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Mit 36 Türchen durch die Weihnachtszeit

Elisabeth Richters Adventskalender erzählen kleine Geschichten aus Seifersdorf. Inzwischen wartet eine ganze Fangemeinde auf die neuen Motive.

Die Künstlerin Elisabeth Richter mit Sohn Jakob in ihrer Werkstatt in Reichstädt.
Die Künstlerin Elisabeth Richter mit Sohn Jakob in ihrer Werkstatt in Reichstädt. © Karl-Ludwig Oberthür

Der eine braucht mehr, der andere weniger Zeit, um es zu merken. Aber irgendwann kommt die Frage: "Warum geht der bis zur 36?" Denn Türchen mit dieser Zahl sind tatsächlich in Elisabeth Richters Adventskalendern zu finden. Andere Zahlen dafür gar nicht - mal fehlt die 12, mal sogar die 24. 

Doch es hat schon alles seine Ordnung. "Meine Kalender gehen bis zum 6. Januar", sagt Richter.  Dann ist Epiphanias, der Dreikönigstag: "Ich fand immer, dass 24 Türchen viel zu wenig sind", sagt die Künstlerin. Und freut sich, dass andere sich freuen, wenn der Kalender auch bis zu ihrem Weihnachtsfest reicht - dem russischen beispielsweise.

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Wer einmal mit dem Öffnen der Türchen beginnt, wird auch keine Zahl vermissen - denn manch eine verbirgt sich hinter einem anderen Türchen. Elisabeth Richters Kalender haben drei Ebenen und entblättern nach und nach kleine Geschichten. Wie bei dem Gabentisch, der dreizehnte Kalender aus ihrer Kleinproduktion: Nach und nach verschwindet das Geschenkpapier auf dem Tisch, zum Schluss sitzt die ganze Familie beisammen.

In Seifersdorf eng verwurzelt

"In meinen Kalender fließen die Motive ein, die mich das Jahr über am meisten beschäftigt haben", sagt Richter. In diesem Jahr klemmt da beispielsweise unverkennbar die Zeichnung "Ferkel" an den Scheiben des Küchenbuffets - das Original war im Sommer in ihrer Gartenblätter-Ausstellung im Schloss Struppen zu sehen. 

Das antike Holzbuffet selbst steht in ihrer Seifersdorfer Küche: "Ich komme von hier, selbst zum Kunststudium in Dresden bin ich immer gependelt", sagt die 48-Jährige: "mit diesem Landstrich bin ich eng verwurzelt". Ihr Garten mit Indianerzelt und Schuppen, Dorfhäuser mit Ziegen und Katzen, einen großen Dreiseithof, auch eine Theaterbühne und einen Museumssaal hat sie schon zum Thema ihrer Kalender gemacht.

Mehr Witz in DDR-Adventskalendern

"Der erste ist 1997 für mein Patenkind entstanden", sagt sie: "Zunächst wollte ich einen kaufen." Doch das Angebot langweilte sie: "Ich kann es nicht leiden, wenn man beispielsweise eine Mütze aufklappt, und dann ist eine Brezel darunter - irgendwelche Weihnachtssymbole ohne Bezug zum Hauptmotiv. Die DDR-Kalender in meiner Kindheit wurden oft von anspruchsvollen Illustratoren gestaltet, die steckten da mehr Witz mit rein." 

Also machte Richter eben selbst einen - und seit dem nahezu jedes Jahr. Inzwischen sind 17 zusammengekommen. Ihr jüngster Sohn Jakob kann seinen Lieblingskalender schnell benennen: Er zeigt ein fröhlich-grünes Mietshaus in winterlicher Dorfkulisse. "Meine Kinder machen oft Vorschläge, was diesmal im Kalender erscheinen sollte", sagt Richter.

Viel Handarbeit für jedes Türchen

Die größte Arbeit steckt im Zusammenbauen der drei Papierebenen: "Bei so einer kleinen Auflage lohnt es sich nicht, eine Stanzform anfertigen zu lassen", sagt Richter. Also sitzen sie, ihre Schwester und eine Freundin im Oktober da und schlitzen alle Türen selbst mit dem Cuttermesser aus. 

"Ganz am Anfang habe ich - mit wenig Ahnung - versucht, einen Verlag dafür zu finden und auch bei Coppenrath angefragt", erzählt sie: "Die meinten: 'Sie passen nicht in unser Sortiment.'" Stimmt, habe sie gedacht. Und lässt inzwischen in dem Reichstädter Familienbetrieb Lotus-Druck drucken. 

Nach wie vor versteckt sie einen persönlichen Jahresrückblick zwischen den drei Papierlagen: "Freunde und Familie erkennen das ein oder andere wieder." Doch auch allen Nicht-Eingeweihten macht es Spaß, immer mehr in den Kalendern zu entdecken - die Katze, die um die Ecke tatzt, ein Kind hinter einer Kinderzeichnung. Oder auch die hübschen Muster, die Richter beispielsweise auf einer alten Papiertüte vom Spielwarenhändler in Dippoldiswalde fand und nun collagenartig verwendet.   

Kaufen kann man Elisabeth Richters Kalender - im A3-Format für 17, in A4 für 12 Euro - in der Werkstatt der Töpferin Grit Bormann auf der Hauptstraße 3 in Reichstädt (Di, Fr 10-18 Uhr) oder über die Mailadresse [email protected] Elisabeth Richter schickt dann eine Vorlage aller 17 Motive zum Aussuchen und Bestellen. 

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