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Malter profitiert von wachsendem Camping

Marlen Alexander, Chefin der Weißeritztal-Erlebnisgesellschaft, spricht über die Lage der Bäder im Corona-Jahr. Sie hofft, mit einem blauen Auge davonzukommen.

Ganz allein im Erlebnisbad steht hier Marlen Alexander, die Geschäftsführerin der Weißeritztal Erlebnis GmbH. Ihr Unternehmen steckt in einer schwierigen Situation.
Ganz allein im Erlebnisbad steht hier Marlen Alexander, die Geschäftsführerin der Weißeritztal Erlebnis GmbH. Ihr Unternehmen steckt in einer schwierigen Situation. © Egbert Kamprath

Frau Alexander, ist derzeit überhaupt noch eine Abteilung der Weißeritztal-Erlebnisgesellschaft in Betrieb?

Nur noch wenig. Bis 11. Dezember lief noch der Schulsport im Sportpark. Vereinen oder Privatpersonen war die Nutzung bereits vorher untersagt. Jetzt ist er auch ganz geschlossen. Das Erlebnisbad ist seit Anfang November zu. Auf den Campingplätzen ist der Tagestourismus untersagt, Dauercamper dürfen noch kommen. Für sie stand die Rezeption noch bis 11. Dezember zur Verfügung, die wir jetzt auch ganz geschlossen haben. Anfragen sind nur noch telefonisch oder per Mail möglich. Momentan laufen noch kleine Reparaturen in den Einrichtungen sowie die Verwaltungstätigkeit und die Lohnbuchhaltung.

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Was machen die Mitarbeiter?

Im November haben wir viele noch mit Reparaturen beschäftigt oder mit dem Abbau von Überstunden, die im Sommer angefallen sind. Im Dezember sind einige Mitarbeiter in Kurzarbeit gegangen oder konnten in die Stadtverwaltung wechseln, um dort zu unterstützen oder den Betrieb im Falle von Quarantäne aufrechtzuerhalten. Manche nehmen 450-Euro-Jobs im Bereich Pflege oder vielleicht auch in den Testzentren auf. Bis Ende des Jahres sind aber nur wenige in hundertprozentiger Kurzarbeit.

Was brachte das Jahr 2020 für die Weißeritztal-Erlebnisgesellschaft?

Es war ein Jahr mit Höhen und Tiefen. Es ging gut los im Erlebnisbad. Wir hatten mehr Besucher als im Vorjahr, bis Mitte März die Schließung kam. Die dauerte im Erlebnisbad drei Monate, in den anderen Bereichen zwei Monate. Zu Beginn der Sommersaison konnten wir glücklicherweise wieder öffnen. Dann hatten wir einen sehr guten Sommer. In den Freibädern kamen mehr Besucher als 2019 und im Camping hatten wir über 4.000 Übernachtungen mehr als im Vorjahr, das ja auch schon gut gelaufen ist.

Waren Sie da Corona-Gewinner?

Viele Gäste sind gekommen, weil die Reisebeschränkungen teils nur den Deutschlandtourismus zugelassen haben. Wir hatten sehr viele Nachfragen, sodass wir manchmal sogar wegen fehlender Kapazitäten absagen mussten. Nicht nur die Caravanplätze, die immer begehrt sind, sondern auch die Zeltplätze waren sehr gut ausgelastet. Im Sommer konnten wir von der Corona-Situation profitieren, da unsere Plätze den geforderten Mindestabstand ermöglicht haben.

Im Herbst konnten wir bis Oktober noch offenhalten, haben aber beobachtet, dass der Besuch im Erlebnisbad geringer war. Das ist dem geschuldet, dass die Leute vorsichtig waren, solche Einrichtungen zu besuchen. Zum 2. November kam wieder die Schließung sämtlicher Bereiche. Der November brachte noch nicht die großen Verluste, weil dort das Camping ausläuft und das Erlebnisbad erst langsam wieder anläuft. Anders ist es jetzt im Dezember mit der erweiterten Schließung. Das Plus, das wir uns im Sommer aufgebaut haben, wird jetzt aufgebraucht.

Wie sieht die finanzielle Lage der Erlebnisgesellschaft aus?

