SZ + Freital
Merken

Klingenberg: Nach Brand schnelle IT-Rettung

Intra-Connect aus Dresden hilft Firmen, dass es gar nicht erst zum Schaden kommt. Ein Unternehmen aus der Region hat im Notfall besonders profitiert.

Von Bettina Klemm
 5 Min.
Teilen
Folgen
Die beiden Geschäftsführer der Firma Intra-Connect Michael Köllner (li.) und Felix Müller.
Die beiden Geschäftsführer der Firma Intra-Connect Michael Köllner (li.) und Felix Müller. © privat

Ein gutes Feuer in Kaminen und Öfen, das ist seit 2008 das Geschäft von Toni Klement. Er ist Geschäftsführer der Energie-Werk Ost GmbH. Als Fachhändler mit Sitz in Klingenberg im Erzgebirge vertreibt er Kamine, Werkstattöfen und Ähnliches sowie - zusätzlich über seinen Online-Shop herrenseite.de - ein breites Sortiment zum Grillen, Outdoor und Lifestyle.

Den Abend des 14. Aprils vergangenen Jahres – ein Mittwoch – wird er wohl nie vergessen. Um 22.20 Uhr wurde die Feuerwehr gerufen, weil seine Lagerhallen und der Bürokomplex in Höckendorf lichterloh brannte. Die Einsatzkräfte konnten nur noch verhindern, dass der Brand auf andere Hallen in dem Gewerbegebiet überschlug. Die 65 mal 50 Meter große Halle samt der Ausstellungs- und Lagerstücke sowie Computern und Büromöbel brannte völlig aus, zumal sich die Versorgung mit Löschwasser als schwierig erwies. Auch der firmeneigene Server wurde dabei unbrauchbar.

Am nächsten Morgen standen von der Halle nur noch die Reste eines Stahlskeletts. In Medien war von einem Verlust in Millionenhöhe die Rede. Toni Klement ist jedoch froh, dass das Image der Firma nicht gelitten hat. Schon am Freitagmittag konnten seine Mitarbeiter an den anderen beiden Standorten der Firma wieder auf die gesamten Daten zurückgreifen und damit die Kunden informieren.

Eine wichtige Rolle spielte dabei die Firma Intra-Connect. Bereits 2018 hatte Toni Klement mit dem Dresdner Firma Unternehmen einen Betreuungsvertrag abgeschlossen. „Ich habe damals erst einmal geschluckt, weil es erforderlich war, unsere IT-Struktur auf ein einheitliches System umzurüsten“, erzählt der junge Familienvater. Das sei zwar mit Kosten verbunden gewesen, aber es habe sich ausgezahlt.

Firmendaten werden mehrmals im Jahr gesichert

Intra-Connect teste die Wiederherstellung und Sicherung der Firmendaten mehrmals im Jahr und konnte durch die einheitliche Technik die Prozesse in der Logistik und im Vertrieb deutlich stabilisieren und beschleunigen. „Als uns Herr Klement am Donnerstag um 10 Uhr vom Brand berichtete, waren wir schon dabei, die Daten über unsere Sicherungssysteme wiederherzustellen“, erläutert Intra-Connect-Geschäftsführer Michael Köllner. Seine Datenüberwachung hatte sofort Alarm geschlagen. Automatisierung sei dabei das Schlüsselwort, schließlich mache die Technik viel weniger Fehler als der Mensch.

Sicherlich ist nicht jeder Fall so dramatisch, aber es belegt, wie wichtig eine gut funktionierende IT ist. In der Regel haben zwar große Unternehmen eigene IT-Abteilungen und Fachleute, die wissen, wie man im Notfall reagieren muss. Aber bei kleinen und mittelständischen Unternehmen sieht es oft mau aus, der Geschäftsführer habe unendlich viel auf dem Tisch und, wenn überhaupt, wenig Personal für IT-Fragen, schätzt Köllner ein.

