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Glashütte beschränkt Windrad-Höhe

Mit großer Mehrheit beschließt der Stadtrat eine Höhenbegrenzung. Bürgermeister und Bauamtsleiter sind dagegen. Sie warnen vor den Folgen.

Vergeblich haben die Dittersdorfer gegen die Ausweisung als Windkraftvorranggebiet gekämpft. Jetzt wollen sie Riesenwindräder verhindern.
Vergeblich haben die Dittersdorfer gegen die Ausweisung als Windkraftvorranggebiet gekämpft. Jetzt wollen sie Riesenwindräder verhindern. © privat

Bernd Grahl hat den Kampf gegen die Riesenwindräder im Glashütter Stadtgebiet noch nicht aufgegeben. Zusammen mit anderen Stadträten glaubt er einen Weg gefunden zu haben, diese zu verhindern. Gemeinsam beantragten die Räte, eine Höhenbegrenzung in den in Arbeit befindlichen Flächennutzungsplan der Stadt Glashütte aufzunehmen.

Die Forderung: Es darf kein Bauwerk - also auch kein Windrad - entstehen, das höher als 99 Meter ist. Grahl, der in Dittersdorf wohnt und seit vielen Jahren für die CDU als Stadtrat in Glashütte tätig ist, begründete den Vorstoß, der von weiteren Stadträten unterstützt wurde, in der jüngsten Ratssitzung sehr ausführlich.

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Seit 1998 drehen sich Windkrafträder

Mitte der 1990er-Jahre entschieden sich die Dittersdorfer für die Windkraft. Man hielt es für fortschrittlich, sagte Grahl. 1998 wurden zwei Windkrafträder mit einer Masthöhe von 65 Metern errichtet. Dann folgte die Ernüchterung: "Das war eine Fehlentscheidung, wir wurden über den Tisch gezogen", sagt er. Denn die Dittersdorfer bekamen die "Schattenseiten" der Windkrafträder zu spüren. Der Standort erwies sich als nicht optimal. Die Dittersdorfer berichten von Lärm, den die Anlagen verursachen und von Schattenschlag, der bis in die Wohnbebauung reicht.

Deshalb waren die Dittersdorfer froh, dass die Anlagen zunächst nicht durch andere, höhere Windkrafträder ersetzt werden sollten. So stand er im Entwurf des neuen Regionalplans. Leider sei dieser 2018 geändert worden und Dittersdorf war als potenzieller Standort erneut dabei, so Grahl. Erneut formierte sich in Dittersdorf und den Nachbardörfern Widerstand. Die Bürgerinitiative Gegenwind startete Aktionen, junge Familien verfassten einen Protestbrief.

Kritik an der Standortwahl in Dittersdorf

Was Bernd Grahl und andere im Dorf ärgert: Die Planer haben die Hinweise aus dem Dorf zum Standort und zu Höhenbegrenzungen nicht berücksichtigt. Auch Unterschriftenaktionen im Dorf und Vorsprachen bei sächsischen Spitzenpolitikern halfen nicht. Und noch etwas ärgert Bernd Grahl. Die Riesenwindkrafträder werden von Personen errichtet, die damit nicht leben müssen. Und damit werde Strom produziert, der nicht in Sachsen, sondern in Bayern und Baden-Württemberg gebraucht wird.

Bernd Grahl kämpft weiter dafür, dass am Rand seines Heimatdorfes keine Riesenwindkrafträder errichtet werden.
Bernd Grahl kämpft weiter dafür, dass am Rand seines Heimatdorfes keine Riesenwindkrafträder errichtet werden. © Foto: Egbert Kamprath

Vermisst habe er die aktive Unterstützung durch die Stadt. In anderen Kommunen wie Neustadt in Sachsen und Brand-Erbisdorf würden sich der Gemeinderat und der Bürgermeister hinter die Forderungen von Bürgern stellen, die gegen die Riesenanlagen vorgehen, berichtete er im Stadtrat.

Weil es auch anderen Ortsteilen so geht, hat sich Bernd Grahl mit Ulf Jannasch von der AfD zusammengesetzt und den Antrag zur Einführung der Höhenbegrenzung erarbeitet. Unterstützt wird er dieser auch von Tilo Bretschneider (AfD), Maik Lehmann, Jörg Prasser (beide WV Zeitlos), Klaus Köhler (WV Reinhardtsgrimma) und Frank Göbel (CDU).

In dem dreiseitigen Schreiben wurden die Kritikpunkte an den geplanten Anlagen, die bei Dittersdorf, aber auch bei Hausdorf entstehen sollen, zusammengefasst. Die Stadträte kritisieren, dass diese großen Anlagen tagsüber mit weiß-blitzenden Feuern und zum Sonnenaufgang und -untergang mit rot-blitzenden Feuern gekennzeichnet werden müssen. "Durch die Befeuerung der Anlagen kommen völlig neue Störeinflüsse für Mensch und Tier dazu".

