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Das schlechteste Stück Straße zwischen Dresden und Rehefeld

Der Molchgrund in Schmiedeberg ist ein marodes Stück Straße, das seinesgleichen sucht. Aber das muss eigentlich nicht so sein.

Von Franz Herz
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Eine typische Straßenszene im Molchgrund in Schmiedeberg. Eine Fußgängerin drückt sich an den Straßenrand, ein Transporter weicht auf die Gegenfahrbahn aus.
Eine typische Straßenszene im Molchgrund in Schmiedeberg. Eine Fußgängerin drückt sich an den Straßenrand, ein Transporter weicht auf die Gegenfahrbahn aus. © Egbert Kamprath

Die Staatsstraße S183 beginnt in Dresden, wo sie von der Bundesstraße B172 abbiegt. Dann führt sie über knapp 40 Kilometer hoch ins Erzgebirge bis zum Altenberger Ortsteil Rehefeld. Das schlechteste Stück Straße auf dieser Strecke dürfte der Molchgrund in Schmiedeberg sein. Das sind die rund 500 Meter vom Ortseingang Schmiedeberg aus Richtung Oberfrauendorf bis zur Kreuzung mit der Bundesstraße B170.

Schwere Bautransporter und Schulbusse fahren durch

Dieser Abschnitt ist in einem miserablen Zustand und daran ändert sich seit Jahrzehnten nichts. Das ärgert die Anwohner und auch andere Schmiedeberg. Mehrfach sprachen sie das Problem an, als sie zur Redaktion auf Rädern von Sächsische.de und Sächsischer Zeitung kamen. „Es ist ein unhaltbarer Zustand“, sagte Falko Uyma. Eine Tempo-30-Regelung hat das Verkehrsamt im Landratsamt hier schon vor Jahren abgelehnt. „Inzwischen ist der Straßenzustand so schlecht, dass doch Tempo 30 gilt“, merkt Uyma sarkastisch an. Ronny Lehnert fände aber dennoch ein Tempo-30-Schild hier für angebracht. „Hier fahren ja 23-Tonner mit Baumaterial durch oder Schulbusse“, beobachtet er.

Was ein ordentliches Schlagloch ist, lässt sich hier in Schmiedeberg beobachten.
Was ein ordentliches Schlagloch ist, lässt sich hier in Schmiedeberg beobachten. © Egbert Kamprath
Im Gegenlicht zeigt sich deutlich der Flickenteppich auf der Staatsstraße im Molchgrund in Schmiedeberg.
Im Gegenlicht zeigt sich deutlich der Flickenteppich auf der Staatsstraße im Molchgrund in Schmiedeberg. © Egbert Kamprath

Der Ortschaftsrat beschäftigt sich auch immer wieder mit dem Thema und will auch nicht lockerlassen. „Wir haben schon über die Landtagsvizepräsidenten Andrea Dombois angefragt und eine abschlägige Antwort bekommen“, sagt Ortsvorsteher Maik Biber. Jetzt sei kein Geld mehr da. Aber im Molchgrund wurde seit Jahrzehnten nichts gemacht, nicht einmal eine neue Straßendecke hat dieser Straßenabschnitt bekommen. Das hat eigentlich fast jedes Dorf entlang der Straße.

Landesamt für Straßenbau und Verkehr kennt das Problem

Zuständig ist für diese Straße das Landesamt für Straßenbau und Verkehr. Dieses macht im Moment aber keine Hoffnung darauf, dass sich die Situation im Molchgrund bald verbessert. Die Probleme sind durchaus bekannt. „Geringe und wechselnde Fahrbahnbreiten, fehlende Gehwege“, zählt das Amt schon selbst auf. Hier mit Flicken anzufangen, bringt nichts. Um eine wirkliche Verbesserung zu erreichen, müssten diese 500 Meter von Grund auf ausgebaut werden.

Die Straße ist in der dritten Reihe eingeordnet

Aber die S183 ist in der Strategie für den Ausbau und die Erhaltung der Staatsstraße in der dritten Reihe eingeordnet. Andere Straßen gehen vor. Es sei zu wenig Verkehr auf der Straße, auch ein geringer Anteil an Schwerverkehr. Die Straßenmeisterei wird sich weiter um den Unterhalt und die Instandsetzung kümmern, stellt das Landesamt in Aussicht, mehr aber nicht.

Für die Schmiedeberger und die Stadt Dippoldiswalde bleibt vorerst also nicht viel mehr, als immer wieder auf diesen Missstand hinzuweisen. Denn entlang der Staatsstraße S183 hat sich in den vergangenen Jahren viel getan. Warum sollte ausgerechnet dieses kurze Stück gar nicht an die Reihe kommen?

Wie sich die kleine Schwester der B170 entwickelte

Als Verbindung von Dresden ins Osterzgebirge ist die Staatsstraße S183 eine touristisch wichtige Verbindung. Vor dem Bau der Autobahn, war sie oft eine wichtige Ausweichstrecke, wenn sich auf der B170 wieder mal kein Rad drehte. Manche Dresdner schätzen aber auch diesen Weg zu einem Ausflug ins Gebirge, wenn sie nicht die Hauptverbindungen über die Autobahn oder die Bundesstraße nehmen wollen. Gerade an schönen Wochenendtagen herrscht auf der S183 viel Verkehr. Es ist sozusagen die kleine Schwester der B170.

Schwachstelle dieser Straße waren einst die vielen Ortsdurchfahrten. Die hat der Freistaat im Lauf der Jahre jedoch Schritt für Schritt in Ordnung gebracht. Auch Schmiedeberg hat davon profitiert, aber eben nicht im Molchgrund. In den Jahren 2007 und 2008 hat die Firma Teichmann den Straßenabschnitt im Pöbeltal von Grund auf erneuert und einen Fußweg gebaut. Im Zuge des Dammbaus im Pöbeltal ist auch die Straße, die hier in einem Durchlass durch den Hochwasserschutzdamm führt, erneuert worden.

In Niederfrauendorf sind vor etlichen Jahren zwei Stützmauern erneuert worden. Die gefährliche Kreuzung mitten im Ort hat im vergangenen Jahr einen Mini-Kreisverkehr bekommen, der sich nach anfänglichen Diskussionen gut eingespielt hat. Auch die Ortsdurchfahrt in Oberfrauendorf hat eine neue Straßendecke erhalten. Zwischen den Orten sind die Straßendecken ebenfalls großteils erneuert. Beispielsweise hat der Abschnitt von Oberfrauendorf bis Schmiedeberg 2018 neuen Asphalt bekommen und ist auch neu gestaltet worden mit einem markierten Randstreifen für den Radverkehr.

Die Ortsdurchfahrt von Reinhardtsgrimma war ähnlich schwierig wie im Molchgrund, eng, kurvenreich und ohne Fußwege. 2016 und 2017 hat das Straßenbauamt diesen Abschnitt ausgebaut. 2008 bereits ist südlich von Lungkwitz die Brücke über die Lockwitz erneuert werden. Es wäre wirklich unverständlich, wenn auf dieser Straße, die so Schritt für Schritt ausgebaut wurde, das Teilstück im Molchgrund einfach vergessen würde.

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