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Glashütte segelt um die Welt

Profisegler Boris Herrmann trägt bei seinen Törns eine Uhr aus Sachsen. Schon in der DDR erlebten die Chronometer Abenteuer vor Kuba.

Boris Herrmann trägt eine Neuauflage einer Glashütter Sporttaucheruhr von 1969.
Boris Herrmann trägt eine Neuauflage einer Glashütter Sporttaucheruhr von 1969. © © Pierre Bouras / Team Malizia

Glashütte. Eine Uhr aus Sachsen reiste kürzlich in 80 Tagen um die Welt. Hochsee-Segler Boris Herrmann trug bei seinem Törn während der Vendée-Globe-Non-Stop-Regatta eine SeaQ Panoramadatum von Glashütte Original. Das Modell repräsentiert einen Trend, der seit einigen Jahren bestens funktioniert: Uhrenmarken greifen auf ihre eigene Historie zurück. Vintage-Design ist sehr angesagt.

Der Zeitmesser, mit dem Herrmann über die Meere segelte, ist eine Neuauflage der Glashütter Sporttaucheruhr Spezimatic Typ RP TS 200 aus dem Jahr 1969. Sie war Teil einer Serie von Spezimatic-Uhren, gebaut von 1964 bis 1979, die über Automatiklaufwerke verfügten.

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Der Katalog des VEB Uhrenkombinats, der im Uhrenmuseum in Glashütte liegt, versprach damals ein massives Edelstahlgehäuse „im Stil des internationalen Zeitgeschmacks“. Die Stahluhr für Sporttaucher samt drehbaren Zahlenring, gut sichtbaren Ziffern und relativ großen Zeigern erhielt zur Leipziger Messe 1970 eine Goldmedaille. Der Chronometer mit hochpräzisem Uhrenwerk Spezimatic Kaliber 75 war bis zu einer Tauchtiefe von 200 Metern konzipiert.

Als erster Deutscher nimmt Boris Herrmann am Vendée Globe Race, einer Weltumseglung, teil, die es so nur alle vier Jahre gibt.
Als erster Deutscher nimmt Boris Herrmann am Vendée Globe Race, einer Weltumseglung, teil, die es so nur alle vier Jahre gibt. © Glashütte Original

Das Sporttauchermuseum Berlin-Wendenschloß besitzt noch einige alte Exemplare. Dort ist auch zu erfahren, dass ein Versuchsmuster dieser damals neuen Uhr zu Testzwecken schon 1967 mit auf eine Kuba-Expedition ging. Es handelte sich um die bis dahin größte DDR-Unterwasserexpedition. Ziel war es, ein ganzes Korallenriff von acht bis zehn Tonnen abzubauen, in Einzelteile zu zerlegen, in Holzkisten zu verpacken und später im Naturkundemuseum Berlin wieder aufzubauen. Die Expedition war ein Gemeinschaftsunternehmen der Humboldt-Universität Berlin und des Tauchsportklubs der DDR. Das große Riffdiorama ist noch heute im Naturkundemuseum Berlin zu betrachten.

Internethändler bieten zurzeit Glashütter Taucheruhren aus der DDR für 400 bis 600 Euro an. Gute Nachricht für Sammler: Seit die aktuellen Exemplare auf dem Markt sind, steigt der Wert der alten Chronometer. Die Preise für eine SeaQ Automatik in Edelstahl starten zurzeit bei chronext.de bei 7.390 Euro, der Listenpreis liegt bei 8.500 Euro. Die Uhr weist eine Wasserdichte bis zu 30 bar auf. Das Werk ist besonders stoßsicher im Gehäuse verankert und bietet eine Gangdauer von 100 Stunden. Durch die Siliziumspirale, die unabhängig von Temperaturschwankungen und Magnetfeldern ist, wird eine zuverlässige und hohe Ganggenauigkeit gewährleistet. Das Gehäuse besitzt ein beidseitig entspiegeltes Saphirglas und hat einen Durchmesser von 43 Millimeter.

24.500 Euro fürs Retro-Design

Die Spezimatic RP TS 200 aus dem Jahr 1969 besaß einen Durchmesser von 36 Millimeter. An der Differenz zwischen dem alten und dem neuen Modell ist ein weiterer Trend zu erkennen. Die heute entwickelten Uhren mit dem Rückgriff auf die Historie sind deutlich größer. In der Kollektion von Glashütte Original gibt es inzwischen sieben verschiedene Ausführungen der SeaQ. Das neueste Angebot mit Panoramadatum samt Gehäuse in Rotgold kostet 24.500 Euro. Das Unternehmen setzt damit weiter auf das Retro-Design. Allein sind sie damit nicht.

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Aktuelle Beispiele sind die neue Taucheruhr von Tudor Black Bay Fifty-Eigth in Navy Blue sowie die neuen Portugieser-Modelle von IWC. Profisegler Boris Herrmann sammelte auf seinem Törn übrigens wichtige ozeanographische Daten. Mithilfe eines mobilen Labors an Bord der Sportyacht Seaexplorer wurden automatisch Wasserproben aus den entlegensten Ozeanregionen genommen, ausgelesen und die Daten an Forschungsinstitute wie das Max Planck Institut für Meteorologie weitergeleitet. Die Uhr aus Sachsen zeigte auch bei diesem neuen Experiment zuverlässig die Zeit an.

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