merken
PLUS Dippoldiswalde

Wer ist hier durchs Naturschutzgebiet gewalzt?

Um die seltenen Pflanzen zu erhalten, muss das Schwarzbachtal bei Dippoldiswalde regelmäßig gemäht werden. Das ging dieses Jahr schief.

So tiefe Spuren hinterließ der Ladewagen beim Abtransport des Grünschnitts vergangene Woche aus dem Naturschutzgebiet Schwarzbachtal in Dippoldiswalde.
So tiefe Spuren hinterließ der Ladewagen beim Abtransport des Grünschnitts vergangene Woche aus dem Naturschutzgebiet Schwarzbachtal in Dippoldiswalde. © Leserfoto: Reiner Kunze

SZ-Leser Reiner Kunze aus dem Dippoldiswalder Ortsteil Ulberndorf kennt das Naturschutzgebiet Schwarzbachtal sehr gut, liegt es doch fast vor seiner Haustür. Doch als er am vergangenen Sonntag dort spazieren ging, ist er erschrocken.

Wer hat solchen Naturfrevel beauftragt?

„Wahrscheinlich in der vergangenen Woche wurden im Schwarzbachtal westlich von Ulberndorf Mäharbeiten mit Traktoren durchgeführt. Dabei ist auf großen Flächen die Grasnarbe völlig zerstört worden. 40 Zentimeter breite und 20 Zentimeter tiefe Reifenspuren sind noch nach Tagen deutlich zu erkennen. Es erhebt sich die Frage: Wer hat solchen Naturfrevel beauftragt?“ schreibt er.

Anzeige
Das SHK-Handwerk ist seine Passion
Das SHK-Handwerk ist seine Passion

Lukas Kurz ist vor allem von der modernen Technik und den handwerklichen Herausforderungen in seinem Beruf fasziniert.

Sächsische.de erkundigte sich bei der Stadtverwaltung Dippoldiswalde und bei der Naturschutzbehörde im Landratsamt Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Die dortigen Mitarbeiter leiteten die Anfrage direkt an den Landschaftspflegeverband Sächsische Schweiz-Osterzgebirge weiter.

Landschaftspflegeverband kümmert sich um das Gebiet

"Wir sind Besitzer des Naturschutzgebiets und auch für die Pflege verantwortlich“, sagt Heidrun Gärtner. Die Forstingenieurin ist Mitarbeiterin des Landschaftspflegeverbands. Und sie versichert sogleich, dass sie und ihre Kollegen auch die Zustände dort kennen und dem Verband das so gar nicht recht ist. „Wir haben uns furchtbar geärgert“, sagt sie und erklärte, wie es dazu kam.

Im Schwarzbachtal stehen rund 14 Hektar Wald und Feuchtwiesen seit 1977 unter Naturschutz. Damit sie ihren speziellen Charakter behalten, müssen die Wiesen regelmäßig gemäht werden. Sonst würden sie zuwachsen und zu Wald werden.

Der Landschaftspflegeverband hat die Auflage, sich darum zu kümmern, dass die Pflanzen dort regelmäßig gehauen werden. Damit hat er seine Tochterfirma, die Osterzgebirgische Landschaftspflege GmbH beauftragt. Eigentlich hat die dafür geeignete Spezialtechnik. Das Problem war auch nicht das Mähen, sondern der Abtransport des Grünschnitts, berichtet Gärtner. Dafür waren dieses Jahr die Voraussetzungen schlecht.

Abtransport ist nur in einer kurzen Zeit möglich

„Das Schwarzbachtal ist nur über die landwirtschaftlichen Flächen erreichbar, die oberhalb liegen. Um dort drüber zu fahren, gibt es nur ein kurzes Zeitfenster, wenn die Felder dort abgeerntet sind“, erklärt Gärtner. Das sind die ein, zwei Wochen zwischen der Ernte und der Neubestellung der Felder. Und gerade in dieser Zeit hat es dieses Jahr laufend geregnet. So hat der Ladewagen mit dem Grüngut nur matschigen Untergrund gehabt und in der Folge tiefe Spuren in die Wiesen gedrückt.

„Früher haben wir dort auch schon mit Planen das Mähgut herausgezogen“, berichtet die Fachfrau. „Aber dafür fehlt uns heute die Manpower.“ Im Landschaftspflegeverband ist das Problem angekommen und die Verantwortlichen dort überlegen, wie sie künftig in einer ähnlichen Situation ihre Mähverpflichtung erfüllen können, ohne solchen Flurschaden anzurichten. Das verlangt auch das Landratsamt, das die Naturschutzgebiete überwacht. Umweltamtsleiterin Birgit Hertzog kündigt an: "Über die zukünftige Maßnahmegestaltung muss gesprochen werden, eine Mahd der Flächen ist jedoch zum Erhalt des Lebensraums unerlässlich."

Keine Nachfrage nach dem Grünschnitt

Reiner Kunze schreibt weiter: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass im nächsten Jahr auf diesen Wiesen wieder Schlüsselblumen, Knabenkraut und all die anderen geschützten Pflanzen wachsen können.“ Hier ist auch die Umweltamtsleiterin zuversichtlich, dass sich der Schaden wieder auswächst. "Da die Maßnahmen in der Ruhephase der Vegetation, nachdem die schützenswerten Pflanzen abgeblüht waren, erfolgte, ist zu hoffen, dass sich die Wiese nach ein bis zwei Vegetationsperioden wieder erholt", sagt Hertzog.

Die Gräser- und Kräuterernte aus dem Schwarzbachtal ist auch nicht besonders gefragt. „Es wächst ja überall in Hülle und Fülle. Da braucht das niemand als Futter“, sagt Gärtner. Der Grünschnitt wird ins Humuswerk gebracht.

Die Grüne Liga gibt auf ihren Webseiten zur Natur im Osterzgebirge einen Überblick über die Besonderheiten und die Geschichte des Naturschutzgebiets Schwarzbachtal.

Mehr zum Thema Dippoldiswalde