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Talsperre fit für Jahrtausend-Hochwasser

Die Staumauer Lehnmühle wurde für 2,5 Millionen Euro ertüchtigt. An der Wilden Weißeritz lebt es sich nun sicherer. Risiken bleiben trotzdem.

Die Talsperre Lehnmühle ist jetzt sicherer denn je.
Die Talsperre Lehnmühle ist jetzt sicherer denn je. © Karl-Ludwig Oberthür

Die Talsperre Lehnmühle im Osterzgebirge kann jetzt außergewöhnlich großen Wassermassen - wie sie bei einem 10.000-jährlichen Hochwasser anfallen - standhalten. Einen solchen Fall gäbe es, wenn alle denkbaren ungünstigen Bedingungen zu einem einzigen Zeitpunkt zusammentreffen, die rein rechnerisch in 10.000 Jahren einmal vorkommen. Für dieses Szenario hat der Freistaat jetzt die Talsperre ertüchtigt und rund 2,5 Millionen Euro in den Umbau investiert. 

Nun könnte man fragen, warum sich Sachsen jetzt schon damit beschäftigt, was in 10.000 Jahren mal sein wird. Die Zahl sagt aber nur etwas über die wahrscheinliche Häufigkeit eines solchen Ereignisses aus, aber nichts über den genauen Zeitpunkt der nächsten Katastrophe. Es könnte auch schon in den nächsten Monaten passieren.

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Flüsse neu vermessen

Ein Schwerpunkt bei der Ertüchtigung war aber nicht allein Hochwasserschutz. Die Talsperre Lehnmühle liefert im Verbund mit der Talsperre Klingenberg Rohwasser für die Trinkwasserversorgung der Städte Freital und Dresden. Seit 2014 wurde die Hochwasserentlastungsanlage umgebaut und die Kapazität der bestehenden Entnahmeeinrichtungen erweitert. Letztere sind nun 75 Prozent leistungsstärker. Dafür wurden Rohrleitungen und Armaturen ertüchtigt und ergänzt, teilt die Landestalsperrenverwaltung (LTV) mit.

Die Talsperre Lehnmühle hat eine wichtige Funktion als Speicher und Vorsperre für die Talsperre Klingenberg. Das erhöht die Qualität des nutzbaren Wassers. Außerdem wird Elektroenergie mit der Anlage an der Lehnmühle erzeugt. 

Verändert haben sich seit dem Bau der Talsperre, die 1931 in Betrieb ging, auch die hydrologischen Bedingungen. Die Flüsse sind heute anders. Sedimentablagerungen oder deren Abtransport haben Durchflussmengen beeinflusst. Deshalb gehörte zu den Vorsorgemaßnahmen nach dem folgenschweren Hochwasser 2002 auch, dass die Flüsse neu nachgemessen wurden. 

Zufluss stärker als vermutet

Diese aufwendigen Berechnungen haben ergeben, dass es einen wesentlich größeren Zufluss in die Talsperre Lehnmühle gibt als bisher angenommen wurde.  So mussten die Werte für ein tausendjährliches Hochwasser (HQ 1.000) von 82,5 Kubikmeter pro Sekunde auf 108 Kubikmeter hochgesetzt werden. Für das HQ 10.000 ergab sich sogar eine Steigerung von 140 auf 203 Kubikmeter pro Sekunde.

Mit dem Umbau wurde die Anlage an diese geänderten Bedingungen angepasst. Über die Staumauer, dem sogenannten Kronenüberfall, können jetzt im Extremfall 30 Prozent mehr Wasser kontrolliert ablaufen. Zudem können diese Wassermassen auch über das Tosbecken abgeleitet werden, ohne bauliche Anlagen der Talsperre oder das Vorland der Staumauer zu beschädigen. Vier der elf Wehrfelder an der Mauer wurden dazu abgesenkt und als Betriebsauslässe umgebaut.

"Zur schadlosen Ableitung der durch diese Maßnahmen gestiegenen Abgabemengen wurde die hydraulische Leistungsfähigkeit des Tosbeckens durch Einbauten von Leitkörpern ebenfalls verbessert", teilt die LTV mit. Somit ist die Anlage zwar Wassermassen wie einem 10.000 jährlichen Hochwasser gewachsen. Doch gilt das auch für die Wilde Weißeritz, die nach der Talsperre die Fluten aufnehmen muss? 

Gewährleistet sei mit den Umbauten lediglich, dass "der Abfluss im Abschnitt unterhalb der Talsperre nicht aus dem Ufer tritt", heißt es von der LTV. Im weiteren Verlauf ist eine Hochwassergefahr weiter vorhanden. Das Landeshochwasserzentrum hat eine Hochwasserrisikokarte entwickelt, die für jeden im Internet abrufbar ist.

Im Tosbecken der Talsperre Lehnmühle wurden Einbauten nötig, um mögliche Wassermassen noch besser zu bändigen.
Im Tosbecken der Talsperre Lehnmühle wurden Einbauten nötig, um mögliche Wassermassen noch besser zu bändigen. © Landestalsperrenverwaltung LTV

Gefahr auf dem Talsperrengrund

Langsam verschwinden auch wieder die Rudimente der früheren Bauwerke von Steinbrückmühle im Wasser der Talsperre. Der Ort befand sich im geplanten Stauraum und wurde deshalb 1932 aufgegeben. Dass der Wasserstand jetzt wieder steigt, hat aber nicht unmittelbar etwas mit dem Ende der Bauarbeiten zu tun. "Die Arbeiten wurden im Normalbetrieb der Talsperre erledigt", erklärt LTV-Sprecherin Katrin Schöne. Sechs Jahre hat das insgesamt gedauert.

Der aktuelle Füllstand hat ausschließlich mit den letzten größeren Regenfällen zu tun. Wer beispielsweise gucken will, ob die alte Brücke noch aus dem Wasser lugt, der sollte das nur von Weitem tun. Vor dem Betreten des ausgetrocknet wirkenden Talsperrengrunds warnt die LTV ausdrücklich. "Die weichen Sedimente können teilweise gefährlich wie Treibsand wirken", sagt Schöne.

In der Behörde ist längst nicht vergessen, wie dramatisch die Situation beim Hochwasser 2002 war. Die Staumauer selbst war zwar zu keiner Zeit in Gefahr. Alle Anlagen drum herum waren jedoch an ihrer Leistungsgrenze angekommen und Schäden daran unkalkulierbar geworden.

In den kommenden Jahren ist eine Instandhaltung weiter nötig. So ist etwa die Sanierung der wasserseitigen Mauerwerksfugen geplant, damit das Absperrbauwerk weitere 80 bis 100 Jahre planmäßig seinen Dienst tun kann, heißt es von der LTV.

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