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Rohstoffkonzern zieht aus Sachsen ab

Lithium Australia hatte seit 2017 drei Lizenzen in Altenberg, Dipps und im Vogtland. Nun stoppt er die Projekte. Wegen Corona oder wegen Finanzhürden?

2018 liefen in Sadisdorf noch Erkundungsbohrungen bis in eine Tiefe von fast 300 Meter. Jetzt haben die Eigentümer der Lizenz ihr Projekt auslaufen lassen.
2018 liefen in Sadisdorf noch Erkundungsbohrungen bis in eine Tiefe von fast 300 Meter. Jetzt haben die Eigentümer der Lizenz ihr Projekt auslaufen lassen. © Karl-Ludwig Oberthür

Diese Woche hat der australische Bergbaukonzern Lithium Australia offiziell mitgeteilt, dass er seine Unternehmungen in Deutschland zurückfährt. Das betrifft drei Vorhaben, eines in dem Dippoldiswalder Ortsteil Sadisdorf, eines auf der Hegelshöhe zwischen den Altenberger Ortsteilen Bärenstein und Falkenhain sowie eines in Eichigt im Vogtland.

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Die Erkundungslizenz für Sadisdorf hat Lithium Australia über sein Tochterunternehmen Trilithium Erzgebirge GmbH 2018 von der Deutschen Rohstoff AG gekauft. Jetzt ist sie ausgelaufen und die Australier haben sie nicht erneuert. Weiter hält Lithium Australia eine Erkundungslizenz in Eichigt im Vogtland. Die gibt das Unternehmen ans Oberbergamt in Freiberg zurück, wie es mitteilt.

Die Finanzen sind der ausschlaggebende Grund

Und auch das dritte sächsische Vorhaben auf der Hegelshöhe, die zwischen den Altenberger Stadtteilen Bärenstein und Falkenhain liegt, steht infrage. Hier muss noch eine Entscheidung getroffen werden, heißt es in der Mitteilung. Das klingt nicht nach schwungvollem Weiterbetrieb.

Der australische Bergbaukonzern nennt zwei Gründe für seinen Rückzug aus Deutschland. „Im vergangenen Jahr haben die Covid-19-Einschränkungen das Arbeiten in den Bergbauregionen fast unmöglich gemacht“, heißt es erstens. Zweitens wären beträchtliche finanzielle Aufwendungen nötig gewesen, um die Bergbauvorhaben voranzutreiben. Beides hätte die Gesellschaft dazu gebracht, ihre Aktivitäten zurückzufahren. Ehemalige Beteiligte an dem Projekt nehmen an, dass die Finanzen der ausschlaggebende Grund für den Rückzug sind.

Schon 2008, als das kanadische Unternehmen Tinco begonnen hatte, das Osterzgebirge zu erkunden, haben seine Mitarbeiter auch die den Kupfergrübner Stollen in Sadisdorf sich angesehen. Damals stand noch Zinn im Fokus der Erkundungen.
Schon 2008, als das kanadische Unternehmen Tinco begonnen hatte, das Osterzgebirge zu erkunden, haben seine Mitarbeiter auch die den Kupfergrübner Stollen in Sadisdorf sich angesehen. Damals stand noch Zinn im Fokus der Erkundungen. © Tinco
Ein Vorteil von Sadisdorf liegt darin, dass der Untergrund bereits durch Stollen und Schächte des alten Bergwerks erschlossen ist, die noch weitgehend intakt sind.
Ein Vorteil von Sadisdorf liegt darin, dass der Untergrund bereits durch Stollen und Schächte des alten Bergwerks erschlossen ist, die noch weitgehend intakt sind. © Egbert Kamprath
Das Gestein zeigt Spuren des früheren Abbaus, gibt aber auch Hinweise auf weitere Inhaltsstoffe, die für einen eventuellen neuen Abbau interessant werden können.
Das Gestein zeigt Spuren des früheren Abbaus, gibt aber auch Hinweise auf weitere Inhaltsstoffe, die für einen eventuellen neuen Abbau interessant werden können. © Karl-Ludwig Oberthür
Die Geologin Anja Ehser und Dr. Jörg Reichert, Vorstand der Deutsche Rohstoff AG sind hier in Sadisdorf unter Tage. Das Unternehmen hat Sadisdorf erkundet, bevor es die Lizenz an Lithium Australia weitergegeben hat.
Die Geologin Anja Ehser und Dr. Jörg Reichert, Vorstand der Deutsche Rohstoff AG sind hier in Sadisdorf unter Tage. Das Unternehmen hat Sadisdorf erkundet, bevor es die Lizenz an Lithium Australia weitergegeben hat. © Egbert Kamprath
Albert Gruber hat zuletzt für die Trilithium Erzgebirge GmbH, eine hundertprozentige Tochter von Lithium Australia das Sadisdorfer Vorkommen erkundet. Hier steht er in der Sadisdorfer Pinge.
Albert Gruber hat zuletzt für die Trilithium Erzgebirge GmbH, eine hundertprozentige Tochter von Lithium Australia das Sadisdorfer Vorkommen erkundet. Hier steht er in der Sadisdorfer Pinge. © Egbert Kamprath

