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Urteil: Stieftochter sexuell missbraucht

Ob sich der Angeklagte vor mehr als 20 Jahren an der damals 13-Jährigen vergriff, klärte das Amtsgericht Dippoldiswalde. Dafür musste auch das Opfer aussagen.

© Egbert Kamprath

Von Anne Schicht

Erst nach vielen Jahren hat die heute 35-jährige Frau eine Anzeige bei der Polizei erstattet. Ihr Freund habe sie darin bestärkt, so erklärt die zierliche Frau am Mittwoch vor dem Amtsgericht Dippoldiswalde.

Mit sichtlicher Kraftanstrengung und leiser Stimme fasst sie in Worte, was ihr als 12- oder 13-Jährige in den Sommerferien passiert sei. Es sei toll, in einem Lkw mitzufahren, so sei ihr eine Fahrt mit ihrem Stiefvater nach Italien schmackhaft gemacht worden. Der war Fernkraftfahrer und viel unterwegs. Gern sei sie mitgekommen.

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An einem Abend hätten sie vor einem Firmengelände geparkt, das sei kein Rastplatz gewesen. Sie war im Bett und habe in T-Shirt und Slip schon geschlafen. Dann sei er gekommen, habe ihr den Slip ausgezogen und versucht in sie einzudringen. Dabei sei er aber abgerutscht und habe das nicht noch einmal versucht.

Stattdessen habe er sie mit der Hand stimuliert. Das habe sie auch sehr erregt. Sie habe aber gar nicht gewusst, was da mit ihr passiert sei. Von Sexualität habe sie noch keine Ahnung gehabt. Dann habe ihr Stiefvater zu ihr gesagt: „Zum Glück ist nichts passiert. Du weißt ja, was sonst passieren könnte.“

Mutter glaubt dem Mädchen nicht

Mit ihrem Stiefvater habe sie am nächsten Tag nicht darüber geredet, sie sei ganz durcheinander gewesen. Zu Hause habe sie dann aber einen Brief geschrieben, eher wie ein Tagebucheintrag ohne direkte Anrede und den unter ihr Kopfkissen gesteckt.

Mit ihrer Mutter habe sie sich nicht getraut zu reden, aus Angst, sie würde ihr nicht glauben. Zwar habe die Mutter den Brief dann etwas später beim Beziehen der Betten gefunden, aber eher säuerlich-angefressen reagiert.

Als dann ihr Stiefvater nach Hause gekommen sei, sei er in ihr Zimmer gekommen und habe zu ihr gesagt, wenn sie das nicht zurücknehmen würde, müssten die Kinder ins Heim und die Mutter aus der Wohnung raus.

Stiefvater streitet die Tat ab

Später als Erwachsene habe er sie immer wieder versucht anzufassen, mit beiden Händen ihre beiden Brüste berührt. Das sei zwar nicht bei jedem Besuch passiert, aber doch regelmäßig. Warum sie trotzdem ihre Mutter und ihren Stiefvater weiterhin besucht habe, will Richterin Daniela Höllrich-Wirth wissen. „Wegen meiner Kinder bin ich immer wieder hin. Meine Mutter wollte ja auch ihre Enkelkinder sehen“, entgegnet die Stieftochter des Angeklagten.

Der schüttelt den Kopf und streitet alles ab. Die Italienfahrt hätte stattgefunden und im Bett sei es eng gewesen. Aber so etwas würde er nie machen. Auch die Mutter bezichtigt ihre Tochter der Lügen. Einen solchen Brief hätte sie zwar gelesen, aber ihre Tochter habe das selbst zurückgenommen. Da wäre für sie der Fall erledigt gewesen. „Das ist das Schlimmste für mich“, erklärt die Geschädigte im Gerichtssaal, „dass meine Mutter nicht zu mir hält.“

Urteil: 15 Monate ohne Bewährung

Dem Gericht liegt der Brief nicht vor. Damit steht Aussage gegen Aussage. Eine Gutachterin macht aber anhand mehrerer Kriterien klar, dass die Erinnerungen der Geschädigten real und glaubwürdig sind. Die Verteidigerin zweifelt die Aussagen der Stieftochter trotzdem an und vermutet, dass diese sich in der Pubertät Ereignisse im Kopf zurechtgebastelt habe. Sie plädiert für einen Freispruch.

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Das überzeugt die Schöffen und die Richterin nicht. Sie glauben der Geschädigten und der Gutachterin. Der 59-jährige Angeklagte wird zu einem Jahr und drei Monaten Freiheitsentzug ohne Bewährung verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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