corona spielten zusammen

Als es im Februar so kalt war, sind zwei Wasserleitungen unterm Dach eingefroren und geplatzt. Die Ursachen dafür sind mehrschichtig. Eigentlich ist das Dach gut isoliert. Aber dort leben auch Marder und Waschbären. „Die bekommen sie aus so einem alten Haus nicht raus“, sagt der Eigentümer. Nur haben die Tiere an einer Stelle die Dämmung herausgekratzt. Als im Februar die Temperaturen weit unter null sanken und ein scharfer Wind pfiff, ist deshalb die Wasserleitung eingefroren. Die coronabedingte Schließung hat auch noch das ihre dazu beigetragen. Um Kosten zu sparen, hatte Schwalbe in dieser Zeit die Heizung etwas zurückgefahren. Und er ist auch jeden Tag durchs ganze Haus gegangen, um nach dem Rechten zu sehen, aber den Schaden an der Dämmung konnte er hinter einer Trockenbauwand nicht erkennen.

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Wasser hat sich über drei Etagen ausgebreitet

Nachdem das Rohr geplatzt war, hat sich das Wasser vom Dach über drei Etagen in dem Gebäude, an dem der Saal angebaut ist, nach unten ausgebreitet. Es stand in Hotelzimmern und Appartements, in Personalräumen bis zu zwölf Zentimeter hoch. „Ich wollte davonlaufen, als ich das gesehen habe. Aber ich wusste nicht, wohin“, beschreibt Schwalbe seinen Gemütszustand.

Doch er hat auch schnelle Hilfe bekommen. „Elektriker und Klempner aus dem Ort haben mir sofort geholfen, den Strom abgeklemmt, in der Nacht die Leitung repariert, damit nichts weiter passiert. Dafür bin ich so dankbar“, sagt Schwalbe.

Notlager in der Turnhalle Borlas

Er wollte eigentlich das Mobiliar trocknen, aber die Versicherung sah das anders. Er musste die Möbel alle aus dem Zimmer räumen, aber wohin? Er horchte herum. Aber die Scheunen von Bekannten auch in seinem Heimatort Dorfhain sind durchweg gefüllt. Peter Baling von der Agrargesellschaft Ruppendorf bot ihm eine Unterstellmöglichkeit, aber dort nehmen die Möbel möglicherweise Gerüche an. Das wollte Schwalbe nicht riskieren.

Trockenbauer Torsten Malek von der Firma Innenausbau und Montageservice entfernt die abgehängten Decken, über denen das Wasser in die Dämmung gelaufen ist.
Trockenbauer Torsten Malek von der Firma Innenausbau und Montageservice entfernt die abgehängten Decken, über denen das Wasser in die Dämmung gelaufen ist. © Karl-Ludwig Oberthür
Von hier nahm der Schaden seinen Ausgang. Marder und Waschbär hatten die Dämmung zerstört. So ist eine Wasserleitung eingefroren und geplatzt.
Von hier nahm der Schaden seinen Ausgang. Marder und Waschbär hatten die Dämmung zerstört. So ist eine Wasserleitung eingefroren und geplatzt. © Karl-Ludwig Oberthür

Die Gemeinde bot schließlich einen Ausweg. Eine erste Überlegung war, das Inventar im Bauhof zu lagern. Aber dort wäre es schwierig zu sichern gewesen. „Was, wenn dort Fernseher oder Telefone geklaut werden?“, fragt Schwalbe. So kam die Idee auf, eine Turnhalle als Lager zu nutzen. Dort darf derzeit ohnehin niemand Sport treiben. Das Problem dabei ist, dass eventuell der Sportbetrieb wieder startet, ehe die Möbel wieder raus sind. „Wir haben daher geschaut, in welcher Halle am wenigsten Spielbetrieb ist, und sind auf die Halle in Borlas gekommen“, sagt Bürgermeister Torsten Schreckenbach (Bürger für Klingenberg).

Eine Möbelspedition hat dort Vlies auf dem Boden ausgelegt und die Hoteleinrichtung eingelagert. Schließlich wurden aus Sicherheitsgründen die Schlösser getauscht, und im Hotel haben jetzt die Handwerker Baufreiheit. Dort laufen seitdem die Trockengeräte.

In Borlas wird diese Nutzung der Turnhalle aber auch skeptisch gesehen. Auf der Sitzung des Gemeinderats Klingenberg am Dienstag kam das in der Bürgerfragestunde zur Sprache. Wie lange lagern die Möbel dort? Können wir dann wieder in die Halle, wenn das erlaubt wird? Wohin soll die Tagesmutti gehen, die mit ihren Kindern die Halle nutzt?

Gemeinde unterstützt einheimischen Betrieb

Die Sitzung fand im Erbgerichtssaal statt, direkt neben dem Gebäude mit dem Wasserschaden. Olaf Schwalbe war dort anwesend und erklärte seine Situation. Er dankte der Gemeinde für die Hilfe und stellte in Aussicht, dass im April die Turnhalle wieder geräumt wird. Bis 10. April müsste es nach den jetzigen Planungen soweit sein.

Für Bürgermeister Torsten Schreckenbach ist es keine Frage, dass die Gemeinde einem einheimischen Betrieb in einer Notsituation hilft. Er erinnerte daran, dass die Gemeinde auch viel Unterstützung vom Hotel „Erbgericht“ bekommt. „Wir tagen jetzt hier im Erbgerichtssaal“, sagte er. „Der Seminarraum des Hotels steht uns für Sitzungen zur Verfügung.“ Alle Beteiligten hoffen nun, dass bis April die nötigen Entscheidungen fallen und die Halle wieder beräumt werden kann.

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Olaf Schwalbe hat inzwischen die wesentlichen Fragen mit seiner Versicherung geklärt. Jetzt sind die Handwerker dabei, das Hotel wieder in Ordnung zu bringen. Fußbodenleger, Elektriker, Trockenbauer sind seit dieser Woche am Arbeiten. Ziel ist, dass am 1. Mai das komplette Haus wieder in Betrieb gehen kann, sowohl, weil der Wasserschaden repariert ist, als auch, weil dann kein Lockdown mehr herrscht.

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