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Elektroautos sind das Zugpferd für Herbrig

2020 fing für die Präzisionsdreherei im Altenberger Ortsteil Bärenstein gut an und endete wieder gut. Dazwischen gab es Probleme, nicht nur mit Corona.

Mitarbeite Rico Thrun zeigt hier Stecker und Buchse, die bei Herbrig gedreht und später zum Laden eines Elektroautos eingesetzt werden.
Mitarbeite Rico Thrun zeigt hier Stecker und Buchse, die bei Herbrig gedreht und später zum Laden eines Elektroautos eingesetzt werden. © Karl-Ludwig Oberthür

Wir sind noch glimpflich durch das Jahr 2020 gekommen“, sagt Christoph Herbrig, der geschäftsführende Gesellschafter der Präzisionsdreherei Herbrig und Co im Altenberger Ortsteil Bärenstein. Das Jahr hat für den Betrieb sehr gut begonnen. Dann gab es von zwei Seiten Gegenwind. Die Automobilindustrie lief schwächer. Das hatte Auswirkungen auf den Maschinenbau und das wiederum auf einen Zulieferbetrieb wie Herbrig. Außerdem wirkte sich Corona aus mit Fabrikschließungen oder Grenzschließungen, die Lieferprobleme verursachten. „Im April und Mai kamen praktisch keine neuen Bestellungen rein“, erzählt Herbrig. Die Dreherei ging in Kurzarbeit mit einer Vier-Tage-Woche, bis im September die Nachfrage wieder anzog. Und mit dem letzten Quartal ist Herbrig wieder zufrieden.

Sven Seidel stellt hier die neuen Nano-Maschinen ein, mit denen auch kleinere Teile als bisher gefertigt werden können. Ein möglicher Kunde dafür ist die Uhrenindustrie.
Sven Seidel stellt hier die neuen Nano-Maschinen ein, mit denen auch kleinere Teile als bisher gefertigt werden können. Ein möglicher Kunde dafür ist die Uhrenindustrie. © Karl-Ludwig Oberthür
400 Palettenstellplätze bietet die neue Logistikhalle, die Herbrig im vergangenen Jahr gebaut hat.
400 Palettenstellplätze bietet die neue Logistikhalle, die Herbrig im vergangenen Jahr gebaut hat. © Karl-Ludwig Oberthür

Elektroautos und Mobilfunk sind die wichtigsten Branchen

Hier gibt vor allem ein Thema Rückenwind, das Elektroauto. Wobei Herbrig weniger Teile für die Autos direkt liefert, sondern in erster Linie Stifte und Buchsen für die Ladestationen und Kabelverbindungen. Rund ein Viertel seines Umsatzes macht das Bärensteiner Unternehmen mit Teilen für die elektrische Mobilität. Fast gleichauf liegt der Anteil der Telekommunikationsindustrie. Hier ist es vor allem der Ausbau des 5-G-Netzes, der momentan für Nachfrage sorgt.

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Fertigung für Singapur, aber auch fürs Erzgebirge

Die andere Hälfte der Produktion verteilt sich auf verschiedenste Branchen. So liefert Herbrig Teile für Dyson-Staubsauer oder Haartrockner. Davon gehen zehn Millionen Stück im Jahr bis nach Singapur. „Unsere Rundtakt-Maschinensysteme sind in Asien nicht so geläufig“, erklärt der Geschäftsführer, warum der kleine Hersteller aus dem Osterzgebirge selbst in Fernost mithalten kann. Andererseits liefert er eine kleine Serie von Pyramidenspitzen nach Seiffen, das ist dann wieder ein ausgesprochen bodenständiger Auftrag.

Noch kleinere Teile als bisher

Zehn Prozent der Produktion gehen an Hersteller von Prüf- und Messtechnik. Das ist ein Markt, von dem sich Herbrig mehr erwartet. Darum erweitert er dafür seine Produktionstechnologie. Seine Dreherei ist auf kleine Teile spezialisiert. Die fingen früher bei 0,5 Millimeter Durchmesser an und reichen bis 42 Millimeter. Prüfgerätehersteller wollen aber kleinere Kontakte für die Kontrolle von Leiterplatten. Daher hat Herbrig fünf sogenannte Nano-Maschinen des Schweizer Hersteller Tornos gekauft, die Teile ab 0,2 Millimeter Durchmesser drehen können. Das ist aber nicht nur für die Prüftechnik interessant. „Damit wollen wir auch die Glashütter Uhrenindustrie als Abnehmer in den Fokus nehmen“, sagt Herbrig.

Für die neuen Maschinen hat er im vergangenen Jahr auch eine neue Halle gebaut, dort wo früher die Besucherparkplätze waren. Und einen zweiten Neubau hat er ebenfalls errichtet, eine Logistikhalle. Der Betrieb hat in den letzten Jahren die Produktion erweitert, jetzt musste er auch in diesem Bereich nachziehen, damit die Betriebsabläufe weiterhin gut funktionieren. 400 Paletten können dort abgestellt werden.

Dreidimensionaler Rundgang für Lehrinteressierte

Insgesamt hat das Unternehmen in Bärenstein rund drei Millionen Euro investiert. Es hat in der Informationstechnik die Server erneuert, neue Messtechnik angeschafft und in der ehemaligen Schule seine Lehrwerkstatt neu eingerichtet. Für die Lehrlingsausbildung gibt es jetzt auch einen neuen Internetauftritt, bei dem Interessenten einen dreidimensionalen Rundgang durch die Räume machen können und von jungen Leuten über die Ausbildung informiert werden. Mit der Lehrausbildung sichert sich das Unternehmen die künftigen Arbeitskräfte.

180 Mitarbeiter sind das Ziel

Insgesamt stehen derzeit 140 Drehmaschinen in den Halle, das Ziel sind 150. Dazu sucht Herbrig weitere Mitarbeiter. 167 Beschäftigte hat das Unternehmen derzeit. Auf 180 Mitarbeiter würde er die Belegschaft gerne ausbauen. „Wir haben offene Stellen ausgeschrieben“, sagt Herbrig.

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Unterm Strich hat die Dreherei im letzten Jahr 21 Millionen Euro Umsatz gemacht. „Das ist auch unser Ziel für 2021, vielleicht mit einem kleinen Plus“, sagt der Chef. Für die nächsten Jahre peilt er dann die 25-Millionen-Euro-Marke an.

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