Stadträte verweisen auf seltene Tiere

Sowohl der Standort Hausdorf als auch der in Dittersdorf liegen im Landschaftsschutzgebiet Oberes Osterzgebirge sowie in der Nähe weiterer Schutzgebiete, heißt es im Antrag. Unweit vom Standort Dittersdorf beobachteten Bürger geschützte Arten wie den Roten Milan, den Wachtelkönig, die Haselmaus und den Schwarzstorch.

Bernd Grahl (re.) und Eckhardt Jacob hatten in der Vergangenheit auch Unterschriften gesammelt, um zu verhindern, dass am Dorfrand noch größere Windräder errichtet werden.
Bernd Grahl (re.) und Eckhardt Jacob hatten in der Vergangenheit auch Unterschriften gesammelt, um zu verhindern, dass am Dorfrand noch größere Windräder errichtet werden. © Egbert Kamprath

Den Einwand, dass sich nur großen Anlagen wirtschaftlich lohnen, entgegnen die Unterzeichner, dass an beiden Standorten seit vielen Jahren Anlagen im Betrieb sind, die kleiner als 99 Meter sind. Wären diese nicht wirtschaftlich, würde es diese nicht mehr geben. Grahl hoffte, dass der Stadtrat sich hinter die Forderung stellt.

Das ist laut bestätigtem Regionalplan möglich:

Vorgang- und Eignungsgebiet Dittersdorf

  • 1 Wind-Energie-Anlage mit einer Gesamthöhe von 175 Metern
  • 1 Wind-Energie-Anlage mit einer Gesamthöhe von 150 Metern
  • Jährlicher Energieertrag: 16,8 GWh
  • Zum Vergleich: 3 Wind-Energie-Anlagen mit Höhe von unter 99 Meter: 7,7 GWh/Jahr

Vorgang- und Eignungsgebiet Hausdorf

  • 2 Wind-Energie-Anlagen mit einer Gesamthöhe von 175 Metern
  • 1 Wind-Energie-Anlage mit einer Gesamthöhe von 150 Metern
  • 1 Wind-Energie-Anlage ohne Gesamthöhenbegrenzung
  • Jährlicher Energieertrag: 35,5 GWh
  • Zum Vergleich: 6 Wind-Energie-Anlagen mit einer Höhe von unter 99 Metern: 13,4 GWh/Jahr

Quelle: Regionaler Planungsverband Oberes Elbtal/Osterzgebirge

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Das Thema werde auch in anderen Kommunen kontrovers diskutiert, erklärte Bürgermeister Markus Dreßler (CDU). Die von den Unterzeichnern erhobenen Forderungen gehen über die Kompetenz des Stadtrates hinaus. "Der Regionalplan setzt den Rahmen", so Dreßler. Die Gestaltungs- und Entscheidungsspielräume der Städte und Gemeinden sind begrenzt. Das, was die Unterzeichner vorhaben, sei eine Verhinderungsplanung, weil inzwischen nur noch große Windkraftanlagen gebaut werden.

Regionaler Planungsverband sieht kein Problem

Sollte die Höhenbeschränkung in den Flächennutzungsplan aufgenommen werden, wird es bei seiner Prüfung durch das Landratsamt zu Beanstandungen kommen, erklärt Dreßler. Der Rathauschef verwies auf eine Stellungnahme aus dem Landratsamt in Pirna und eine Einschätzung des Regionalen Planungsverbandes. Dort heißt es unter anderem, dass die Höhenbegrenzung bereits von der Stadt und den Ortschaftsräten im Verfahren vorgebracht wurden. Doch dort wurden sie nicht berücksichtigt, weil sie die Begrenzung nicht rechtfertigen konnte.

Im neuerlichen Versuch, die Begrenzung im Flächennutzungsplan zu fixieren, lassen sich "keine städtebaulichen Gründe" beziehungsweise "aus der lokalen Situation heraus ergebenen spezifische Gründe für eine solche Begrenzung" finden. Auch Bauamtsleiter Mario Wolf sprach sich gegen den Vorschlag der Stadträte aus: Die Aufnahme der Höhenbeschränkung würde den Flächennutzungsplan in Teilen rechtswidrig machen.

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Nach einer kurzen Diskussion ließ Dreßler abstimmen. Der Antrag der Stadträte wurde von einer deutlichen Mehrheit angenommen. Für den Antrag stimmten elf, drei waren dagegen, drei Räte enthielten sich ihrer Stimme.

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