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Was für ein seltener Apfel

Die Besitzer von Obstgärten standen Schlange, als Fachleute in Ulberndorf die Bestimmung von Äpfeln anboten. Selbst im Osterzgebirge wachsen Raritäten.

Klaus Schwartz (re.) hält einen Gelben Richard in der Hand, eine wohlschmeckende, aber seltene alte Apfelsorte. Zusammen mit Ralf Frenzel hat er in Ulberndorf Sorten bestimmt.
Klaus Schwartz (re.) hält einen Gelben Richard in der Hand, eine wohlschmeckende, aber seltene alte Apfelsorte. Zusammen mit Ralf Frenzel hat er in Ulberndorf Sorten bestimmt. © Karl-Ludwig Oberthür

Manchmal geht es ganz schnell, einen Apfel zu bestimmen. Klaus Schwartz nimmt die Frucht in die Hand, guckt sich die Form, den Blütenstand, den Stiel an und sagt: „Das ist ein James Grieve.“ Das ist ein gängiger Apfel, der noch in vielen Obstgärten im Osterzgebirge wächst. Dann wieder bekommt der Apfelfachmann ausgesprochene Raritäten in die Hand.

In Seifersdorf wächst ein besonders seltener Apfel

Karin Mühle aus dem Dippoldiswalder Ortsteil Seifersdorf hat einen solchen Schatz. Sie ist mit etlichen Äpfeln aus ihrem Garten gekommen. „Wir haben ein Bauerngut in der Familie übernommen, da stehen noch Obstbäume. Jetzt will ich einmal genau wissen, was da wächst.“ Darunter sind gängige Sorten, aber auch ein seltener Schatz: ein großer gelber Apfel. Schwartz nimmt ihn in die Hand, betrachtet ihn vor allen Seiten, bis er sich sicher ist. „Das ist ein Gelber Richard. Der kommt nur noch selten vor, ist aber sehr wohlschmeckend. Können Sie den entbehren?“

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Hier haben die Apfelfachleute in Ulberndorf eine Ausstellung mit verschiedensten Apfelsorten und Informationen zu den Früchten aufgebaut.
Hier haben die Apfelfachleute in Ulberndorf eine Ausstellung mit verschiedensten Apfelsorten und Informationen zu den Früchten aufgebaut. © Karl-Ludwig Oberthür

Schwartz, der aus Löbau stammt, bestimmt nicht nur Äpfel er bietet auch Anschauungsmaterial. Auch in Dipps beim Streuobstwiesenfest am Sonntag hatte er eine kleine Ausstellung aufgebaut, wo er auf Tellern die verschiedenen Apfelsorten zeigt mit kleinen Erklärungen dazu. Die nächste derartige Ausstellung plant er in Bad Muskau, und dafür sammelt er wieder Schaustücke. Der Gelbe Richard aus Seifersdorf wird dort also zu Ehren kommen.

Wissen der Großeltern auf den heutigen Stand gebracht

Die Nachfrage bei den Apfelbestimmern ist groß. Zeitweise stehen mehr als ein Dutzend Apfelbaumbesitzer in der Schlange. Manchmal ist noch etwas Wissen um die alten Sorten vorhanden, so wie bei Karin Mühle. „So ungefähr erinnerte ich mich, dass die Großeltern vom Gelben Richard erzählt haben. Jetzt weiß ich es wieder sicher. Das ist ein großer uralter Baum. Die Äpfel schmecken schön saftig.“

Pensionierter Gartenbauingenieur und Hobbyapfelkundler

Auch Anselm Voigt ist begeistert, als er den Gelben Richard sieht. Der Glashütter ist gelernter Baumschulgärtner und interessiert sich für die alten Sorten. „In Dittersdorf habe ich letztes Jahr mehrere Bäume Gelber Richard veredelt“, erzählt er. Dort steht noch ein solcher Baum und alle Nachbarn wussten, wie gut diese Äpfel sind. Jetzt haben sie selbst welche. Voigt sieht bei der Apfelbestimmung zu.

Klaus Schwartz und Ralf Frenzel bieten diesen Service regelmäßig beim Fest des Landschaftspflegeverbands im Lindenhof in Dippoldiswalde-Ulberndorf an. Schwartz ist Gartenbauingenieur und hat früher eine Baumschule in Löbau geführt, die er an seine Kinder übergeben hat. Er ist jetzt als Pomologe, als Apfelfachmann, unterwegs. Ralf Frenzel, der mit ihm den Termin in Dippoldiswalde anbietet, betreibt die Apfelkunde als Hobby. Seine Eltern hatten einen Obstgarten. Das hat bei dem Chemiker das Interesse geweckt.

In kniffligen Fällen hilft die Kernsammlung

Schwartz hat an seinem Haus Bäume mit rund 600 verschiedenen Sorten. Da kann er sich immer wieder mit den Eigenheiten von jeder Einzelnen vertraut machen. Aber es gibt weltweit um die 2.000 verschiedene Apfelsorten. Es kommt auch bei dem Bestimmungstermin in Ulberndorf vor, dass er eine Frucht nicht einordnen kann.

Er geht systematisch vor. In fast allen Fällen genügt der Augenschein. Wenn das nicht ausreicht oder die Fachleute noch Zweifel haben, schneidet Schwartz die Frucht durch und guckt sich das Innere an. Form und Größe des Kerngehäuses sind ein wichtiges Merkmal und die Kerne selbst. Manchmal kostet er auch. Viele Sorten haben einen typischen Geschmack. Für knifflige Fälle hat Schwarz eine Sammlung mit Kernen dabei, die er dann zum Vergleich heranzieht. Es kommt auch vor, dass er aufsteht, in seine Ausstellung geht und eine Frucht mit den Exemplaren dort vergleicht.

Tipps für den Umgang mit den Äpfeln

Mit seinem Fachwissen hilft er beispielsweise Gunnar Bliefert, dessen Familie in Paulsdorf ein Stück Land bekommen hat mit alten Bäumen, die vom Schwiegervater gepflanzt wurden. Jetzt weiß er, dass er dort einen Baum Gascoynes Scharlachroter hat. Das ist eine englische Züchtung, die in Deutschland auch Friedrich August von Sachsen genannt wird. Die Äpfel sind sehr schmackhaft, aber auch sehr empfindlich und halten sich nicht lange.

Solche Informationen sind ebenso wichtig, wie die richtigen Namen. Manche Äpfel müssen schnell verarbeitet werden, andere halten sich bis ins Frühjahr. Manche müssen sogar erst einige Wochen lagern, ehe sie ihr Aroma entfalten. Damit helfen die Apfelfachleute den Laien, die alten Sorten richtig zu behandeln und damit ihren Wert zu erkennen.

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