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Ohne Trinkwasser kein Fremdenverkehr

Hermsdorfs Bürgermeister Andreas Liebscher hat ein überzeugendes Wahlergebnis. Nun braucht er viel Unterstützung - auch aus Dresden.

Erst gab es viele Stimmen, danach viele Blumen für den wiedergewählten Bürgermeister von Hermsdorf/Erzg., Andreas Liebscher.
Erst gab es viele Stimmen, danach viele Blumen für den wiedergewählten Bürgermeister von Hermsdorf/Erzg., Andreas Liebscher. © Egbert Kamprath

Für den ehrenamtlichen Bürgermeister von Hermsdorf im Erzgebirge, Andreas Liebscher, ging der Alltag nach dem Wahlsonntag einfach weiter. Am Montagmorgen stand eine Bauberatung für die neue Löschwasserleitung auf der Bergstraße im Kalender. Es ist kein Zufall, dass es dabei auch um Wasser geht. Das wird das wichtigste Thema in seiner neuen Amtszeit, die in Kürze beginnt.

Einzelne wollten Thomas Kirsten aus Altenberg wählen

Am Sonntag hatte er jedoch Grund zur Freude. 349 Bürger sind zur Wahl gegangen, 55,2 Prozent der Wahlberechtigten. Es gab in anderen Orten schon Bürgermeisterwahlen, bei denen die Beteiligung unter 40 Prozent geblieben ist. Und auf Andreas Liebscher entfielen 321 Stimmen. Bei dieser Wahl mit nur einem Kandidaten gab es noch die Besonderheit, dass auch andere Namen aufgeschrieben werden konnten. Drei Wähler hatten so für Thomas Kirsten, den Bürgermeister von Altenberg, votiert. Andere Namen wie René Strelow oder Karsten Friedrich standen auch noch auf einzelnen Zetteln, teilweise aber nur Vor- und Zuname. Das reichte jedoch nicht. Mindestens eine Adresse oder eine Berufsbezeichnung wäre für eine eindeutige Wahl noch nötig gewesen. Aber das waren nebensächliche Details.

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Eindeutig ist das klare Ergebnis für Liebscher nach seiner ersten Amtsperiode. Vor sieben Jahren ist er mit 76 Prozent der gültigen Stimmen gewählt worden. Jetzt nach seiner ersten Amtszeit hat er 97 Prozent erreicht. Reinhard Kleinert von der Unabhängigen Bürgerbewegung, der größten Fraktion im Gemeinderat, gratulierte dem Wahlsieger und versprach eine weitere gute Zusammenarbeit. Ebenso Karsten Friedrich vom Fremdenverkehrsverein. Der ist mit drei Sitzen im Gemeinderat vertreten und hat auch Liebscher als Kandidaten aufgestellt.

Der Wahlausschuss der Gemeinde Hermsdorf/E. zählt die abgegebenen Stimmzettel zur Bürgermeisterwahl am Sonntag. Die allermeisten wurden für Andreas Liebscher abgegeben.
Der Wahlausschuss der Gemeinde Hermsdorf/E. zählt die abgegebenen Stimmzettel zur Bürgermeisterwahl am Sonntag. Die allermeisten wurden für Andreas Liebscher abgegeben. © Egbert Kamprath
Auch seine Frau Sylvia steht hinter dem ehrenamtlichen Engagement von Andreas Liebscher. Nach dem Wahlsieg gratuliert sie ihm mit einem Kuss.
Auch seine Frau Sylvia steht hinter dem ehrenamtlichen Engagement von Andreas Liebscher. Nach dem Wahlsieg gratuliert sie ihm mit einem Kuss. © Egbert Kamprath

Das Brunnendorf will Liebscher hinter sich lassen

Liebscher versprach, sich an allererster Stelle um das Trinkwasserproblem in der Gemeinde zu kümmern. Das komplette Gemeindegebiet wird bisher aus eigenen Hausbrunnen versorgt. Nicht jeder Brunnen bringt ausreichend Wasser in guter Qualität, und in den vergangenen trockenen Jahren sind sie teilweise versiegt. Das ist für eine Gemeinde, die auf den Fremdenverkehr als wirtschaftliches Standbein setzt, eine existenzielle Frage.

Hier muss der neue Bürgermeister viel Lobbyarbeit an höheren Stellen leisten. Denn eine Leitung bis nach Hermsdorf zu bauen und dort ein Ortsnetz zu verlegen, ist ein Millionenprojekt. Dafür braucht es viel Hilfe. Liebscher setzt seine Hoffnung auf Unterstützung vom Freistaat Sachsen. Diese zu bekommen wird mit Sicherheit die härteste Nuss, die Liebscher in den nächsten Jahren irgendwie knacken muss.

Gute Angebote für junge Familien

Ein weiteres Vorhaben betrifft in erster Linie den Ortsteil Seyde. Dort will Liebscher die ehemalige Schule sanieren und zu einem Dorfgemeinschaftshaus umbauen. Liebscher will Hermsdorf, das in den vergangenen Jahren viele Einwohner verloren hat, für junge Familien attraktiver machen. Dazu sind in der neuen Amtsperiode viele Bauvorhaben im Kindergarten fällig. „Mit einer guten Zusammenarbeit von Einwohnern, Gemeinderat und Firmen in der Gemeinde bekommen wir das gelöst“, sagte Liebscher am Wahlabend.

Die nächsten sieben Jahre will der 63-Jährige durchstehen

Zufrieden blickt Liebscher auf die Grundschule in Hermsdorf. Deren Bestand stand auch schon in Frage. Jetzt jedoch ist er bis in die 2030er-Jahre gesichert. „Wenn das Thema dann wieder hochkommt, muss das ein jüngerer Bürgermeister machen als ich“, sagte Liebscher. Der 63-Jährige will die neue Wahlperiode durchstehen. Das ist für einen Ehrenamtlichen auch möglich. Eine Altersgrenze gilt nur für hauptamtliche Bürgermeister.

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Seine Frau Sylvia, die selbst noch berufstätig und an der Bobbahn Altenberg für die Finanzen verantwortlich ist, steht dabei hinter ihm. Sie findet es gut, wenn beide Partner eine Aufgabe haben, die sie fordert. Eine gemeinsame Wanderung mit Kindern und Enkeln, wie sie es am Wahlsonntag gemacht haben, ist dabei ein schöner Höhepunkt.

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