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Radfahrerfalle an B 170 schnappt wieder zu

Seit dem Wiederaufbau quert die Weißeritztalbahn in Dippoldiswalde-Ulberndorf in spitzem Winkel die Straße. Eine Gefahr für Radfahrer.

So mit der Bimmelbahn sieht es ganz idyllisch aus. Aber erst vor Kurzem ist hier in Ulberndorf am Bahnübergang ein Radfahrer so schwer gestürzt, dass sogar der Bahnverkehr behindert wurde.
So mit der Bimmelbahn sieht es ganz idyllisch aus. Aber erst vor Kurzem ist hier in Ulberndorf am Bahnübergang ein Radfahrer so schwer gestürzt, dass sogar der Bahnverkehr behindert wurde. © Karl-Ludwig Oberthür

Carsten Börner, der Leiter der Ortsfeuerwehr im Dippser Ortsteil Ulberndorf, hat ernste Bedenken wegen dem Bahnübergang in seinem Ort. Hier quert die Weißeritztalbahn in spitzem Winkel die Bundesstraße B 170, und diese Bahngleise haben sich sofort nach dem Bau als Radfahrerfalle herausgestellt. Die schlägt immer wieder zu.

Dieses Jahr schon mehrere Stürze am Bahnübergang

Auch jetzt sind schon wieder mehrere Radfahrer verunglückt. „Ich bekomme das ja nicht alles mit, aber fünf waren es dieses Jahr mit Sicherheit schon, die dann auch im Krankenhaus behandelt werden mussten“, sagt Börner. „Es darf doch nicht erst jemand hier ums Leben kommen!“ Denn auf der Bundesstraße herrscht reger Verkehr. Wenn dort einmal ein Radfahrer vor einen Lkw stürzt, bleibt es nicht unbedingt bei Abschürfungen, Fleischwunden oder Knochenbrüchen, wie bisher. Nach Angaben der Stadt sind am Bahnübergang dieses Jahr bisher vier Unfälle erfasst worden, davon drei mit Fahrrädern.

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Wer mit dem Vorderrat einmal in die Schienen geraten ist, kann nicht mehr lenken und nicht mehr das Fahrrad ausbalancieren. Ein Sturz ist so gut wie unvermeidlich.
Wer mit dem Vorderrat einmal in die Schienen geraten ist, kann nicht mehr lenken und nicht mehr das Fahrrad ausbalancieren. Ein Sturz ist so gut wie unvermeidlich. © Egbert Kamprath
Dieses Schild hat die Stadtverwaltung nach den ersten Stürzen aufgebaut. Wie Anwohner berichten, hat es auch funktioniert. Es gab in dieser Zeit keine Stürze. Aber das Schild war nicht vorschriftsgemäß und wurde deswegen wieder abgebaut.
Dieses Schild hat die Stadtverwaltung nach den ersten Stürzen aufgebaut. Wie Anwohner berichten, hat es auch funktioniert. Es gab in dieser Zeit keine Stürze. Aber das Schild war nicht vorschriftsgemäß und wurde deswegen wieder abgebaut. © Egbert Kamprath

Behörden schieben den schwarzen Peter weiter

Aber die zuständigen Behörden schieben hier den schwarzen Peter von Schreibtisch zu Schreibtisch. Die Stadt Dippoldiswalde ist ja Große Kreisstadt und hat deswegen ein eigenes Verkehrsamt. Von dort kommt die Antwort: „Seit Ende des Jahres 2020 ist dieser Bereich bei der Unfallkommission aufgenommen worden, welche durch das städtische Verkehrsamt geleitet wird.“ Ganz offenbar ist also schon vergangenes Jahr hier außergewöhnlich viel passiert, sonst würde sich die Unfallkommission ja nicht damit beschäftigen.

Rathaus wandte sich an das Landesamt für Straßenbau

Die Stadtverwaltung verweist auf ihre bisherigen Aktivitäten: „Es wurden Tafeln und Hinweisschilder sowie das Verkehrszeichen `Verbot für Radverkehr´ aufgestellt. Anhand der Absprachen und Maßnahmen der Stadtverwaltung gemeinsam mit der Polizei sind die kommunalen Möglichkeiten ausgeschöpft.“ Das Dippser Rathaus hat sich wegen weiterer Maßnahmen an das Landesamt für Straßenbau und Verkehr gewandt. Das ist für die Bundesstraße verantwortlich.

