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Hoch- oder Tiefwasser in der Lehnmühle?

Warum baut die Talsperrenverwaltung die Lehnmühl-Talsperre für ein Jahrtausendhochwasser aus, wenn seit Jahren zu wenig Wasser darin ist?

Die Talsperre Lehnmühle hat inzwischen wieder einen fast normalen Wasserstand.
Die Talsperre Lehnmühle hat inzwischen wieder einen fast normalen Wasserstand. © Egbert Kamprath Egbert Kamprath

Im Sommer war wieder die alte Brücke zu sehen. Die Reste des Dörfchens Steinbrückmühle steigen immer dann aus der Wasseroberfläche der Talsperre Lehnmühle, wenn der Wasserspiegel sehr niedrig steht. Seit es 1932 nach dem Bau der Staumauer an der Wilden Weißeritz überschwemmt wurde, war das einige Male der Fall.

Doch seit 2014 lässt die sächsische Landestalsperrenverwaltung genau diese Staumauer mit rund 2,57 Millionen Euro für Hochwasser ertüchtigen, wie sie Sachsen im Sommer 2002 so verheerend erlebte - und noch stärkere.

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Baumaßnahmen leiten Wasser schneller weiter

In dem Tosbecken, in dem das Wasser hinter der Mauer als erstes ankommt, wurden parallel angeordnete Steinstufen eingebaut. Sie beugen Verwirbelungen vor und leiten große Wassermassen schneller weiter ins Flussbett der Wilden Weißeritz.

Auch die Öffnung am Grund der Staumauer, über die gegebenenfalls der Stausee abgelassen werden kann, und die bogenförmigen Wehrfelder im oberen Teil der Staumauer wurden dafür ausgelegt, größere Wassermassen passieren zu lassen. Ende Oktober vermeldete die Talsperrenverwaltung: "Somit kann die Anlage auch außergewöhnlich großen Wassermassen, wie einem 10.000-jährlichen Hochwasser standhalten."

Da erscheint es wie eine kleine Ironie der Geschichte, dass die Lehnmühl-Talsperre selten so leer war wie in den letzten beiden Jahren. Und zwar nicht, weil Wasser für die Bauarbeiten abgelassen werden musste - es hatte schlicht zu wenig geregnet.

Wasserpegel hat nicht nur mit Niederschlägen zu tun

Im Sommer war wieder die alte Steinbrücke des Dörfchens Steinbrückmühle zu sehen.
Im Sommer war wieder die alte Steinbrücke des Dörfchens Steinbrückmühle zu sehen. © Egbert Kamprath

Doch ganz so einfach lässt sich der Füllstand der Lehnmühl-Talsperre dann auch wieder nicht erklären. Sie ist Teil eines größeren Trinkwassersystems, zu dem auch die Talsperre Klingenberg und der Talsperrenverbund Rauschenbach, Oberer Großhartmannsdorfer Teich und Lichtenberg gehören.

Alle zusammen sind für 60 Prozent des Wasserbedarfs der Stadt Dresden und für 100 Prozent des Versorgungsgebietes Freital zuständig, schreibt Katrin Schöne, Pressesprecherin der Landestalsperrenverwaltung.

Um die Wasserqualität zu sichern - und nicht durch bodennahe Wasserschichten mit mehr Rückständen zu verunreinigen - gibt die Rohwasser-Talsperre Lehnmühle ihr Wasser an die Trinkwasser-Talsperre Klingental weiter, wenn dort der Pegel zu tief steht.

Lehnmühlwasser ist Teil des Dresdner Trinkwassers

Als Staubecken der Wilden Weißeritz ist die Lehnmühltalsperre zudem ein Baustein des Hochwasserschutzes, der sich ebenfalls über viele Zwischenstufen bis nach Dresden auswirkt. Sie selbst kann sieben Millionen Kubikmeter Wasser zurückhalten, die Talsperre Klingenberg nochmals zwei Millionen.

Die Talsperre Malter wiederum nimmt rund vier Millionen Kubikmeter Wasser der Roten Weißeritz auf. Zur Erinnerung: 2002 hatten die Wilde und die Rote Weißeritz im Verbund in Dresden für die dramatischen Bilder gesorgt, die beispielsweise den überschwemmten Zwinger zeigten.

Und noch eine regionale Funktion erfüllt die Lehnmühl-Talsperre seit ihrer Einrichtung vor knapp neunzig Jahren: Sie dient den örtlichen Netzbetreibern nach wie vor zur Stromerzeugung. "Und mit einer ständigen Mindestwasserabgabe von 30 Litern Wasser pro Sekunde schützt sie die Tier- und Pflanzenwelt im Unterlauf vor dem Austrocknen", schreibt Katrin Schöne außerdem.

Hochwasser sind wahrscheinlicher denn je

Ganz fertig ist die Landestalsperrenverwaltung noch nicht mit ihren Bauarbeiten: "Das obere Drittel der Staumauer auf der Wasserseite muss noch Instand gesetzt werden", so Schöne, "dafür muss der Wasserspiegel abgesenkt werden."

Derzeit jedoch ist die Talsperre gut gefüllt. Anders als 2018 und 2019 fielen die Niederschlagsmengen im Osterzgebirge zumindest bis zum Herbst 2020 durchschnittlich aus und sorgten letztlich dafür, dass die Steinbrücke wieder versank.

Die Wetterstatistik zeigt aber auch: Anders als früher fallen die Niederschläge jetzt oft lokal begrenzt und in kurzer Zeit. So versickert der Regen nicht, sondern schießt in die Bach- und Flussbetten. Eine hochwassersichere Talsperre ist somit wichtiger denn je.

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