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OB Körner: "Aufholen, was 20 Jahre in Dipps nicht geworden ist"

Die Stadt Dipps steht Ende '21 besser da als erwartet. Vielen Corona-Ausgaben stehen eine halbe Million Euro Mehreinnahmen aus der Gewerbesteuer gegenüber.

Von Franz Herz
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Die Dippoldiswalder Oberbürgermeisterin Kerstin Körner (CDU) im Gespräch mit Sächsische.de-Reporter Franz Herz.
Die Dippoldiswalder Oberbürgermeisterin Kerstin Körner (CDU) im Gespräch mit Sächsische.de-Reporter Franz Herz. © Karl-Ludwig Oberthür

Wie steht die Stadt Dipps nach dem zweiten Jahr mit Corona da?

Unsere größte Aufgabe in der Pandemie ist, dass die Kitas geöffnet bleiben. Die jetzige Virusvariante ist sehr ansteckend. Wenn der Virus einmal in einer Einrichtung ist, dauert es meist nicht lange und alle Erzieherinnen fallen aus. Wenn es eng wird, müssen wir in die Notbetreuung gehen.

Wie ist die finanzielle Lage der Stadt?

Gut. Wir haben bis November schon 500.000 Euro mehr Gewerbesteuern eingenommen als für das ganze Jahr geplant waren. 3,8 Millionen Euro stehen im Plan, 4,3 Millionen Euro ist der aktuelle Stand. Das hatten wir so nicht erwartet. Und die letzte Rate für Dezember 2021 kommt erst noch.

Auf der anderen Seite fehlen uns Einnahmen. Ein großer Posten sind die geringeren Elternbeiträge wegen der Schließung der Kitas. Da reden wir von 170.000 Euro. Personal müssen wir ja trotzdem bezahlen. Im kulturellen Bereich kamen praktisch keine Einnahmen. Für den zusätzlichen Aufwand durch Corona beispielsweise für Reinigung kommen wir auch auf einen sechsstelligen Betrag.

Also müssen Sie irgendwo sparen.

Ich denke nicht, dass wir zu viel ausgeben, sondern eher, dass wir zu wenig einnehmen. Da müssen wir alles ansehen. Man hört beispielsweise manchmal, Dipps tue so wenig für den Sport. Wenn ich aber die Zahlen angucke, gibt die Stadt 600.000 Euro Zuschuss an Sportvereine. Die Summe würden die Vereine tragen müssen, wenn wir die vollen Kosten für Sportplätze und Hallen berechnen. So etwas muss auf den Prüfstand, da hier noch unterschiedliche Verordnungen zur Anwendung kommen. Unsere Vereine sollen optimal trainieren können in unseren Einrichtungen, dafür müssen wir die Einrichtungen auch instandhalten.

Es gab ja eine Unterschriftensammlung wegen der hohen Elternbeiträge.

Dazu gab es Runden mit Elternvertretern. Wir haben erklärt, wie die Kosten sind und wo wir sparen könnten: beispielsweise durch die Schließung kleiner Einrichtungen und die Betreuung in wenigen großen Kitas hinstellen. Aber das wollen wir ja nicht. Ansonsten geht das nur mit Umverteilung. Das werden wir öffentlich diskutieren.

Wie wirkt sich Corona im gesellschaftlichen Leben aus?

Was mir fehlt, sind die Kontakte auf Weihnachtsfeiern oder bei Vorlesestunden in Kitas. Das sind schöne Momente, die jetzt wegfielen. Es bringt uns aber nicht weiter, wenn man bewusst gegen Corona-Regeln verstößt. Es ist eine Krankheit, der man im Schulterschluss begegnen sollte. Ich vertraue auf die Wissenschaft, bin daher auch absolut für Impfungen und für die 3G-Regeln. Ich will mich nicht infizieren und auch niemand anders anstecken.

Und wenn Sie Corona mal ausblenden und auf 2021 schauen. Was sehen Sie?

Ich bin stolz auf so vieles, was wir dieses Jahr erreicht haben, die Kita und Turnhalle in Schmiedeberg übergeben, Spielplätze neu gestaltet. Wir haben auch viele Dinge auf den Weg gebracht, die nicht sichtbar sind.