Die Entscheidung hängt aber auch damit zusammen, dass Lithium Australia sein Geschäft etwas anders ausrichtet und dabei die Gewinnung von Roh-Lithium in den Hintergrund stellt gegenüber dem Recycling des Stoffs, teilt Adrian Griffin mit, Geschäftsführer von Lithium Australia.

Im Osterzgebirge werden damit auch die Karten neu gemischt. Das Sadisdorfer Vorhaben kann neu vergeben werden. Hier werden neben Zinn, Molybdän und anderen Rohstoffen rund 50.000 Tonnen Lithium im Berg vermutet. Dieser Lithiumvorrat ist für sich allein zu gering, um wirtschaftlich abgebaut zu werden.

Eine Ergänzung für das Zinnwalder Abbauvorhaben

Auch die Vorkommen, die in der Erde zwischen Falkenhain und Bärenstein vermutet werden, lohnen alleine keinen Abbau. Hier hat das Sächsische Oberbergamt zwei Erkundungslizenzen vergeben. Eben die auf der Hegelhöhe, von der Lithium Australia im Moment noch nicht entschieden hat, wie es damit weitergeht. Und eine weitere, die nach Falkenhain benannt ist. Diese hält die Deutsche Lithium GmbH, die in Zinnwald ein Lithium-Bergwerk und eine Aufbereitung errichten will. Zur Vorbereitung dieses Projekts hat sich das Mutterunternehmen der Deutsche Lithium als börsennotiertes Unternehmen neu aufgestellt und heißt seit letztem Jahr "Zinnwald Lithium". Es ist an der Londoner Börse notiert.

Falkenhain mit einem erwarteten Lithiumgehalt von 40.000 Tonnen soll für das Zinnwalder Projekt als Ergänzung dienen, um die dortigen Anlagen wirtschaftlicher zu betreiben. Solche Aufwertungen des Zinnwalder Projekts könnten auch die Erzgewinnung auf der Hegelhöhe darstellen und Sadisdorf. Auf die Anfrage, ob die Deutsche Lithium solche Pläne hat, sagt Geschäftsführer Armin Müller: „Schwieriges Thema. Fragen Sie mich in einem Vierteljahr noch einmal.“

Sadisdorf ist schon lange im Fokus der Erzsucher

Sadisdorf ist ein traditioneller Bergbaustandort. Zuerst wurde dort Kupfer gewonnen. Daher heißt der Stollen dort auch Kupfergrübner Stollen. Später wurde vor allem Zinn abgebaut. 1954 ist der Bergbau in Sadisdorf eingestellt worden, aber die Stollen und Schächte sind noch erhalten. Das ist ein großer Vorteil für den Standort. Denn wer hier den Untergrund erkunden will, kommt ohne großen Aufwand vor Ort. Als das kanadische Unternehmen Tinco 2007 begann, die Zinnvorräte im Osterzgebirge zu erkunden, sind seine Geologen 2008 auch in Sadisdorf eingefahren, um die dortigen Vorräte zu untersuchen. Tinco hat sich dann zurückgezogen, und 2013 hat die Firma Sachsenzinn wieder eine Lizenz für Sadisdorf erhalten. Sachsenzinn war eine Tochterfirma der Deutsche Rohstoff AG. Sie hat später erst mit Lithium Australia zusammengearbeitet und dann die Lizenz ganz verkauft. Man darf gespannt sein, wer sich als Nächstes für die Erzvorräte in Sadisdorf interessiert.

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