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Lauensteiner Blitzer aufgerüstet

Eine zusätzliche Kamerasäule ist am Autobahnzubringer installiert worden. Die erfasst nun auch Motorräder mit dem Nummernschild.

Die linke, neue Messsäule in Lauenstein soll auch bei Motorrädern ein verwertbares Heckfoto liefern.
Die linke, neue Messsäule in Lauenstein soll auch bei Motorrädern ein verwertbares Heckfoto liefern. © Egbert Kamprath

Fahrspaß oder Raserei? Das liegt bei Motorrädern oft dicht beieinander. Sehen die Biker in Ausflügen auf kurvenreichen Strecken in schöner Landschaft oft den Genuss, empfinden Anwohner Lärm und Geschwindigkeit oft als Belastung und Gefahr.

So auch im Müglitztal. Dort ist die Route über den Autobahnzubringer zur A17 zwischen Lauenstein und Liebenau bei Motorradfahrern beliebt. Das wiederum nervt seit Jahren Anwohner, insbesondere in Mühlbach und Lauenstein. Die beschweren sich über die Biker und fordern, die Behörden sollen Abhilfe schaffen. Die versuchen das auch durch den Aufbau von stationären Messanlagen. Die stehen in Mühlbach. Und nun ist auch in Lauenstein ein Blitzer hinzu gekommen.

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Front- und Heckfoto von Rasern

Am Ortsausgang steht seit einem Jahr ein Gerät des Typs M5 RAD 2 des Löbauer Herstellers VDS, genauer gesagt sind es zwei Säulen. Diese funktionieren über Radar mit Abstandserfassung. Nach Auskunft von Geschäftsführer Dirk Hebold ist dieser Typ das einzige in Deutschland zugelassene stationäre Gerät mit dieser speziellen Messmethode und zugleich moderner Stand der Technik.

Wer hier zu schnell durchfährt, also mit mehr als 50 Kilometern pro Stunde, der wird fotografiert. Das passiert von vorn und hinten. So können auch Motorradfahrer ermittelt werden, die schneller als erlaubt unterwegs sind. Bei den gängigen Anlagen, wie einige Meter weiter vor der Schule, rutschen sie durch, da die Bußgeldstelle mit dem Frontfoto eines Motorrades nicht viel anfangen kann.

Geschwindigkeits-Messanlage aufgerüstet

Wie von Dirk Hebold zu erfahren ist, hat die vor einem Jahr installierte neue Technik vor der Serpentinenstrecke in Richtung Liebenau wie erwartet funktioniert. Beide Kameras lieferten die gewünschten Heck- und Frontfotos. In der Gegenrichtung, bei der Einfahrt nach Lauenstein, war das allerdings anders. Der Winkel der hinteren Kamera reichte nicht für ein Bild vom Zweiradnummernschild. Auch Steffen Klemt, Leiter des Amtes für Sicherheit und Ordnung beim Landratsamt, sah Handlungsbedarf.

In einer Pressemitteilung hieß es: „Seit Installation des Standortes wurden 3.645 Geschwindigkeitsverstöße festgestellt. Davon konnten aufgrund Qualität und Verwertbarkeit des Bildmaterials 1.579 Verstöße zur weiteren Verfolgung an die Bußgeldstelle übergeben werden." Angesichts dieser Diskrepanz sei nach "Optimierungsmöglichkeiten" gesucht worden. Ergebnis: Die Anlage wurde um eine weitere Säule erweitert. Ob es funktioniert, muss sich zeigen.

Ruhe dank Blitzer am "Brenner"?

Leider kann das Landratsamt nach eigener Aussage nicht mitteilen, wie hoch der Anteil der Motorradfahrer an den Temposündern ist. Das lässt sich anhand der erheblichen Anzahl von Fehlmessungen nur vermuten.

Die meisten Biker haben ihre Maschinen über den Winter ohnehin eingemottet. Die Anwohner hoffen nun, dass im kommenden Jahr am „Brenner“, wie der Straßenabschnitt im Volksmund auch genannt wird, mit aktiviertem Zusatz-Blitzer mehr Ruhe einzieht.

Biker biegen vorm Blitzer ab

Mancher Motorradfahrer sieht in den Maßnahmen allerdings nur Aktionismus, die nicht viel bringen werden. Die Biker, die bewusst über den Autobahnzubringer fahren, um sich mit aufheulendem Motor in die Kurven zu legen, biegen oft noch vor dem Blitzer nach links auf eine Brücke ab, um von dort auf die Rückrunde zu starten.

Und: Unmittelbar hinter der Geschwindigkeitsmessanlage werden die Verkehrsteilnehmer ohnehin zum Bremsen gezwungen, da der schlechte Zustand der Talstraße kein hohes Tempo zulässt. Der Hauptlärm - über den sich Anwohner beklagen - entsteht zudem außerhalb der Ortschaft auf freier Strecke, wenn sich der Schall an den Gegenhängen bricht.

Verkehrsverbot für Zweiräder?

So kehren sich die Präventionsmaßnahmen manchmal sogar ins Gegenteil um. Im oberen Streckenabschnitt wurde eine Leuchttafel angebracht, die mit grüner Schrift dankt, wenn man sich an die erlaubten 100 km/h hält. Bei 130 km/h springt die Anzeige um auf „Leise fahren!“ in Rot. Manch einer nutzt diesen Umstand für einen Kurzsprint mit entsprechend hochgezogenem Motor, um die rote Schrift zu aktivieren.

Auf dem "Brenner" geben Biker gern richtig Gas. Der Lärm ist oft weithin zu hören. Geblitzt wird allerdings erst am Ortseingang Lauenstein. Kurz zuvor sind die Motorräder oft schon abgebogen.
Auf dem "Brenner" geben Biker gern richtig Gas. Der Lärm ist oft weithin zu hören. Geblitzt wird allerdings erst am Ortseingang Lauenstein. Kurz zuvor sind die Motorräder oft schon abgebogen. © Egbert Kamprath

Inzwischen fürchtet die Gemeinde der Motorradfahrer, dass wegen einiger schwarzer Schafe alle Biker über einen Kamm geschoren werden. Ein Verkehrsverbot für Zweiräder steht immer mal wieder in der Diskussion. Auf einer Staatsstraße kann und will sich das keiner vorstellen. Doch viele andere Möglichkeiten gibt es nicht. Aus den Erfahrungen früherer Jahre hat sich gezeigt, dass Polizeikontrollen wenig Wirkung zeigen.

Motorradlärm nicht nur im Osterzgebirge

Ein Unfallschwerpunkt ist der Autobahnzubringer ohnehin nicht. Die Behörden sind in einer echten Zwickmühle, denn bei allem Verständnis für die Anwohner haben auch die Motorradfahrer Rechte. Die lassen sich nicht einfach so einschränken, nur weil es Beschwerden gibt. Schon der Blick in das nähere Umfeld zeigt, dass Insellösungen nur bedingt dazu taugen, Probleme zu beseitigen.

So könnten auch die Anlieger der Altenberger Tankstelle aus gutem Grund Maßnahmen fordern, wenn an schönen Wochenenden die Biker zu Dutzenden anrollen und laut knatternd weiter touren. Doch die Anlieger in Osterzgebirge sind mit ihren Sorgen nicht allein. Das Thema Motorradlärm sorgt in ganz Deutschland für Debatten. Ein Lösungsweg könnte sein, dass vom Gesetzgeber (noch strengere) Grenzwerte festgelegt werden.

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