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Strikte Regeln für Werbung am Dippser Markt

1996 hat der Dippser Rat entschieden, wie der historische Stadtkern gestaltet werden soll. Nur hat die Stadt das nicht konsequent durchgehalten.

Von Franz Herz
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Die Inhaberin dieses Friseursalons am Dippser Markt will die Werbung erneuern, stößt dabei aber auch Schwierigkeiten.
Die Inhaberin dieses Friseursalons am Dippser Markt will die Werbung erneuern, stößt dabei aber auch Schwierigkeiten. © Karl-Ludwig Oberthür

Ines Eckstein hat seit 15 Jahren ihren Friseursalon am Dippser Markt und will Anfang Dezember das 30-jährige Bestehen ihres Unternehmens feiern. Deswegen wollte sie alles etwas renovieren und modernisieren, auch die Werbung an der Fassade und die Fahne neben der Tür. Die sind etwas in die Jahre gekommen. Aber diese Erneuerung ist gar nicht so einfach. Zumal die Stadtverwaltung in den vergangenen Jahren ihre Unterlagen nicht in der besten Ordnung hatte.

Einfache Auffrischung wird zu komplizierter Operation

Eigentlich ist es ein einfacher Bauantrag, zu dem der Technische Ausschuss des Stadtrats Dippoldiswalde am Mittwoch dieser Woche seine Stellungnahme abgeben sollte. Ines Eckstein will die Firmenlogos an ihrem Salon erneuern. Außerdem soll ein Auslegerbanner neben der Tür auf ihr Geschäft aufmerksam machen wie bisher auch schon.

Was als einfache Instandhaltung und Auffrischung gedacht war, entwickelte sich zu einer komplizierten Operation. Die Firma Müller-Werbung in Altenberg entwickelte das neue Logo und stellte auch die Papiere zusammen für die Genehmigung der Umgestaltung. Müller hatte aber Probleme, eine solide Auskunft zu bekommen. Erst schickte die Stadtverwaltung die Werbefirma zum Landratsamt, dieses sie wieder zurück zur Stadt. Dort hatten sie mal mit dem Bauamt, mal mit dem Ordnungsamt zu tun.

Dippser Stadtverwaltung findet keine Unterlagen mehr

Die Stadtverwaltung hat hier ein Problem. Die jetzige Gestaltung der Außenwerbung ist nicht ganz gedeckt durch die Gestaltungssatzung von Dippoldiswalde. „Wie das damals genehmigt wurde, können wir nicht mehr nachvollziehen. Es gibt in der Verwaltung keine Unterlagen dazu“, gestand Oberbürgermeisterin Kerstin Körner (CDU) im Ausschuss offen ein.

Sie hat es leicht mit dem Eingeständnis. 2006, als Ines Hairshop auf den Markt gezogen ist, und der Laden so gestaltet wurde, ist 15 Jahre her. Seitdem haben sowohl der Bauamtsleiter als auch der Bürgermeister mehrfach gewechselt. Außerdem ist die Gestaltung vom Rathaus aus gut zu sehen. Wenn die Verwaltung also in all den Jahren ein Problem gehabt hätte, wäre viel Zeit gewesen, das in Ordnung zu bringen.

Nur der halbe Bauantrag wird bestätigt

Nun sollte aber wenigstens eine Neugestaltung mit einer neuen Genehmigung in etwa dem Dippser Ortsrecht, also der Gestaltungssatzung für den historischen Stadtkern, entsprechen. So schlug die Stadtverwaltung vor, den halben Antrag zu bestätigen, die andere Hälfte aber abzulehnen. Das neue Firmenlogo an der Wand bekam die Zustimmung der Ausschussmitglieder. Es werden Buchstaben, die von hinten beleuchtet werden. Sie ersetzen die bisherigen Buchstaben, die mit Auslegern von vorne angestrahlt werden. "Dass die Strahler wegkommen, hat sogar ein Mitarbeiter vom Denkmalschutz begrüßt, als er im August sich das angesehen hat", sagt Eckstein.

Das Werbebanner, das aus der Wand ragt, ist nach Meinung der Stadtverwaltung nicht mit der Satzung zu vereinbaren. Geplant ist zwar, das neue Banner mit Edelstahlhaltern zu gestalten, welche die bisherige Kunststoffkonstruktion ersetzen. Die Dippser haben vor 25 Jahren aber vorgeschrieben, dass nur schmiedeeiserne Ausleger zulässig sind. Der Ausschuss lehnte das Banner ab. Diese Stellungnahme der Stadt geht jetzt ans Landratsamt, das die endgültige Entscheidung über den Bauantrag zu treffen hat.

Der Blick auf das alte Bergamt soll bleiben

Der Dippser Ortschaftsrat hat mit dem Banner auch ein Problem. Denn direkt neben Ines Hairshop steht das alte Bergamt mit seinem Portal, das unter Denkmalschutz steht. Ein Banner direkt daneben könnte die Sicht darauf stören, erklärte Ortsvorsteher Dirk Massi (Freie Wähler).

Nun ist die Fassade des ehemaligen Bergamts in schlechtem Zustand. Aber das Gebäude ist wichtiger Bestandteil der Bergbaugeschichte und damit des Welterbes von Dippoldiswalde.

Wolfram Hagstotz, Inhaber eines Planungsbüros in Dippoldiswalde, der als Gast bei der Sitzung war, regte an, die Gestaltungssatzung einmal zu überarbeiten. Sie ist etwas in die Jahre gekommen. Und rings um den Markt finden sich auch noch andere Beispiele, wo sie nicht konsequent eingehalten ist.