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Pretzschendorfer "Impfzentrum" eröffnet

Zum Faschingsdienstag verkauft die Konditorei Sauer alkoholische Impfdosen - und die Pfannkuchen sehen auch nicht aus wie immer.

Kerstin Sauer und ihre Mitarbeiterin haben für ihre Pfannkuchen deutlich mehr Impfdosen vorbereitet als die Bundesregierung.
Kerstin Sauer und ihre Mitarbeiterin haben für ihre Pfannkuchen deutlich mehr Impfdosen vorbereitet als die Bundesregierung. © Egbert Kamprath

Rund - damit stimmte die Form im wesentlichsten Punkt schonmal überein. Für Chris und Kerstin Sauer, Inhaber der Konditorei Sauer in Pretzschendorf, war die optische Verwandtschaft des Faschingsgebäcks Pfannkuchen mit dem Corona-Virus augenscheinlich.

"Wir wollten die Situation mal aus einem anderen Blickwinkel betrachten", sagt Kerstin Sauer. "Und zu Fasching muss man die Politik auf die Schippe nehmen." Den Faschingskodex ernst zu nehmen, ist für Pretzschendorfer nun einmal Ehrensache.

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Schleppender Impfbeginn auf die Schippe genommen

Angetan mit roten Popcornstreuseln geht der Pfannkuchen in dieser Saison also als Coronavirus. Der Rest der Belegschaft geht als Impfteam - komplett mit Weißkittel und Häubchen: "Wir verkleiden uns jedes Jahr. Diesmal habe ich mir den Kittel bei der Apothekerin ausgeliehen", sagt Kerstin Sauer.

Ein wenig unheimlich wirkt die Pretzschendorfer Coronaverkleidung des Pfannkuchens schon. Eine große Nachfrage gibt es trotzdem.
Ein wenig unheimlich wirkt die Pretzschendorfer Coronaverkleidung des Pfannkuchens schon. Eine große Nachfrage gibt es trotzdem. © Egbert Kamprath

Die Bäckerei wird sich auch zum Faschingsdienstag noch einmal ins Pretzschendorfer "Impfzentrum" verwandelt. Geimpft wird allerdings nicht die Bevölkerung: "Das schafft unsere Regierung ja auch nicht", sagt Sauer. "Wir wollen den schleppenden Impfbeginn mal auf die Schippe nehmen."

Riesenansturm auf die Pfannkuchen

Stattdessen kann jeder die Impfung seines Pfannkuchens selbst vornehmen, wahlweise mit einer leckeren Fruchtmusfüllung oder einer alkoholhaltigen Creme. Die aufgezogene Spritze steckt im Gebäck. Schon am Rosenmontag haben die Mitarbeiter der Bäckerei Schwierigkeiten, noch ans Telefon zu gehen, weil die gebackenen Impflinge genauso begehrt sind wie die realen Impftermine.

"In der Faschingszeit fangen wir nachts zwei Uhr an zu arbeiten", sagt Kerstin Sauer. "Je nach Wetterlage und sonstigen saisonalen Einflüssen backen wir um die 3.000 normale und 1.000 besondere Pfannkuchen." In diesem Jahr weiß sie nicht so recht, wie sehr die Belegschaftstüten von Firmen für ihre Mitarbeiter nachgefragt werden. "Wir öffnen bereits 4.30 Uhr, wenn die Leute zur Frühschicht fahren und Pfannkuchen für das ganze Team mitnehmen. Aber wird das in Homeoffice-Zeiten auch so sein?"

Senffüllungen stoßen auf wenig Gegenliebe

Doch egal, wie viele Pfannkuchen geordert werden - dass sich Senf in der Spritze oder im Pfannkuchen versteckt, muss niemand mehr befürchten: "Das haben wir früher tatsächlich mal gemacht, aber da gab es dann doch zu viele Beschwerden."

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Letztes Jahr allerdings passierte ein Unfall: "Für unsere eigene Feier mit Freunden hatte ich ein Blech Pfannkuchen zurückgestellt, da waren auch welche mit Senffüllungen dabei." Irgendwann waren die regulären Pfannkuchen in der Bäckerei alle. Eine Angestellte entdeckte das Blech - und verkaufte fleißig. "Jeder, den es erwischt hatte, haben wir dann einen normalen Pfannkuchen als Entschädigung gegeben", sagt Kerstin Sauer.

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