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Neue Ideen für die Weißeritztalbahn

Die Dampfzüge sind ein touristischer Höhepunkt. Wie lässt sich aber daraus mehr machen? Dabei spielen auch Fahrräder eine Rolle.

Volldampf voraus! Was hier für die Dampflok im Bahnhof Seifersdorf gilt, ist auch das Motto für die touristische Vermarktung der Schmalspurstrecke.
Volldampf voraus! Was hier für die Dampflok im Bahnhof Seifersdorf gilt, ist auch das Motto für die touristische Vermarktung der Schmalspurstrecke. © Egbert Kamprath

Die Weißeritztalbahn ist ein touristischer Anziehungspunkt in der Region. Aber entlang der Strecke kann noch manches verbessert werden, und um diese Aufgabe anzupacken, haben die vier Städte Altenberg, Dippoldiswalde, Rabenau und Freital vor drei Jahren Mario Bielig als Projektmanager Weißeritztalbahn eingestellt. Seine Tätigkeit endet dieses Jahr und er hat in einer Runde mit den vier beteiligten Bürgermeistern und Bettina Bezold vom Leaderprojekt seine Resultate vorgestellt.

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Der Freitaler Bielig ist Sport- und Veranstaltungsmanager sowie Tourismusfachwirt. Er hat sich die Situation angesehen und schnell festgestellt, dass die Bahn besser sichtbar werden muss. Es geht dabei weniger um die Strecke, sondern vor allem um die Bahnhöfe. An den Endpunkten in Kipsdorf und Freital-Hainsberg organisierte er große Werbetafeln, die auf die Bahn hinweisen. Dazwischen helfen zusätzliche Hinweisschilder und Wanderwegweiser, dass auch Fremde die Haltepunkte finden.

Der Endbahnhof in Kipsdorf ist schön vorgerichtet. Hier muss aber noch eine Lösung gefunden werden, mit der auch Rollstuhlfahrer oder Eltern mit Kinderwagen ohne Hindernisse zu den Gleisen gelangen können.
Der Endbahnhof in Kipsdorf ist schön vorgerichtet. Hier muss aber noch eine Lösung gefunden werden, mit der auch Rollstuhlfahrer oder Eltern mit Kinderwagen ohne Hindernisse zu den Gleisen gelangen können. © Egbert Kamprath
Sie waren bei der Präsentation des Abschlussberichts zum Weißeritztalprojekt: Bürgermeister Thomas Kirsten, aus Altenberg, Projektmanager Mario Bielig, die Dippser Oberbürgermeisterin Kerstin Körner, ihre Kollegen Thomas Paul aus Rabenau und Uwe Rumberg aus Freital sowie die Leader-Managerin Bettina Bezold
Sie waren bei der Präsentation des Abschlussberichts zum Weißeritztalprojekt: Bürgermeister Thomas Kirsten, aus Altenberg, Projektmanager Mario Bielig, die Dippser Oberbürgermeisterin Kerstin Körner, ihre Kollegen Thomas Paul aus Rabenau und Uwe Rumberg aus Freital sowie die Leader-Managerin Bettina Bezold © Stadt Freital
Bimmelbahn und Lichterglanz war eine der Ideen, die im Rahmen des Bahnprojekts mit Mario Bielig entstanden sind. Die Veranstaltung zog Tausende von Besuchern an. Hier fuhr der geschmückte Zug in Kipsdorf ein.
Bimmelbahn und Lichterglanz war eine der Ideen, die im Rahmen des Bahnprojekts mit Mario Bielig entstanden sind. Die Veranstaltung zog Tausende von Besuchern an. Hier fuhr der geschmückte Zug in Kipsdorf ein. © Karl-Ludwig Oberthuer

Publikumserfolg mit 35.000 Euro Preisgeldern

Bieligs Auftrag war auch, die verschiedenen Anbieter entlang der Roten Weißeritz an einen Tisch zu holen und zu gemeinsamen Aktionen zu bewegen. Der größte Publikumserfolg dabei war das Festival „Bimmelbahn und Lichterglanz“, auch Deutschlands längster Weihnachtsmarkt genannt. „Wir hatten 2019 über 8.000 Fahrgäste in den Zügen und rund 12.000 Besucher bei den Veranstaltungen entlang der Strecke“, berichtet der Manager.

