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Wilsdruffer betrügt bei Ebay und fliegt auf

Ein Lehrling verschafft sich über Internetschummeleien Geld. Dass es ihm leid tut, ist nicht zu erkennen. Das Gericht urteilt hart.

© Symbolfoto: Monika Skolimowska/dpa

Von Anne Schicht

Ob er jemals daran gedacht habe, wie es den Geschädigten dabei ging, will Richter Xaver Seitz vom 20-jährigen David K. wissen. Der sitzt blass und regungslos im Amtsgericht Dippoldiswalde und weiß auf die Frage keine Antwort.

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Angeklagt ist der Deutsche wegen 47 Betrugsfällen. Neunmal wurde er angezeigt, weil er Computerspiele und -zubehör über Ebay zum Verkauf angeboten, das Geld kassiert, aber die Ware nie verschickt hatte. Mehr als 1.300 Euro hat er so unterschlagen. 

Fake-Profile bei Ebay und Amazon

Dafür erstellte er Fake-Profile. Noch dazu nutzte er die Daten eines Mannes inklusive Kontoverbindung, die er durch einen solchen Ebay-Verkauf kannte, für ein Konto bei Amazon. Als Lieferadresse gab er aber seine eigene an. 

Nun shoppte David K. innerhalb zweier Monate knapp 40-mal Lebensmittel und Alltagsgegenstände. Und alles wurde vom Konto des Mannes beglichen. Dem fielen natürlich alsbald die Zahlungen auf, die er nicht zuordnen konnte. Er rief über seine Bank das Geld zurück und erkundigte sich bei Amazon, was da los sei. So flog die Sache auf.

Betrüger ignoriert die Ladung vom Gericht

Ladungen der Polizei und des Jugendgerichtes ignorierte der Betrüger geflissentlich. Auch die Ladung zur Hauptverhandlung beachtete er nicht und erschien zunächst nicht zum Termin. Der Richter schickte eine Polizeistreife nach Wilsdruff zur Adresse von David K. Dort sammelten die Beamten den Mechatronik-Azubi ein und brachten ihn ins Gericht. Zwei Stunden später konnte die Verhandlung beginnen.

Emotionslos gesteht David K. alles. Auf die Frage des Richters nach dem Warum, fällt ihm als Antwort nur ein: Dummheit. Das lässt der Vorsitzende Richter nicht so einfach gelten: „Dummheit sitzt zu Hause und wartet, dass Feierabend wird. So war das bei Ihnen aber nicht.“ 

David K. schiebt nach, er hätte einfach etwas Geld haben wollen. Bei der ersten Ladung des Gerichts habe er aber sofort aufgehört, da habe es Klick gemacht. Dem widerspricht die Jugendgerichtshilfe: Mindestens drei Ladungen sei er nicht gefolgt.

Der Richter versucht es noch einmal: „Haben Sie geglaubt, dass es den Geschädigten nicht auffällt?“ Doch auch hier kommt keine erhellende Antwort.

Jugendstrafrecht greift nicht mehr

Der Vertreterin der Jugendgerichtshilfe fällt es schwer, Argumente zu finden, warum das Gericht nach Jugendstrafrecht urteilen sollte. Für die Taten brauche man eine hohe kriminelle Energie, sie seien nicht jugendtypisch. Sein persönliches Umfeld sei normal und auch in seinem Lebensweg seien keine Brüche vorgekommen, die eine Reifeverzögerung erklären würden.

Der Staatsanwalt weist immerhin darauf hin, dass David K. zum Zeitpunkt der Taten noch nicht lange 18 gewesen sei. Und es sei gut, dass er alles gestanden habe. Der Prozess hätte sonst aufwendig geführt und die Zeugen aus dem ganzen Bundesgebiet eingeladen werden müssen. Er plädiert deshalb nach Jugendstrafrecht für sieben Monate auf Bewährung.

Bewährung, Arbeitsstunden, Rückzahlung

Die Verteidigerin sieht in dem Verhalten ihres Mandanten sehr wohl ein Zeichen dafür, dass er noch nicht wirklich erwachsen ist. „Was macht ein Kind, wenn es schwierig wird? Es läuft weg. Genau das gleiche hat mein Mandant gemacht.“ Sie findet eine Freiheitsstrafe von fünf Monaten auf Bewährung angemessen.

Die Schöffen und der Richter urteilen schließlich sogar härter, als der Staatsanwalt es fordert. Ein Jahr Freiheitsentzug auf Bewährung, 120 Stunden ehrenamtliche Arbeit, die Schadenswiedergutmachung in Höhe von 1.340 Euro und Entschuldigungsbriefe an jeden einzelnen Geschädigten stehen im Urteil. 

„Das muss weh tun“, findet der Richter. „Sie stehen mit einem Bein im Gefängnis. Wenn Sie die Auflagen nicht erfüllen, werde ich die Reißleine ziehen. Das können Sie mir glauben“.

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