IT-Spezialist hat kleine Mittelständer im Blick

Gemeinsam mit Felix Müller leitet er das 1990 gegründete Unternehmen Intra-Connect GmbH in zweiter Generation. Köllner ist seit 1995 in diesem IT-Unternehmen, sein Geschäftsführer-Kollege seit 2005. Nachdem sie die Firma 2017 übernommen hatten, suchten sie nach der passenden Nische für die Spezialisierung und fanden sie in der Zielgruppe regionale Unternehmen mit bis zu 100 Mitarbeitern. „Das ist eine Gruppe, die zu uns passt“, findet der 36-jährige Felix Müller. Sie bieten den Unternehmern eine verlässliche Rundum-IT-Betreuung zum Festpreis an.

Schnell haben die beiden Wirtschaftsinformatiker erkannt, wie sie die Komplexität ihres Fachgebiets verständlich an den Kunden bringen können. Diese müssen sich auf sie verlassen können. In Sachen IT-Systeme ist vieles „historisch gewachsen“, aber damit auch noch aktuell und sicher? So beginnen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Intra-Connect oft bei der Ausstattung der Geräte mit aktuellen Office-Technologien und Anwendungen und schaffen so bessere Bedingungen für Teamarbeit, Kommunikation und Produktivität im Unternehmen. Sie übernehmen für ihre Kunden Routinearbeiten wie Überwachung, fortlaufende Dokumentation und regelmäßige Aktualisierung der IT. Das wiederum führt am Ende zu einer Kosteneffizienz. So können mögliche Störungen und Angriffe bereits im Vorfeld erkannt und ausgeschaltet werden, bevor es zu Ausfällen kommt. Oder sie helfen schnell in Notfällen wie bei dem Fachhändler aus dem Erzgebirge. Da sie den Markt auf ihrem Spezialgebiet verfolgen, weisen sie ihre Kunden auch auf Risiken und Veränderungen hin.

Intra-Connect will jedes Jahr zwei neue Mitarbeiter

Wie wichtig das Thema Datensicherheit ist, zeigen folgende Zahlen: Im Jahr 2020 betrug der Schaden durch Cyberattacken in Deutschland etwa 220 Milliarden Euro, er hatte sich im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) beobachtet täglich die wachsende Bedrohungslage. Mittels Schadstoffsoftware verschlüsseln gut organisierten kriminelle Banden wichtige Daten von Unternehmen und fordern anschließend für die Freigabe Lösegeld. Durch ausgefeilte Angriffstechniken dringen die Täter in das Unternehmernetzwerk ein, stehlen geistiges Eigentum und verursachen so oft immensen Schaden, machen die Unternehmen verwundbar. Schlecht geschützte Systeme machen es ihnen oft leicht. Es ist kaum noch eine Frage, ob ein Unternehmen Opfer eines Cyberangriffs wird, sondern nur wann.

Bei der Suche nach ihrem eigenen Profil sahen sich die beiden Geschäftsführer zunächst in der eigenen Branche um. „Das IT-Umfeld hilft sich zwar untereinander, aber der Zugewinn an Wissen hält sich in Grenzen. Andere Erfahrungen haben wir im TAB-Board im Austausch mit Unternehmern anderer Branchen gemacht“, erzählt der 42-jährige Köllner. TAB steht für The Alternative Board. Dabei beraten sich Unternehmer untereinander zu anstehenden Entscheidungen und Fragen, in der Regel, ohne untereinander Geschäfte zu machen.

Der Unternehmer und Unternehmensberater Dr. Markus Schotters hat vor fünf Jahren in Dresden das erste TAB-Unternehmerboard gegründet und arbeitet dabei mit der Psychologin und Coach Anne Pietag zusammen. „Das hat uns zum Beispiel angeregt, uns mit der Führung des Unternehmens und dem Marketing stärker zu beschäftigten." Derzeit hat Intra-Connect 19 Mitarbeiter. Die beiden Chefs gehen davon aus, dass sie in jedem Jahr zwei weitere einstellen.