Es hängt jetzt von der Novemberhilfe ab. Die haben wir beantragt und wenn sie kommt, könnte die WTE möglicherweise mit einer schwarzen Null abschließen. Andernfalls haben wir ein negatives Betriebsergebnis zu verzeichnen. Wir sind aber guter Dinge, dass wir mit einem blauen Auge davonkommen.

Ist das Becken im Erlebnisbad leer?

Nein. Das würde technisch gehen, es besteht aber die Gefahr, dass in den Rohren Wasser stehen bleibt und sich dort Legionellen entwickeln. Dann hätten wir bei der Wiedereröffnung ein größeres Problem. So haben wir die Temperatur reduziert und wälzen das Wasser weiter um, sodass sich die Legionellen gar nicht erst ausbreiten können.

Was planen sie für 2021?

Das ist eine schwierige Frage. Wir haben zumindest die Termine für alle Veranstaltungen festgelegt. Auch Malter in Flammen ist für das dritte Juli-Wochenende, 16. und 17. angesetzt. Da sind wir am Überlegen, in welchem Maße wir die Veranstaltung planen, um die möglichen Hygienevorschriften zu gewährleisten. Es herrscht ohnehin momentan große Unsicherheit in der ganzen Veranstaltungsbranche. Wir werden uns demnächst mit dem Organisationskreis zusammensetzen und darüber beraten. Die finale Entscheidung obliegt dann der Stadt als Gesellschafterin und Veranstalter. Kleinere Events könnten auch schnell abgesagt werden, falls die behördliche Vorgabe wieder kommt.

Und was erwarten Sie in Ihrem Alltagsgeschäft?

Wir gehen davon aus, dass wir im Sommer von steigenden Campingzahlen profitieren werden. Ich denke auch, dass wir wieder guten Zuspruch in den Freibädern haben werden. Damit wäre es möglich, den Verlust aus der ersten Schließzeit abfangen. Ich erwarte, dass die Zurückhaltung bei Fernreisen anhält, was uns zugutekommt.

Was wird aus den längerfristigen Vorhaben?

Die Badsanierung ist nach wie vor im Gespräch. Das Vorhaben habe ich in die Investitionsliste für die Stadt mit eingebracht. Letztendlich entscheidet aber der Stadtrat. Wir haben Fördermöglichkeiten geprüft. Corona wird auch die Kommunen viel Geld kosten. Sodass damit zu rechnen ist, dass der eine oder andere Investitionswunsch daher nicht bewilligt werden kann.

Wir versuchen auch die nächsten Jahre dem verstärkten Bedarf im Campingbereich zu folgen, speziell an Caravanplätzen. Hier wollen wir zusätzliche Plätze schaffen. In welcher Art und Weise muss noch im Detail diskutiert und geplant werden. Der Zelttourismus soll weiter bestehen bleiben, der Caravantourismus ausgebaut werden. Denn dieser entwickelt sich gut und ist auch in Corona-Zeiten krisensicher.

Bringen Caravantouristen mehr Geld in die Kasse?

Zelttouristen sind ein anderes Klientel als die Caravanurlauber. Zelttouristen kommen, ausgenommen vom Corona-Jahr, oft zu Veranstaltungen nur übers Wochenende oder es sind Schul- und Jugendgruppen. Wenige Familien reisen noch mit dem Zelt. Caravan ist in den letzten Jahren auch für Familien attraktiver geworden. Die größere Fläche sowie die längere Verweildauer vor Ort bringen mehr Umsätze. Außerdem streckt sich der Caravantourismus über eine längere Saison. Er startet im April/Mai und geht bis in den Oktober hinein, wo nur noch wenige zelten. Wir erwarten schon, dass der Caravantourismus unterm Strich mehr bringt.

Welche Zukunft hat das Dauercamping?

Es ist nach wie vor sehr beliebt. Wir haben immer wieder Nachfragen, die wir abweisen müssen. Plätze, die aus Altersgründen aufgegeben werden, finden sofort einen Nachfolger. Das läuft sehr gut. Für uns ist es eine feste Einnahmegröße, mit der wir rechnen können und die uns auch über eine Schließzeit hinweghilft. Wobei wir für das Frühjahr, als die Dauercamper gar nicht kommen durften, eine Rückerstattung gegeben haben.

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