Diese Idee fand auch an höherer Stelle Anerkennung. Beim Ideenwettbewerb „So geht sächsisch“ kam das Projekt auf den zweiten Platz. Dafür gab es 5.000 Euro Preisgeld. Im vergangenen Jahr hat die Idee noch einmal 30.000 Euro Preisgeld erhalten, als sie an der Aktion „Denkzeit Event“ der Sächsischen Staatsregierung teilgenommen hat. Von dem Geld geht ein Teil an die Veranstalter der vielen kleinen Aktionen an den verschiedenen Bahnhöfen. „Davon können die beispielsweise die Miete für Verkaufshütten bezahlen“, sagt Bielig. Ein anderer Teil bildet eine Rücklage für die nächste Veranstaltung. Weiter werden davon Anlagen angeschafft, die für künftige Feste entlang der Weißeritztalbahn zur Verfügung stehen, beispielsweise eine mobile Tonanlage. „Bimmelbahn und Lichterglanz“ musste vergangenen Advent wegen Corona ausfallen. Dieses Jahr fällt im Sommer die Entscheidung, ob es 2021 eine Neuauflage geben wird.

Ideen woanders abgeschaut: Kinderbahnhof und Camping

Bielig hat sich auch entlang von anderen Bahnstrecken umgesehen, wo es Ideen gibt, die man ins Weißeritztal übertragen könnte. Auf einer Fahrt nach Oybin hat er sich gewundert, dass mehrere Kindergruppen einstiegen - bis er am Zielbahnhof den dortigen Kinderbahnhof sah. Das wäre etwas, was in Freital auf dem Parkgelände am Bahnhof Hainsberg auch möglich wäre. In Dippoldiswalde gibt es mit dem Polypark, der neben dem Bahnhof liegt, bereits einen Ansatz dafür. In Oybin ist auch der Fahrplan darauf ausgerichtet, dass die Kindergärten einen solchen Ausflug in ihren Tagesablauf eintakten können.

Am Fahrplan musste auch im Weißeritztal gedreht werden. Die Zeit von der Zugankunft in Kipsdorf zur Busabfahrt war zu knapp. Manche Fahrgäste wollten ja weiter. „Jetzt fährt der Bus einige Minuten später und wir haben keine Beschwerden mehr bekommen“, sagt Bielig.

Er hat auch noch eine zweite Idee aus Oybin mitgebracht. Dort können sich Urlauber in Bahnwaggons einmieten, die als Camper umgebaut wurden, mit Schlaf- und Wohnecke, Dusche und WC. „Das könnte man doch am Hains in Freital auch machen. Da wäre Platz“, dachte sich der Bahnmanager. Doch als er sich umguckte nach alten Waggons, die man umbauen könnte, biss er auf Granit. „Es gibt keine gebrauchten Waggons zu kaufen. Wir haben in Österreich und der Schweiz uns umgehört, keine Chance“, musste er feststellen. Doch dann haben sie die Idee abgeändert. Jetzt stehen in Freital sechs Stellplätze für normale Campingwagen am Hains, gegenüber der Bahnstrecke.

Konzept für Rad- und Wanderweg Freital-Altenberg

Ein wichtiges Erbe, das er zum Ende seiner Tätigkeit hinterlässt, ist ein Konzept für einen Rad- und Wanderweg entlang der Weißeritztalbahn von Freital bis nach Altenberg. Dort werden vorhandene Wege eingebunden und auch Lösungen für Engstellen gesucht. Im Rabenauer Grund führt der Wanderweg über einen Fels. Für Radfahrer ist es unter Umständen zu schwer, ihr Rad über die Stufen zu tragen. Dort ist eine Umfahrungsstrecke vorgesehen. Entlang der Malter könnte das Vorhaben zwei Ziele auf einmal erreichen. Erstens den Radweg zwischen Altenberg und Freital herstellen, zweitens ein Teil des Malterrundwegs werden, den die Stadt Dippoldiswalde anstrebt. Dieses Vorhaben soll auch nach dem Ausscheiden von Bielig im Rahmen eines Leader-Projekts weitergeführt werden. Mario Bielig geht diesen Sommer in den Ruhestand.

Seine Auftraggeber, die vier Bürgermeister, zeigten sich bei einer internen Vorstellung seiner Ergebnisse zufrieden. Thomas Kirsten aus Altenberg sagt: „Wenngleich die Begleiterscheinungen des Corona-Virus auch unser Projekt ein Stück weit negativ beeinflusst haben, besitzen wir nunmehr eine abgestimmte Tour für Wanderer und Radfahrer entlang der Weißeritztalbahn. Es kommt in den nächsten Jahren darauf an, dass wir dieses Ziel auch umsetzen.“

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