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"Einen weiteren Versuch mit Frauenstein gibt es nicht"

Michael Börner aus Reichenau ist zum neuen Bürgermeister in Hartmannsdorf-Reichenau gewählt. Er spricht über sich und seine Ziele.

Michael Börner von der Wählerinitiative Reichenau hat die Bürgermeisterwahl deutlich gewonnen. Er schätzt an seinem Heimatort, wie er in die grüne Landschaft eingebettet ist.
Michael Börner von der Wählerinitiative Reichenau hat die Bürgermeisterwahl deutlich gewonnen. Er schätzt an seinem Heimatort, wie er in die grüne Landschaft eingebettet ist. © Karl-Ludwig Oberthür

Herr Börner, ich würde Sie unseren Lesern gerne kurz vorstellen. Was machen Sie beruflich, wie alt sind Sie, seit wann wohnen Sie in der Gemeinde?

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Ich bin Planungsingenieur im Bauwesen, habe ein eigenes Büro hier in Reichenau und bin 56 Jahre alt, solange wohne ich auch in der Gemeinde, bin hier aufgewachsen und zur Schule gegangen. Ich habe dann Klempner-Installateur gelernt, auf den Baustellen gearbeitet und im Fernstudium meine Ingenieurausbildung gemacht.

Wie sehen Sie die Zukunft der Gemeinde Hartmannsdorf-Reichenau: Selbstständig in der Verwaltungsgemeinschaft mit Klingenberg oder haben Sie andere Pläne? Gibt es eventuell noch einen Versuch mit Frauenstein?

Nein, einen weiteren Versuch mit Frauenstein wird es nicht geben. Das hat ja eine lange Vorgeschichte. Es gibt einen Gerichtsentscheid. Daraufhin hat der Gemeinderat entscheiden, dass die Gemeinde, solange es geht und für uns sinnvoll ist, selbstständig bleiben wird. Das unterstütze ich auch voll.

Das Wahlergebnis in beiden Ortsteilen ist diametral entgegengesetzt. Sie bekamen in Reichenau 83,7 Prozent der Stimmen, Undine Bourgeois in Hartmannsdorf 83,7 Prozent, umgekehrt Sie in Hartmannsdorf 16,3 Prozent, Bourgeois in Reichenau 16,3 Prozent. Ein ähnliches Bild zeigte sich schon bei früheren Abstimmungen. Ist die Gemeinde noch nicht richtig zusammengewachsen?

Wenn Ihnen das so auffällt, liegt das an den Fakten. Aber dass die Gemeinde nicht richtig zusammengewachsen sei, würde ich brüsk zurückweisen. Die Gemeinde ist seit 1994 zusammen. Klar fühlt sich ein Hartmannsdorfer als Hartmannsdorfer und ein Reichenauer als Reichenauer. Aber als Gemeinde sind wir schon längst zusammen. Es gibt einiges, wo beide Ortsteile davon ihr Gutes haben. Das unterschiedliche Ergebnis kommt daher, dass Lokalpatriotismus und die Bekanntheit bei den Leuten eine Rolle spielt. Aber auf die Gemeinde würde ich das nicht beziehen. Sie hat einen guten Gesamtstand.

Ist der Haushalt inzwischen eigentlich genehmigt?

Wir haben noch gar keinen Haushaltsplan für 2021. In der Gemeinde Klingenberg, die für uns die erfüllende Gemeinde ist, wurde dieser aus verschiedenen Gründen noch nicht fertiggestellt.

Wo liegt die Ursache?

Das soll mit Corona zu tun haben. Aufgrund von Arbeitsplatz- und Arbeitszeitverschiebungen konnte die Zeit nicht optimal genutzt werden. Es gibt einen Haushaltsplan, der begonnen ist, aber noch nicht fertig vorliegt.

Nun sind wir schon spät im Jahr. Ist das noch zu schaffen?

Der Haushalt ist eigentlich die Richtschnur, die jeder Gemeinderat für seine Arbeit braucht, an die man sich halten kann. Wenn der fehlt, ist es sehr schwierig für die Arbeit. Für das Haushaltsjahr 2022 brauchen wir aber einen Haushalt, da muss es wieder funktionieren. Es gab ja im Kreis schon Kommunen, die jahrelang keinen Haushalt hatten. Das hat nie zum Guten geführt.

Welches große Projekt packen Sie als Erstes an?

Unsere finanziellen Möglichkeiten sind relativ beschränkt. Wir haben ja in Hartmannsdorf den ehemaligen Gasthof, der verfällt. Das ist auch gefährlich, weil da ein Fußweg entlangführt. Da ist die Gemeinde seit Längerem dran, den zu erwerben. Dann soll er abgerissen werden. Dafür brauchen wir aber auch wieder einen Haushalt, um überhaupt Fördermittel beantragen zu können.

Einen Tag nach der Wahl: Sind Sie zufrieden mit dem Ergebnis?

Ich bin vor allen Dingen mit der Wahlbeteiligung von 85 Prozent zufrieden. Das zeigt, dass sich die Leute für ihren Wohnort interessieren. Die Stimmenzahl für Frau Bourgeois in Hartmannsdorf ist auch zu erklären. Sie ist auch im Gemeinderat und leistet eine sehr gute Arbeit. Wenn sie weniger Stimmen bekommen hätte, wäre das verwunderlich gewesen. Wir pflegen hier kein Konkurrenzdenken, sondern ein Denken für die Gemeinde. Es ist auch gut gewesen für die Wähler, dass sich zwei Personen gefunden haben.

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