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Wie Glashütte zum Weltruhm kam

Seit 175 Jahren werden im Müglitztal Zeitmesser gebaut. Das Uhrenmuseum zeigt die Anfänge und schlägt den Bogen in die Jetztzeit.

Museumsleiter Ulf Molzahn zeigt das älteste Exponat der neuen Sonderausstellung, eine 1848 gebaute Taschenuhr der Firma Lange.
Museumsleiter Ulf Molzahn zeigt das älteste Exponat der neuen Sonderausstellung, eine 1848 gebaute Taschenuhr der Firma Lange. © Egbert Kamprath

Obwohl Glashütte heute nicht mal 7.000 Einwohner hat, ist die Stadt in der ganzen Welt bekannt. Nicht nur Uhrenfans bringen den Namen der Stadt mit feinen, nicht ganz billigen Zeitmessern in Verbindung, sondern auch jene, die sich die Uhren nicht leisten können oder wollen. Im Deutschen Uhrenmuseum wird jetzt erklärt, wie die Stadt zu ihrem Weltruhm kam. Die neue Sonderausstellung "Wie alles begann" widmet sich den Anfängen der Glashütter Uhrenindustrie vor genau 175 Jahren. 

Damals ließ sich der Dresdner Ferdinand Adolph Lange in der Stadt nieder. Mit den Erfahrungen, die er als junger Uhrmachermeister in der Schweiz und in Frankreich gesammelt hat, und mit finanzieller Unterstützung des sächsischen Innenministeriums, baute er in Glashütte eine Uhrenmanufaktur auf. Das Königreich hoffte, dass die von Kriegen, Missernten und vom Niedergang des Bergbaus gebeutelte Region mit dieser Industrie eine neue Perspektive bekommt. Die hätte auch Zwickau, Johanngeorgenstadt, Geyer und Altenberg bekommen können. Denn auch diese Städte waren für eine Ansiedlung im Gespräch. Dass sich das Königreich für Glashütte entschied, lag wohl an den damaligen Stadtvätern, die ein "lebhaftes Interesse" an der Ansiedlung zeigten. Für Glashütte sprach aber auch die "abgelegene Gebirgslage", die Lange an die Schweizer Orte erinnerten, in denen Uhren hergestellt wurden, sowie die niedrigen Löhne, die damals hier gezahlt wurden. Ähnliches hatte Altenberg auch zu bieten - doch Lange entschied sich aufgrund der größeren Nähe zu seiner Heimatstadt Dresden für Glashütte. Nachzulesen ist das gleich zu Beginn der Ausstellung.

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Das ist das Dokument des sächsischen Innenministeriums, das zeigt, warum man sich 1845 für die Stadt Glashütte als Standort für die Uhrenindustrie in Sachsen entschieden hat.
Das ist das Dokument des sächsischen Innenministeriums, das zeigt, warum man sich 1845 für die Stadt Glashütte als Standort für die Uhrenindustrie in Sachsen entschieden hat. © Egbert Kamprath

Für Ulf Molzahn ist diese Ausstellung etwas ganz Besonderes. Es ist seine erste, die er als Leiter des Uhrenmuseums eröffnen darf. Zum 1. September übernahm er diesen Posten. Anders als sein Vorgänger Reinhard Reichel, der jede der über 500 Uhren des Museums zu seinen Lieblingsuhren erklärte, hat Molzahn bisher nur eine. Und die ist in der neuen Schau zu sehen: Es ist eine Taschenuhr aus dem Jahr 1848, angefertigt in der Manufaktur von Ferdinand Adolph Lange. Es ist die älteste Uhr, die das Museum aus Glashütter Produktion im Besitz hat. Auf der ganzen Welt gibt es nachweislich nur drei Glashütter Uhren, die älter sind, sagt Jürgen Franke, der als Kurator die Ausstellung mit konzipiert hat. Dem Museum ist es nicht gelungen, eine dieser Uhren nach Glashütte zu holen. 

Die Glashütte Uhrenindustrie hat vier Gründerväter: Ferdinand Adolph Lange, Julius Assmann, Moritz Grossmann und Adolf Schneider.
Die Glashütte Uhrenindustrie hat vier Gründerväter: Ferdinand Adolph Lange, Julius Assmann, Moritz Grossmann und Adolf Schneider. © Egbert Kamprath

Dafür gaben andere ihre Uhren als Leihgaben her. Und die sind nicht minder wertvoll. Schließlich stammen sie alle aus der Anfangszeit. "Eine Ausstellung in dieser Form wird es so schnell nicht wieder geben", sagt Molzahn. In der neuen Schau sind 28 historische Uhren zu sehen. Dabei handelt es sich um Taschenuhren mit silbernem Gehäuse. Das macht sie für manche Besucher für nicht so wertvoll. Uhrenkenner sehen das anders. Denn es geht um die inneren Werte. "Die Präzision einer Uhr geht vom Uhrwerk aus, egal in welchem Gehäuse sie steckt", sagt Franke. Das machte die Uhren mit Silbergehäuse damals so wertvoll. Nur wenige konnten sich zu jener Zeit diese Uhren damals leisten. Dazu zählten Fabrikanten, Adelige und andere gut Betuchte. Nur die hatten das Geld für den Kauf einer Taschenuhr, sagt Franke. Die in Glashütte gefertigten Uhren selbst wurden mit den Jahren immer präziser. 

In sechs Abschnitten und mit 28 Uhren zeigt das Museum, wie die Glashütter das Uhrwerk weiterentwickelt haben und welche besonderen Merkmale sie schufen. Diese kommen noch heute immer wieder gern zur Anwendung. Dazu gehören der Sonnenschliff, die Dreiviertelplatine, die Goldchattons mit Lagersteinen, der Glashütter Ankergang, das Glashütter Gesperr, die Schwanenhalsfeder und die gebläuten Schrauben.

So sieht die 1848 geschaffene Taschenuhr aus der Manufaktur Lange aus der Nähe aus.
So sieht die 1848 geschaffene Taschenuhr aus der Manufaktur Lange aus der Nähe aus. © Egbert Kamprath

Trotz einiger Rückschläge hatten die Glashütter Uhrmacher 25 Jahren nach der Eröffnung der ersten Manufaktur einen Stand erreicht, der für die folgenden Jahrzehnte maßgeblich war. Es war aber nicht nur ein Verdienst von Ferdinand Adolph Lange. Auch die Unternehmer Julius Assmann, Moritz Grossmann und Adolf Schneider, die ebenfalls Uhren bauten, haben einen Anteil am Aufstieg dieses Industriezweigs. Denn obwohl es zwischen den Unternehmern verwandtschaftliche Beziehungen gab, habe es auch Wettbewerb gegeben, sagt Kurator Franke.

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"Schon damals galt, Konkurrenz belebt das Geschäft." Diese Dynamik blieb und sorgte dafür, dass die Uhrenindustrie über die vielen Jahre in Glashütte erfolgreich blieb. Das Museum zeichnet nicht nur die ersten 25 Jahre nach, sondern schlägt einen Bogen in die Gegenwart. In der Mitte des Raums steht eine Vitrine, in der je ein Uhrwerk der neun, zurzeit in Glashütte tätigen Uhrenhersteller gezeigt wird - alphabetisch geordnet von Bruno Söhnle bis Wempe. "So nah waren die Uhrwerke dieser Firmen wohl noch nicht zusammen", sagt Molzahn und lächelt dabei. 

Glashütter Uhren – Wie alles begann, 18. September-18. April 2021, Mittwoch bis Sonntag, jeweils 10 – 17 Uhr (auch an Feiertagen).

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