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Was Solarworld mit den Zinnwald-Lithium-Aktien macht

Als der Solar-Konzern aus dem Lithium-Projekt herausgekauft wurde, bekam er auch 50 Millionen Aktien. Darüber stehen nun wichtige Entscheidungen an.

Hier liegt Bohrgestänge, mit dem die Deutsche Lithium den Untergrund bei Zinnwald erkundet hat. Damals war der Solarworld-Konzert noch mit im Boot. Das ist jetzt vorbei.
Hier liegt Bohrgestänge, mit dem die Deutsche Lithium den Untergrund bei Zinnwald erkundet hat. Damals war der Solarworld-Konzert noch mit im Boot. Das ist jetzt vorbei. © Egbert Kamprath

Im Juni hat sich der Solarworld-Konzern aus dem Lithiumprojekt in Zinnwald zurückgezogen. Dafür bezahlte Zinnwald Lithium 1,5 Millionen Euro und fast 50 Millionen Aktien. Eigentlich ist Solarworld damit raus. Bald fällt eine Entscheidung zu den Aktien - und das wiederum hat Einfluss auf das Zinnwalder Projekt.

Lithiumprojekt läuft auch ohne Solarworld weiter

Es war der Solarworld-Konzern, der vor elf Jahren begann, in Zusammenarbeit mit der TU Bergakademie Freiberg im Osterzgebirge nach Lithium zu suchen. Nach etlichen turbulenten Jahren ist der Konzern in Insolvenz, aber das Lithium-Projekt wird weitergeführt von dem Unternehmen Deutsche Lithium GmbH in Freiberg. Dieses ist hervorgegangen aus der Solarworld-Tochter Solicium GmbH.

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Solarworld war noch bis vergangenen Juni mit im Boot und hielt die Hälfte der Anteile an der Deutschen Lithium. Die andere Hälfte hielt erst die kanadische Bergbaufirma Bacanora Minerals und seit letztem Jahr die Zinnwald Lithium plc mit Sitz in London. Dem Solarworld-Insolvenzverwalter Horst Piepenburg waren die Hände gebunden. Er konnte nur noch verwalten, nichts neu investieren. In das Lithium-Projekt investiert hat in erster Linie Bacanora.

Solarworld aus dem Zinnwald-Projekt herausgekauft

Das Lithium-Projekt ist aber ein Kraftakt. Über 150 Millionen Euro müssen die Initiatoren einsammeln, um überhaupt starten zu können. Auf diese Summe wurden die Kosten für den Aufbau von Bergwerk und Aufbereitung geschätzt. Die aktuellen enormen Steigerungen von Material- und Baupreisen sind dabei noch gar nicht eingerechnet.

Und für einen solchen Kraftakt ist es schlecht, wenn einer der beteiligten Partner sozusagen fußlahm ist. Deswegen hat die Zinnwald Lithium vor zwei Monaten den Solarworld-Konzern aus dem Lithium-Projekt herausgekauft. Die Zinnwald Lithium plc ist seither alleinige Eigentümerin der Deutsche Lithium GmbH. Dafür hat sie 1,5 Millionen Euro Geld überwiesen und Solarworld bekommt knapp 50 Millionen Aktien der Zinnwald Lithium. Die Summe klingt enorm. Aber dazu muss man wissen, dass am Dienstagnachmittag eine solche Aktie 31 Cent wert war.

Jetzt muss eine Entscheidung über die Aktien fallen

Nun ist die Frage: Was macht Solarworld mit den Aktien? Damit sollen Gläubiger ausgezahlt werden, die von Solarworld noch Geld bekommen. Dazu gehören die Käufer von Unternehmensanleihen. Zwei solche Anleihen hat Solarworld auf den Markt gebracht. Die Inhaber der einen sollen rund 26 Millionen Aktien bekommen, die der anderen rund neun Millionen Aktien. Die werden derzeit von der Rechtsanwaltskanzlei Alexander Elsmann und dem Beratungsunternehmen G&P in München verwaltet. Sie werden als gemeinsamer Vertreter bezeichnet. Der Rest der Aktien bleibt beim Solarworld-Verwalter.

Vorschlag: Aktien nur an große Käufer weitergeben

Der gemeinsame Vertreter könnte die Aktien einfach an alle verteilen, die eine Solarworld-Anleihe gekauft haben, entsprechend der Höhe der Anleihe. Aber dafür schreibt das Gesetz vor, einen Wertpapierprospekt aufzustellen. Das wäre eine Arbeit für Spezialisten und eine teure Angelegenheit.

Daher schlagen die gemeinsamen Vertreter vor, dass nur eine bestimmte Gruppe von "großen" Anleihekäufern Aktien bekommt. Das wären solche, die einen Anspruch auf Aktien im Wert von mindestens 100.000 Euro haben, oder die sogenannte qualifizierte Anleger sind. Damit sind Profis im Umgang mit Aktien gemeint wie Banken, Versicherungen, Fonds oder große Unternehmen. Der Rest der Aktien sollte verkauft werden und dann der Erlös ausgezahlt werden. Das hätte einen Vorteil auch für die Kleinen, argumentieren die Vertreter. Wenn viele Aktien einer Firma plötzlich an der Börse angeboten werden, sinken die Kurse. Je mehr Aktien aber vorher an die Profis gehen, desto geringer fällt dieser mögliche Verlust aus.

Schlecht für Zinnwald wäre, wenn keine Entscheidung fällt

Für welchen Weg sie sich entscheiden, können die Besitzer einer der Solarworld-Anleihen im September entscheiden. Dazu wird eine sogenannte Abstimmung ohne Versammlung organisiert. In der Zeit vom 9. September bis 13. September müssen sie per Post, Fax oder E-Mail an die G&P in München mitteilen, wie sie abstimmen wollen. Eigentlich hat das Ergebnis dieser Abstimmung keine Auswirkung auf Zinnwald Lithium und das Vorhaben im Osterzgebirge.

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Aber wenn keine Entscheidung zustande kommt, dann müssen die gemeinsamen Vertreter die Aktien schnell verkaufen. In der Mitteilung an die Anleihekäufer heißt es, dass sie „weder berechtigt sind noch bereit, diese längerfristig zu halten und zu verwalten.“ Das könnte bedeuten, dass die Aktienkurse von Zinnwald Lithium an der Börse nach unten gehen. Ein solcher Kursrückgang würde dem Bergbauprojekt auf jeden Fall nicht weiterhelfen.

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