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Wenn die Weißeritz zum Wildwasser wird

Am Sonntag haben Wassersportler an die Kanu-WM vor 60 Jahren im Rabenauer Grund erinnert. Kanus auf der Roten Weißeritz sind eine große Seltenheit.

Mit einer Extra-Wassergabe aus der Talsperre Malter ist die Rote Weißeritz am Sonntag zum Sportgewässer geworden.
Mit einer Extra-Wassergabe aus der Talsperre Malter ist die Rote Weißeritz am Sonntag zum Sportgewässer geworden. © Karl-Ludwig Oberthür

Kanus auf der Roten Weißeritz – wann hat es das zum letzten Mal gegeben? „Das ist mindestens 20, 25 Jahre her“, sagt Ralf Gläser vom Wassersportverein Wiking Schweifsterne Dresden. Aber am Sonntagnachmittag standen die Sterne dafür günstig. Es gab mehrere Anlässe für eine Wassersportveranstaltung auf der Weißeritz.

Drei Anlässe für die Paddelfreunde

  • Erstens ist es dieses Jahr 60 Jahre her, dass die Kanu-Weltmeisterschaften auf dem Fluss ausgetragen wurden.
  • Zweitens feiert die Stadt Freital ihr hundertjähriges Bestehen und erinnert dabei auch an die Höhepunkte in ihrer Stadtgeschichte, wozu die WM natürlich gehört.
  • Drittens wollte die Landestalsperrenverwaltung sauerstoffarmes Wasser, das sich unten in der Talsperre Malter angesammelt hat, austauschen gegen frisches.
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DDR- und Weltmeister waren da

Nun hätte Staumeister Michael Kloppisch den Grundablass auch an einem beliebigen anderen Tag öffnen können. Er hat die Schieber aber am Sonntagnachmittag geöffnet, sodass die Rote Weißeritz gerade passend zu diesem Ereignis zu einem Wildwasserfluss wurde.

Am Sonntag um 14 Uhr trafen sich erst alle, Teilnehmer wie Zuschauer, am Bahnhof in Rabenau zum offiziellen Auftakt. Der Fluss plätscherte noch wie gewohnt in Richtung Elbe. Interessierte Nachbarn hatten sich eingefunden, die das Ereignis auf der Weißeritz als Zuschauer erleben wollten. So hatte sich Silvia und Jochen Kitzmann sowie Sonja Noack und Klaus Schneider einen Platz direkt am Geländer gesichert. „Wir sind Freitaler, wir wissen, dass wir einmal eine solche WM in der Stadt hatten“, sagte Silvia Kitzmann.

Aber auch Sportler sind gekommen. Frank Kukuczka aus Paulsdorf, selbst einmal aktiver Kanufahrer und zusammen mit Ralf Gläser mehrfacher DDR-Meister, war natürlich dabei, auch wenn er selbst nicht mehr aufs Wasser ging.

Ralf Gläser hielt eine kurze Rede, erinnerte an die WM 1961 und daran, dass bis in die 1980er-Jahre die Weißeritz immer wieder Rennstrecke für Bezirksmeisterschaften oder Spartakiaden war.

Tour an die Original-Slalomstrecke

Schließlich löste sich die Menschenansammlung auf. Viele suchten sich schöne Stellen am Fluss, um die Boote gut zu sehen, wenn sie angefahren kommen. Eine Gruppe unter Führung von Günter Müller machte sich auf den Weg zu einer Fußtour mit Ursula und Eberhard Gläser durch den Rabenauer Grund. Denn dort etwas unterhalb der Rabenauer Mühle war seinerzeit bei der Weltmeisterschaft die Slalomstrecke.

Die Wassersportler selbst setzten sich in die Autos und fuhren nach Seifersdorf. Gegen 15 Uhr stieg dann der Wasserspiegel in der Roten Weißeritz. Der Staumeister hat die Wasserabgabe schrittweise erhöht von 0,1 Kubikmeter pro Sekunde erst auf vier Kubikmeter und schließlich auf acht. Da schoss der Fluss flott zu Tale. In Seifersdorf war er in der Mitte hundert Zentimeter tief – ob das die Freitaler zu ihrem Jubiläum so bestellt hatten?

Erst die Jungen, dann die Routiniers

Die Paddler machten auf einer Wiese oberhalb der Brücke ihre Ausrüstung startklar und stiegen dann in sechs Gruppen ins Wasser. „Erst die Jüngsten mit der wenigsten Erfahrung und dann die Routinierteren“, erklärte Sybille Spindler. Die 72-Jährige aus Dresden war wohl die Älteste, die mit an den Start ging. Aber an Routine fehlt es der Wassersportlerin nicht. 1973 hatte sie in Muothatal in der Schweiz im Kajak-Einer die Weltmeisterschaft gewonnen und sie blickt auf eine Olympiateilnahme 1972 in München und eine Reihe von nationalen Erfolgen zurück.

Sicherheit stand bei der Gruppenzusammensetzung auch ganz vorne. „In jeder sind zwei Übungsleiter dabei, und die haben alle auch eine Ausbildung als Rettungsschwimmer“, sagt Spindler. Die Boote sind unsinkbar und mit Rettungsbällen ausgerüstet, die man auch einem anderen zuwerfen kann.

Die Strecke genießen von Seifersdorf bis Freital

1961 sind die Sportler in einer halben Stunde von Seifersdorf bis Freital gefahren. „Das wollen wir nicht. Wir wollen uns Zeit lassen, die Strecke genießen, mal eine Kehrtwende fahren, Wellen auskosten“, sagte Ralf Gläser, während er seine Neoprenkleidung anzog. Nach einer Stunde kamen die ersten Boote in Freital an, nach ihrer Tour durch die Windungen der Weißeritz, vorbei an hunderten Schaulustigen.

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Am späten Nachmittag drehte der Staumeister an der Talsperre Malter die Schieber wieder zurück. Die Talsperre hatte rund 90.000 Kubikmeter Wasser abgegeben, zwei Prozent des aktuellen Inhalts des Staubeckens. Die vielen Badegäste, die am Sonntag an der Talsperre waren, haben davon gar nichts bemerkt.

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