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Polizeieinsatz gegen einen eigenen Mitarbeiter

Ein Mitarbeiter hat über Jahre die Polstermöbel Oelsa in Rabenau bestohlen. Er flog auf. Die Ermittlung war schwierig.

Der Betrieb Polstermöbel Oelsa GmbH in Rabenau wurde von einer Diebstahlsserie heimgesucht, für die jetzt das Urteil gesprochen wurde.
Der Betrieb Polstermöbel Oelsa GmbH in Rabenau wurde von einer Diebstahlsserie heimgesucht, für die jetzt das Urteil gesprochen wurde. © Karl-Ludwig Oberthür

Der 16. Mai 2018 war in der Geschichte der Polstermöbel Oelsa GmbH in Rabenau einmalig. Die Polizei kam aufs Gelände gefahren. Ein Meister, der gerade mit der Arbeit begonnen hatte, wurde ins Besprechungszimmer gerufen. Er erhielt dort die fristlose Kündigung und einen Hausdurchsuchungsbefehl. Der galt zuerst für seinen Rucksack, in dem die Polizei prompt Gasfedern fand, die er im Betrieb gestohlen hatte. In seinem Auto lag noch ein schweres Paket mit Diebesgut und seine Wohnung war voll damit.

Gleichzeitig sind mehrere Polizisten aus Döbeln nach Hartha in die Wohnung seiner Partnerin gefahren und haben diese ebenfalls durchsucht. Auch dort fand sich ein großer Umschlag mit Gasfedern, die aus dem Polstermöbelbetrieb stammten. So waren beide in flagranti erwischt. Für die Polstermöbel GmbH endete damit eine Diebstahlsserie, die 2016 begonnen hatte. Der angeklagte Meister hat seit dem Jahr 2000 im Betrieb gearbeitet und hat sich dort auch gut entwickelt. Der Betrieb hatte ihn in einen Meisterkurs aufgenommen, in der Entwicklungsabteilung und schließlich in der Kommissionierung beschäftigt. Dort war er dafür verantwortlich, die Kollegen mit Material und Werkzeug für ihre Aufträge zu versorgen.

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Er war aber unzufrieden mit seinem Einkommen. „Andere, die die gleiche Arbeit machten, haben mehr verdient“, sagte er am Mittwoch vor dem Amtsgericht, wo er wegen einer Vielzahl von Diebstählen und wegen Betrugs angeklagt war. 2016 hatte er begonnen, Material und Werkzeug mit nach Hause zu nehmen und über Ebay zu verkaufen. Dabei hat er sein Konto und das seiner Partnerin verwendet. Weil sie das zugelassen hat und auch von den Einnahmen profitiert hat, war sie am Mittwoch mit ihm vor dem Schöffengericht in Dippoldiswalde angeklagt.

Ermittlungen in ganz Deutschland

Denn mit dem Tag der Entscheidung im Mai 2018 hat eine komplizierte Ermittlungsarbeit begonnen. Die Polizei ließ sich von Ebay die Unterlagen kommen über alle Verkäufe, die über die Konten der beiden gelaufen sind. Die Daten sind für die letzten zwei Jahre noch vorhanden gewesen, also von 2016 bis 2018.

Dann mussten die Beamten allerdings auswählen, sonst wären sie immer noch nicht fertig. Alle Verkäufe für weniger als 30 Euro ließen sie außen vor. Verkäufe ins Ausland ließen sie außer Acht, weil das zu aufwendig wäre, dort zu ermitteln. Bei den Verbleibenden haben sie sich zuerst auf die Fälle konzentriert, bei denen jemand mehrfach beim Angeklagten eingekauft hat. Die Käufer waren in ganz Deutschland verstreut von Niedersachsen bis ins Allgäu.

Letztlich hat der Staatsanwalt 29 Fälle angeklagt, bei denen der Haupttäter Werkzeug oder Material aus dem Betrieb gestohlen und über Ebay verkauft hat. Juristisch sind das immer zwei Taten. Erst der Diebstahl. Dann folgte ein Betrug, weil er auf Ebay etwas anbot und dann lieferte, was ihm gar nicht gehörte. Bei diesem Betrug war seine Partnerin zwölfmal beteiligt.

Misstrauen unter Kollegen wächst

Im Unternehmen hatte die Diebstahlserie große Nervosität verursacht, wie die kaufmännische Leiterin und der Betriebsleiter vor Gericht aussagten. Kollegen wurden untereinander misstrauisch, weil ihr Werkzeug fehlte. Ja es gab sogar Probleme mit der Abwicklung von Aufträgen, weil wichtige Möbelteile fehlten. Dabei half der Dieb zum Schein sogar bei der Suche.

Schließlich hörte der Kundendienst, dass ein Set zur Pflege von Ledermöbeln auf Ebay günstiger zu haben sei als bei der Firma direkt. Das führte auf die Spur des Diebes. Der Partner einer Mitarbeiterin löste einen Scheinkauf aus und bekam prompt eine Lieferung. So kannte der Betrieb das Ebay-Konto. Die Mitarbeiter sahen es an und erkannten dort teilweise ihre Werkzeuge wieder. Also ging die kaufmännische Leiterin zur Polizei, welche die Ermittlungen aufnahm und 2018 im Mai zugeschlagen hat.

Nun hat das Schöffengericht den Haupttäter zu zwei Jahren Haft, seine Partnerin zu zehn Monaten verurteilt. Die Strafen sind jeweils zwei Jahre lang auf Bewährung ausgesetzt. Er muss den Erlös seiner Taten abführen, 2.045 Euro, sowie 1.000 Euro an seine frühere Firma bezahlen. Seine Partnerin muss 500 Euro an die Diakonie bezahlen. Ihm droht aber noch mehr. Seine frühere Firma hat schon eine Schadensersatzforderung angemeldet über rund 20.000 Euro, die sie jetzt bis zum Strafverfahren ruhen ließ, aber wieder aufnehmen kann. Der Schaden war viel höher, als was er über Ebay einnahm. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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