merken
PLUS Dippoldiswalde

Dippser Schüler reden mit MP Kretschmer über den Krieg

Der Politiker hat drei Abi-Klassen ins Militärhistorische Museum eingeladen. Nicht ohne einen bestimmten Hintergedanken.

Michael Kretschmer besucht gemeinsam mit Schülern aus Dresden, Görlitz und Dippoldiswalde das Militärhistorische Museum in Dresden.
Michael Kretschmer besucht gemeinsam mit Schülern aus Dresden, Görlitz und Dippoldiswalde das Militärhistorische Museum in Dresden. © Angelina Sortino/SZ

Am Dienstag, dem 22. Juni, jährt sich der Überfall der deutschen Wehrmacht auf die Sowjetunion zum 80. Mal. Es ist ein wichtiger, aber auch dunkler Tag deutscher Geschichte. Für Sachsens Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU) war der Jahrestag ein Anlass, im Vorfeld die Geschichtsleistungskurse drei sächsischer Schulen ins Militärhistorisches Museum in Dresden einzuladen.

Zunächst gibt es eine Führung durch die Ausstellung und anschließend haben die Schüler die Möglichkeit, mit Kretschmer über die Eindrücke zu sprechen. Neben je einer Schule aus Dresden und Görlitz, sind auch die Abiturienten des "Glückauf-Gymnasiums" aus Dippoldiswalde mit dabei.

Augusto
Leben und Genuss
Leben und Genuss

Für Genießer genau das Richtige! Leckere Ideen, Lebensart, Tradition und Trends gibt es in der Themenwelt Augusto.

Kretschmer sagt zu Beginn der Veranstaltung, dass er es für wichtig halte, sich auch heute noch aktiv mit den Geschehnissen des Zweiten Weltkriegs auseinanderzusetzen. "Es ist eine Stärke unseres Landes, dass wir unsere eigene Geschichte aufgearbeitet haben und offen mit ihr umgehen."

Die Führung durch das Museum erhalten die Schüler von Kristiane Janeke, der wissenschaftlichen Leiterin des Museums. Doch auch der Museumsdirektor, Oberst Armin Wagner, hat so einiges Wissenswertes beizutragen. So sei beispielsweise die jüngste Ausstellung "Hitlers Elitetruppe? Mythos Fallschirmjäger" von Teilen der Bundeswehr nicht besonders gut aufgenommen worden.

Schuhe symbolisieren Holocaust-Opfer

Andächtige Stille kommt auf, als einer der Schüler das Gedicht eines jüdischen Mädchens vorliest. Als am 3. November 1943 während der "Aktion Erntefest" etwa 18.000 Juden im Konzentrationslager Majdanek erschossen werden, wird die Zwölfjährige gemeinsam mit rund 300 Frauen ausgewählt, die Schuhe der Toten zu sortieren. Sie überlebt den Holocaust nicht, doch das Gedicht wird von ihren Mitgefangenen auswendig gelernt und später aufgeschrieben. Heute können die Besucher des Museums es in einer Vitrine lesen, in der auch die Schuhe von Holocaustopfern ausgestellt sind.

Katja Benatzky aus Dippoldiswalde ist froh, dass sie und ihr Kurs die Möglichkeit haben, eine Führung durch das Militärhistorische Museum zu erhalten. "Ich finde das sehr spannend und beeindruckend. Gerade weil wir hier auch viel über die Opfer erfahren", sagt die 18-Jährige. Im Unterricht habe man den Überfall der Wehrmacht auf die Sowjetunion nur angeschnitten. "Wir hatten leider nicht genug Zeit dazu, das Thema länger zu behandeln. Sich jetzt nochmal ausführlicher damit auseinanderzusetzen, finde ich gut."

Überfall auf die Sowjetunion als Vorsorge?

Im Anschluss an die Führung trifft Kretschmer sich mit den Schülern für eine kurze Diskussionsrunde. Hier haben sie die Möglichkeit, Fragen zu stellen und über ihre Eindrücke zu sprechen. So erkundigt sich beispielsweise ein Schüler, ob es sich bei Hitlers Überfall auf die Sowjetunion auch nur um die Reaktion auf einen von den Sowjets geplanten Angriff gehandelt haben könnte. "Die Präventivkriegsthese ist seit Langem widerlegt", erklärt Historikerin Janeke daraufhin. Sie werde aber heute noch dazu genutzt, um Deutschlands Kriegsschuld zu leugnen.

Kretschmer wird von einem der Lehrer auf das Verhältnis der Ost-Deutschen zu Russland angesprochen und erzählt daraufhin von den Eindrücken seines letzten Moskau-Besuchs.

Olaf Lies, der seit 25 Jahren den Geschichtsleistungskurs am "Glückauf-Gymnasium" unterrichtet, freut sich über das Interesse seiner Abiturienten. "Meine Schüler sind alle gekommen, obwohl das hier eine freiwillige Veranstaltung ist. Da bin ich schon ein bisschen stolz", sagt der Geschichtslehrer.

Mehr zum Thema Dippoldiswalde