Woran denken Sie bei dem Unsichtbaren?

Das sind Themen, die interne Vorbereitung benötigen, wie der Busbahnhof, die Gewerbegebietserweiterung, die Oberschule Schmiedeberg oder neue Wohngebiete.

Wie ist der Stand beim Gewerbegebiet?

Da habe ich mit sehr vielen möglichen Partnern gesprochen. Wir sollten die Erschließung nicht mit eigener Kraft machen. Das können andere besser. Ich habe dafür auch den Landkreis mit der Wirtschaftsförderung ins Boot geholt. Wir versuchen aufzuholen, was 20 Jahre lang nicht geworden ist. Zuerst müssen wir ein Regenrückhaltebecken bauen.

Wo liegt der Vorteil, wenn die Stadt das nicht selbst erledigt?

Mein Wunsch wäre, dass wir das Gebiet an jemand übergeben und wieder zurücknehmen, wenn die Erschließung komplett gebaut ist. Das wären dann Kosten, die mit einzukalkulieren sind. Was schaffen wir denn als Verwaltung tatsächlich? Das ist ein Bauvolumen von 2,5 Millionen Euro und die vielen kleinen Projekte, die immer laufen. Wenn wir mehr wollen, müsste ich Personal aufstocken.

Wo hat Dippoldiswalde noch neue Wohngebiete?

Ausgewiesene Baugebiete haben wir oberhalb der Aral-Tankstelle und an der Straße nach Reinholdshain. Auch da denke ich, sollten wir neue Wege gehen, beispielsweise über eine Bauherrenvereinigung. Die Fläche Richtung Reinholdshain ist sicher ein schwierigeres Gebiet, weil wir dort noch Altbergbau haben. Dort brauchen wir einen Bauträger für die Erschließung. Am Ende will ich Einwohner für Dippoldiswalde haben.

Wann kommt die Schulsanierung in Schmiedeberg?

Dafür müssen wir noch mit den Schulleitern reden, was genau notwendig ist. Brauchen wir die Schule 2,5-zügig oder dreizügig? Wenn dann klar ist, was wir brauchen, gehen wir in eine europaweite Ausschreibung und das Projekt in Schmiedeberg wird endlich umgesetzt.

Das Lohgerbermuseum wird bald wieder eröffnet nach dem Umbau. Würden Sie es heute noch einmal so auf den Weg bringen?

Im Nachhinein ist man immer schlauer. Damals gab es das Programm für die Kernstadt. Ob man diese Förderung bekommen hätte, wenn das Museum nicht enthalten gewesen wäre? Was wir aber jetzt dort stehen haben, ist einzigartig in Europa. Wir haben ein historisch wertvolles Museum. Wenn das die Stadt nicht aufgebaut hätte, hätte es niemand gemacht.

Wenn ich heute die Entscheidung treffen müsste, habe ich beide Hände voll mit Projekten, die wichtig sind und die ich vielleicht vorziehen würde. Ich bin aber froh, dass die Arbeiten fast abgeschlossen sind. Jetzt sollten wir alle stolz darauf sein.

Wie geht es nun weiter mit dem Museum?

Nun müssen wir es vermarkten. Die Lohgerberei ist schon ein sehr spezielles Interessengebiet. Das ist jetzt Aufgabe der Touristiker, das Interesse dafür zu wecken. Es passt aber in unser großes Konzept mit Miberz, Weltkulturerbe und Geopark.

Sie haben seit November keinen Beigeordneten mehr. Was läuft jetzt anders?

Es war von meinem Amtsantritt an die Frage, ob wir uns das leisten wollen. Die Beigeordnetenstelle kostete zusammen mit dem Vorzimmer 150.000 Euro im Jahr. Die Kollegin ist jetzt umgesetzt in die Kämmerei. Also sparen wir tatsächlich diese Summe ein. Ich selbst habe auch mehr Einfluss auf die Fachbereiche, die mir jetzt direkt unterstellt sind. Wir werden das Thema bei der nächsten Haushaltsberatung sicher wieder diskutieren. Bis dahin baue ich gemeinsam mit meinen Mitarbeitern eine leistungsstarke Verwaltung auf.