Landesamt erklärt, was es alles nicht kann

Die Polizei stellt ganz trocken fest: „Bei diesem Bahnübergang handelt es sich um eine Unfallhäufungsstelle. Diese ist bei der zuständigen Unfallkommission in Bearbeitung. Auskünfte zum Stand und Maßnahmen gibt die Straßenverkehrsbehörde der Stadt Dippoldiswalde, welche den Vorsitz der Kommission hat."

Das Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) will von der Geschichte auch nicht viel wissen. Sein Sprecher Franz Grossmann bestätigt die Aktivitäten der Stadt und stellt eine Rückmeldung in Aussicht. Was da drinstehen wird, verrät sein Amt noch nicht. Außerdem erklärt er, was das Lasuv alles nicht kann. Es darf keine verkehrsrechtlichen Maßnahmen ergreifen, sprich Schilder aufstellen. Es darf auch keine baulichen Veränderungen im Gleisbereich vornehmen. Das Eisenbahnkreuzungsgesetz regelt, dass dafür die Sächsische Dampfeisenbahngesellschaft verantwortlich ist.

Gar nicht mehr mit der Bahn gerechnet

Die hat das Problem schon vor Jahren geprüft, als es zum ersten Mal aufgetreten ist. „Wir haben mit unserer Aufsichtsbehörde mehrere technische Lösungen betrachtet, aber keine hätte das Problem der Spitzwinkligkeit gelöst“, sagt Mirko Froß, Betriebsleiter der Weißeritztalbahn. Die Bahn muss in Ulberndorf die B 170 überqueren. Die alte Querung funktionierte nicht mehr, weil die Brücke größer gebaut wurde und da fand sich keine andere Lösung. „Es war aber schon in der Planfeststellung festgelegt, dass an dieser Stelle kein Fußgänger- und Radverkehr ist“, sagt Froß. „Es ist eine Frage der Ausschilderung, dass dieser Verkehr hier vorbeigeleitet wird.“

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Froß versteht nicht, warum das Problem mit dem Radweg nicht beim Ausbau der Bundesstraße Anfang der 2010er-Jahre mit gelöst wurde. "Vielleicht hat man damals gar nicht damit gerechnet, dass die Bahn jemals wieder fährt", vermutet er. Wenn die Stadtverwaltung, damals unter OB Ralf Kerndt (Freie Wähler), seinerzeit darauf geachtet hätte, gäbe es heute ein Problem weniger.

Wo das Problem liegt und wie es dazu kam

Die Weißeritztalbahn wurde beim Wiederaufbau etwas verlegt, weil für den Hochwasserschutz die Brücke über die Weißeritz vergrößert wurde. Nun quert die Bahn in spitzem Winkel die Bundesstraße, und das ist für Fahrradfahrer kreuzgefährlich. Das zeigte sich sofort nach Ende des Baus im August 2017. Nach wenigen Tagen gab es die ersten schweren Stürze.

Das Problem besteht nur für Radfahrer, die von oben kommen und Richtung Dippoldiswalde fahren. Wegen des Gefälles sind sie schneller unterwegs als in der Gegenrichtung. Außerdem macht die Straße hier eine leichte Kurve, sodass die Gefahr, mit dem Vorderrad in die Schienen zu geraten, größer ist als in der Gegenrichtung. Dort von Dipps nach Schmiedeberg sind keine Probleme bekannt.

Nach dem ersten Auftreten des Problems reagierte die Stadtverwaltung Dippoldiswalde 2017 mit einem improvisierten großen Schild, das auf die Gefahr hinwies, aber nicht den Vorschriften entsprach. Nun gibt es regelgerechte Schilder, die die Radfahrer auf eine kleine Umleitung durch Wohnstraßen in Ulberndorf verweisen. Hier müssen sie zwar auch einmal die Gleise queren, aber an einer Stelle, wo das im rechten Winkel erfolgt und daher ungefährlich ist. Am Bahnübergang selbst steht ein eindeutiges Schild, das ihn für Radfahrer sperrt. Allerdings ist es an dieser Stelle schon zu spät. Denn es gibt auch keinen Gehweg, den die Radfahrer nutzen könnten, wenn sie hier tatsächlich absteigen würden.

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